Corona? Englands 5. Liga spielte trotzdem - vor Rekordkulisse

Sportinformationsdienst

Als Cal Roberts kurz vor Schluss mit einem Flachschuss das 4:0 für Notts County erzielte, lagen sich Fans und Spieler in den Armen. Corona-Pandemie? Egal.

4942 Zuschauer strömten am Samstag zum Heimspiel des englischen Fünftligisten gegen Eastleigh, die Fans auf der Tribüne sangen stolz vom "Biggest Game in Europe", dem größten Spiel in ganz Europa.


So wie in Nottingham wurde auch in anderen englischen Fünftliga-Stadien am Wochenende Fußball gespielt, als wäre nichts passiert. Die fast 5000 Zuschauer bei Notts County, bis 1992 immerhin Erstligist, sorgten dabei für die Bestmarke.

Liga stellt erst Montagabend Spielbetrieb ein

Doch auch bei Sutton United (2126), Halifax Town (2154) oder Maidenhead United (1662) kamen viele Fans - sogar jeweils mehr als zum vorherigen Heimspiel.

Erst am Montagabend zog die Liga die Reißleine und setzte den Spielbetrieb aus.


"Der einzige Grund ist das Geld"

Doch auch bei Sutton United (2126), Halifax Town (2154) oder Maidenhead United (1662) kamen viele Fans - sogar jeweils mehr als zum vorherigen Heimspiel. Und: Schon am Dienstag steht die nächste Runde an, bis Montagmittag war von einer Absage nichts zu hören.

Die Kritik fiel wie zu erwarten deutlich aus. "Keine der ersten vier Ligen spielt noch - nur wir. Der einzige Grund für diese Entscheidung ist das Geld, ganz einfach", sagte Eastleigh-Teammanager Ben Strevens. John Pemberton, Coach des FC Chesterfield, hätte am Samstag "lieber meinen 81 Jahre alten Vater besucht", als in Dover vor 1180 Zuschauern ein 1:1 zu holen.

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Arsenal-Gastgeber spielt nicht

Andere Klubs sagten ihre Partien dagegen ab. So verzichtete Boreham Wood auf das Heimspiel gegen Torquay, weil die U23 des großen Nachbarn FC Arsenal ihre Heimspiele im Stadion des Fünftligisten austrägt. Arsenals Teammanager Mikel Arteta war positiv auf Corona getestet worden. Auch der ehemalige Zweitligist Yeovil Town wollte nicht spielen, weil Gegner Barnet einen Verdachtsfall meldete.

Notts County dagegen zog sein Heimspiel durch. Die Ordner trugen zwar Handschuhe, die Tickets wurden ohne Körperkontakt gescannt, Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Den viermaligen Torjubel mit innigen Umarmungen auf den Tribünen konnte der Klub aber nicht verhindern.


Und nicht nur das: Iris Smith vom Notts County Supporters Club hatte sogar Fans des verhassten Lokalrivalen Nottingham Forest eingeladen, schließlich fiel deren Zweitligaspiel bei Sheffield Wednesday aus. "Bei Notts County ist jeder willkommen. Sogar, wenn er von der dunklen Seite kommt", sagte Smith der BBC.


Über 3000 Zuschauer in der siebten Liga

Angst vor dem Stadionbesuch habe er nicht. "Ich bin nicht nervös. Ich möchte mein Team unterstützen", sagte der Notts-Supporter. Damit war er nicht alleine. In der siebten Liga verfolgten sogar 3274 Zuschauer das Match zwischen South Shields und dem FC United of Manchester, die Gastgeber meldeten lange Schlangen vor den Drehkreuzen.

Und Notts County? "Wir hatten einen Job zu erledigen, und das haben wir getan", sagte Teammanager Neal Hardley nach dem 4:0-Erfolg, der die Aufstiegsträume am Leben hielt: "Jetzt konzentrieren wir uns auf die nächste Aufgabe."

Die hieß eigentlich schon am Dienstag Torquay United, auswärts, mit Zuschauern. Am späten Montag war dieser Spuk dann endlich beendet.