Corona bringt "Let's Dance" an Grenzen: "Ob wir nächste Woche noch senden?"

Christina Raftery
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Corona bringt "Let's Dance" an Grenzen: "Ob wir nächste Woche noch senden?"

Der Applaus kam vom Band, die Stimmung war echt: Zehn tapfere Tanzpaare füllten das leere "Let's Dance"-Studio mit Emotion. Und doch ließ Moderator Daniel Hartwich die Zukunft der Staffel offen. Die RTL-Zuschauer sind geteilter Meinung.

Fast 1.000 Zuschauer sind es normalerweise, die das "Let's Dance"-Studio in Köln-Ossendorf mit Leben und Feedback für die Tanzpaare füllen. Dass sie am Freitag bei der vierten Liveshow fehlten und aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise diesmal auch keine Angehörigen der Mitwirkenden zugelassen waren - nicht einmal Michael Wendler konnte Freundin Laura Müller wie gewohnt beistehen -, hatte eindeutig Einfluss auf die Atmosphäre der RTL-Tanzshow.

Kein Bussi-Bussi diesmal, keine Umarmungen, sondern vereinzelte Tanzpaare auf Zuschauerplätzen und großer Sicherheitsabstand am Jurypult. Doch von der ersten Minute an war klar, dass alle Beteiligten mit Herz dabei waren und in Richtung TV-Publikum eine klare Mission verfolgten: "Let me entertain you". "Let's Dance" ist also - noch - da: Als "Freude und Verpflichtung zugleich" (Moderator Daniel Hartwich). Oder in den Worten seiner Kollegin Victoria Swarovski: "Die schönste Ablenkung, die es in diesen Tagen geben kann."

"Let's Dance": Luca Hänni tanzt den Trennungsschmerz weg

Ablenkung kann Luca Hänni auch in einer privaten Krise gebrauchen: Erst vor Kurzem gaben er und Freundin Michèle Affolter ihre Trennung bekannt, und nur wenige Tage später sah sich der 25-jährige Sänger im Training mit Tanzpartnerin Christina Luft bei Hebefiguren und einer höchst anspruchsvollen Choregrafie. "Luca ist diese Woche definitiv an seine Grenzen gestoßen", so Trainerin Luft über die Vorbereitung für den freien Ausdruckstanz "Contemporary". Und Luca gab zu: "Manchmal habe ich schon Angst, dass ich Christina weh tue - aber nee, sie ist hart im Nehmen."

Die Erfahrung von Verlust, "wenn einem alles um die Ohren fliegt" (Hänni), der harte Bruch als Anfang von etwas Neuem - das sei laut Christina Luft doch eigentlich der Sinn des Lebens. Und so präsentierten die beiden ihre Show zu "Someone You Loved" von Lewis Capaldi als "Ehre, dieses Thema vertanzen zu dürfen". Der Lohn der ergreifenden Performance: 30 Jurypunkte, Platz 1 in der Wertung und Motsi Mabuses Kompliment für ihre "starke Verbindung".

"Let's Dance": Laura Müller ist plötzlich "supergefährlich"

Eine ähnlich starke Anziehungskraft attestierte Jorge Gonzalez einem weiteren eindeutigen Favoritenpaar dieser Staffel: Seiner Ansicht nach schmolzen Tijan Njie und Kathrin Menzinger bei ihrem Wiener Walzer "wie Schokolade zusammen" - trotz Tijans aufregender Fast-Verletzung im Training und dem melancholischen James Blunt-Song "Monsters", der bei dem Schauspieler die schwierige Beziehung zu seinem Vater wachrief.

Erneut den Drillmeister gab Laura Müllers Tanzpartner Christian Polanc: Beim Training zum Charleston zu einem Lou Bega-Song mit dem bezeichnenden Refrain "I hate your boyfriend" verglich er die mehr als schlanke Grazie ("Dich muss man manchmal zu deinem Glück zwingen") mit einem Kartoffelsack. Ganz anders Motsi Mabuse nach der mit 24 Punkten honorierten Darbietung: "Laura, du wirst immer stärker. Du bist supergefährlich!"

Nicht unbedingt gefährlich, aber attraktiv im gelben Fransen-Mini und philosophisch gab sich Ulrike von der Groeben (62) nach ihrer Salsa mit Valentin Lusin: "Man muss das Leben tanzen." Nach einer weiteren Woche am "Martapfahl" mit seiner strengen Partnerin Marta Arndt war Komiker Martin Klempnow auch beim Tango zumindest schauspielerisch überzeugend, während Ilka Bessins Paso Doble mit Erich Klann Juror Joachim Llambi eher wie ein "Spaziergang durch den Kurpark" schien.

Aufwachen garantiert war jedoch beim Cha Cha Cha mit Lili Paul-Roncalli und dem "vierfachen Espresso" (Hartwich) Massimo Sinato. Mit 28 Jurypunkten wurden sie Zweite in der Wertung. Und die Rumba von Renata Lusin und "Ninja Warrior" Moritz Hans zeigte vor allem eins: Unter den Händen der durchaus mal zur Peitsche greifenden Russin entwickelt sich der einst strubbelige Kletter-Schlaks mehr und mehr zum Latin Lover. Verabschieden mussten sich die Teilnehmer diesmal von Model Loiza Lamers, der die Rumba zu "Naked" von James Arthur leider kein Glück brachte.

Show im Mindestabstand: "Gaukelt eine heile Welt vor, die es nicht mehr gibt"

Kein Eröffnungs-Gruppentanz, das "Boys vs. Girls"-Special nur mit Trainingsaufnahmen, John Kellys Abwesenheit wegen eines Krankheitsfalls in der Familie (kein Corona) und die Teilnehmer oftmals verloren in der Tiefe des Raumes: Dagegen standen neben dem Wettbewerb auch die hinreißende "Happy Dance"-Challenge der Jury, der wunderbare Showtanz von Isabel Edvardsson mit Ehemann Marcus Weiß, der tapfere Enthusiasmus aller Beteiligten und eine bemerkenswerte Zeile im Salsa-Song "Bajo la Tormenta": "Wenn der Himmel auf uns stürzt, tanzen wir im Sturm."

Dennoch hinterließ "Let's Dance" unter solchen Ausnahmezuständen gemischte Eindrücke beim TV-Publikum. Bei Twitter waren die Meinungen geteilt. "Froh für vier Stunden mal was anderes zu sehen und an etwas anderes denken zu können", waren die einen, andere fanden die Atmosphäre befremdlich: "Das künstliche Klatschen gaukelt uns eine heile Welt vor, die es nicht mehr gibt." - "Komischste Folge ever", twitterte eine weitere Zuschauerin. Ob das in dem Stil weitergehen kann, ließ am Ende auch der Moderator offen. Daniel Hartwich verabschiedete sich mit den vielsagenden Worten: "Ob wir kommende Woche noch senden? Wir werden's sehen ..."