Corona-Booster: Ich bin eine der ersten, die eine Auffrischungsimpfung von Biontech/Pfizer bekommen haben

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Emyle Watkins.
Emyle Watkins.

Emyle Watkins ist 23 Jahre alt. Sie lebt in Buffalo, New York, und ist als Reporterin für Menschen mit Behinderungen tätig. Aufgrund ihres Gesundheitsstatus erhielt die junge US-Journalistin am 26. August ihre dritte Impfstoffdosis mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Dies ist ihre Geschichte, die sie der freiberuflichen Autorin Meira Gebel erzählt hat.

Aufgrund meines Rheumas zähle ich zur besonders gefährdeten Risikogruppe. Um mich dem möglichst geringsten Risiko auszusetzen, habe ich die meisten Schutzmaßnahmen für Covid-19 frühzeitig ergriffen: Seit Beginn der Pandemie bin ich mit sozialen Kontakten sehr vorsichtig, ich trage in öffentlichen Räumen stets eine Maske und habe mich, so schnell es mir möglich war, impfen lassen. Jetzt, nach fast zwei Jahren der Corona-Pandemie, habe ich meine dritte Impfung mit Biontech/Pfizer erhalten.

Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem unterscheidet sich die dritte Impfung von der herkömmlichen Auffrischungsimpfung bei gesunden Menschen. In der Regel wird bei Menschen mit einem funktionierendem Immunsystem mit einer dritten Dosis versucht, dem langsamen Abklingen des Impfschutzes nach einiger Zeit entgegenzuwirken. Allerdings geht die US-amerikanische Gesundheitsbehörde, die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), derzeit davon aus, dass immungeschwächte Menschen „möglicherweise nicht das gleiche Maß an Immunität nach einer zweifache Impfung aufbauen wie Menschen mit funktionierenden Immunsystemen“. Eine dritte Impfung würde demnach einen verbesserten Schutz bedeuten, den nicht immungeschwächte Personen bereits nach der zweiten Impfung haben.

Als ich ein Teenager war, wurde bei mir rheumatische Arthritis, auch Rheuma genannt, diagnostiziert. Bereits einige Zeit, bevor ich die Diagnose vom Arzt erhalten habe, hatte ich mit den Symptomen der Krankheit zu kämpfen. In meinem letzten Jahr an der High School konnte ich vor lauter Schmerzen nicht mehr aufstehen, gehen oder mich alleine anziehen. Zunächst sagte man mir, ich würde an Depressionen leiden, oder es würde sich lediglich um Wachstumsschmerzen handeln. Erst als ich mir eine zweite Meinung eines anderen Arztes einholte, zog dieser es in Erwägung, dass ich – wie mein Vater auch – an Rheuma leiden könnte. Als junge, heranwachsende Frau war es sehr schwer, mit dieser Diagnose umzugehen.

Rheuma ist eine Autoimmunerkrankung, die Gelenkentzündungen und Schmerzen verursacht

Rheuma ist nicht heilbar. Für einen gesunden Menschen ist das Immunsystem ein natürliches Schutzsystem. Es hält Eindringlinge fern, wehrt Bakterien und Viren ab und versucht, Infektionen zu bekämpfen. Mein Körper ist anders. Mein Körper kann nicht zwischen feindlichen und harmlosen Bakterien oder Viren unterscheiden. Daher greift mein Immunsystem gesunde und harmlose Teile meines Körpers auf die gleiche Weise an, wie er Eindringlinge bekämpft. Wenn ich beispielsweise an einer Erkältung erkranke, greift mein Immunsystem auch andere Teile meines Körpers mit der gleichen Stärke an.

Emyle Watkins.
Emyle Watkins.

Um Schübe der Krankheit zu vermeiden, muss ich täglich Medikamente zu mir nehmen. Die Arzneimittel sind stark und verändern mein Immunsystem auf erhebliche Weise. Durch sie verringert sich meine Fähigkeit, Infektionen zu bekämpfen. Aus diesem Grund gelte ich als immungeschwächt und besonders anfällig für Infektionen wie Covid-19. Solange ich diese Medikamente einnehme, ist es also wichtig, dass ich keine Erkältung, kein Virus und keine Pilzinfektion bekomme. Als ich 2020 zum ersten Mal von Covid-19 hörte, wusste ich, dass ich besonders gefährdet sein würde. Ich durfte mich dem nicht aussetzen. Bereits zuvor war ich einmal an einer Grippe erkrankt. Das war eine schreckliche Erfahrung.

