An Corona Erkrankte haben ein fast dreifach erhöhtes Risiko für chronische Nierenerkrankungen

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Noch sind die Langzeitfolgen einer Erkrankung am Coronavirus nicht vollständig geklärt. Unter anderem können die Spätfolgen die Lunge sowie weitere Organe betreffen. Darunter zählen auch die Nieren, wie Forschende in einer US-amerikanischen Studie nun feststellen konnten. Laut dieser sind Patientinnen und Patienten, die Covid-19 überstanden haben, stark gefährdet, eine chronische Nierenerkrankung zu erleiden. Gegenüber nicht erkrankten Personen ist ihr Lebenszeitrisiko, Dialysepatientin oder -Patient zu werden, fast dreimal so hoch. Das berichtete die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) in einer Mitteilung.

Die Zahlen seien alarmierend, kommentiert Julia Weinmann-Menke, die Pressesprecherin der DGfN, die Ergebnisse der Studie. Sie umfasste eine Kohorte von insgesamt 1.726.683 US-Veteranen. Darunter befanden sich 100.000 Patientinnen und Patienten, die zwischen März 2020 und März 2021 eine Corona-Infektion überstanden hatten. Erkrankte, die binnen der ersten 30 Tage an den Folgen einer Infektion starben, wurden in die Erhebung nicht eingeschlossen. 1.637.467 der untersuchten US-Veteranen waren in diesem Zeitraum nicht infiziert und dienten der Kontrolle und dem Vergleich der Nierenwerte. Es war die erste Studie, die eine detaillierte Analyse zu den renalen - also den Nieren betreffenden - Folgen vornahm.

Durchschnittlich 164 Tage wurden die Covid-Erkrankten, von denen 90,1 Prozent männlich waren, nach ihrer Infektion begleitet und untersucht. Bei den Kontroll-Veteranen betrug der Zeitraum im Durchschnitt 172 Tage. Hier bestand die Untersuchungsgruppe zu 91,4 Prozent aus Männern. Analysiert wurden beide Gruppen hinsichtlich des Risikos für eine akute Nierenschädigung, einer Abnahme der glomerulären Filitrationsrate, einem wichtigen Parameter zur Kontrolle der Nierenfunktion, sowie der Notwendigkeit einer chronischen Dialysebehandlung. Darüber hinaus wurden sie in Bezug auf schwere renale Ereignisse, sogenannte MAKEs („major adverse kidney events“), untersucht. Als MAKEs war ein Verlust der glomerulären Filitrationsrate von mindestens 50 Prozent, eine chronische Dialysepflicht oder Todesfälle definiert.

Die Untersuchungen der beiden Gruppen ergaben, dass die Covid-Patientinnen und -Patienten auch nach einer Genesung ein erhöhtes Risiko für schwere renale Ereignisse hatten. Die Gefahr eine akute Nierenschädigung zu erleiden, war bei den genesenen US-Veteranen fast doppelt so hoch als bei den nicht-Infizierten. Das Risiko für einen chronischen Verlust der glomerulären Filitrationsrate von 50 Prozent war ebenfalls erhöht. Eine Dialysepflicht trat sogar fast dreimal so häufig auf. Damit zeigte sich ein deutlich höherer Nierenfunktionsverlust bei genesenen US-Veteranen im Vergleich zu nicht-Erkrankten — auch unter Einbeziehung eines natürlichen Rückgangs der Nierenfunktion.

Die Nierenschäden sind abhängig vom Schweregrad der Covid-19-Erkrankung

Ferner ergab die Studie, dass das Risiko von Nierenschäden abhängig vom Schweregrad der akuten Covid-19-Erkrankung war. So betrug der Verlust der glomerulären Filitrationsrate bei ambulant behandelten Patientinnen und Patienten weniger als bei hospitalisierten Erkrankten. Bei intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten war der Verlust noch höher. Die schwerwiegendsten Nierenschäden trugen die Menschen davon, die während der Covid-19-Erkrankungsphase ein akutes Nierenversagen erlitten.

Dennoch ist festzuhalten, dass das renale Risiko bereits bei ambulant behandelten Patientinnen und Patienten im Vergleich zu nicht-Infizierten um fast das Siebenfache deutlich erhöht war. Die Zahlen machen daher eins deutlich, so die Expertin Julia Weinmann-Menke: „Nach jeder überstandenen Covid-Erkrankung, insbesondere aber nach schweren Verläufen, muss bei der Nachbetreuung die Nierenfunktion im Auge behalten werden.“

Bereits bei einer eingeschränkten Nierenfunktion oder auffälligen Urinbefunden sollte eine professionelle Behandlung durchgeführt werden, betont sie. Auch die „typischen“ Symptome von Long Covid wie Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit, Konzentrationsschwäche oder Kopfschmerzen könnten Anzeichen einer chronischen Nierenerkrankung sein. „Bei entsprechenden Long-Covid-Symptomen muss also auch an eine chronische Nierenerkrankung gedacht werden. Die Abklärung der Nierenwerte ist also von besonderer Bedeutung in der Nachsorge von Covid-19-Patientinnen und Patienten“, so Dr. Weinmann-Menke.

jk

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