Zu Beginn der Pandemie war nicht viel über das Virus und die Folgen im Falle einer Erkrankung bekannt. Ich lebte zu der Zeit des Ausbruchs in einem Studierendenwohnheim am College. Ich erinnere mich daran, eine leichte Infektion in den oberen Atemwegen gehabt zu haben. Da man davon ausging, dass auch eine Covid-19-Erkrankung ähnliche Symptome aufweisen würde, ließ ich mich vorsichtshalber testen. Er war negativ. Danach beschloss ich, wieder nach Hause zu ziehen und einige Monate bei meiner Familie zu leben.

Meine Rheumatologin sagte mir unmissverständlich, dass ich sehr vorsichtig sein müsste. Ich dürfte mich mit niemandem treffen, der sich nicht an die Vorsichts- und Sicherheitsregeln wie Masken und Social Distancing hielte. Es könnte sehr gefährlich für mich sein, erklärte er mir. Also habe ich in den vergangenen 19 Monaten stets belebte Orte gemieden und habe weder Freundinnen und Freunde noch erweiterte Familie gesehen.

Ende Februar erhielt ich die erste Impfstoffdosis

Mit der Impfung war es mir wieder möglich, Menschen außerhalb meiner unmittelbaren Familie wiederzusehen. Das war eine große Veränderung für mich. Allerdings waren die Impfungen eine große Herausforderung für mich und meinen Körper. Ich verspürte nach den ersten beiden Impfungen starke Impfreaktionen. Ich hatte Gliederschmerzen, die erst nach 48 Stunden wieder abklangen. Auch mit Müdigkeit und Kopfschmerzen hatte ich zu kämpfen. Zwei Wochen nach der zweiten Dosis hatte ich einen Arthritis-Schub, der es schwer machte, mich fortzubewegen. Ich hatte kaum Energie.

Im Sommer wurde in einigen US-Bundesstaaten die Maskenpflicht aufgehoben. So auch in New York. Doch ich habe mich weiterhin an die bisherigen Vorsichtsmaßnahmen gehalten, um nichts zu riskieren. Als Ende Juli bekannt wurde, dass demnächst eine dritte Impfdosis zur Auffrischung zur Verfügung stehen würde, fragte ich meine Rheumatologin per E-Mail, ob ich sie mir verabreichen lassen sollte. Sie bejahte. Also vereinbarte ich schnell einen Termin in der Bezirksklinik. Ich wusste, dass ich nicht in eine überfüllte Apotheke oder ein Impfzentrum gehen wollte, wo ich meine ersten beiden Impfungen erhalten hatte. Denn zu der Zeit nahmen die Fälle aufgrund der sich schneller ausbreitenden Delta-Variante wieder deutlich zu.

Am 26. August erhielt ich meine dritte Impfung

Unmittelbar nach der dritten Impfung bekam ich Kopfschmerzen und mir wurde schwindelig. Ich führte es darauf zurück, dass ich vorher nichts gegessen hatte. Aufgrund der schnell auftretenden Symptome blieb ich länger als die vorgeschriebenen 15 Minuten zur Beobachtung vor Ort. Angestellte der Klinik gaben mir etwas Saft, während ich darauf wartete, bis die Benommenheit wieder abnahm.

Obwohl ich in Bezug auf die dritte Impfung zunächst etwas Bedenken hatte, bin ich sehr dankbar. Es ist schon seltsam, zu sehen, wie die Menschen ihre Masken abnehmen und langsam zur Normalität zurückkehren. Ich habe nun schon drei Dosen des Impfstoffes erhalten und muss immer noch vorsichtig sein.

Im Laufe des vergangenen Jahres ist mir noch einmal bewusster geworden, das ich immer ein höheres Risiko haben werde, mich zu infizieren – auch wenn ich geimpft bin. Dennoch fühle ich mich durch die dritte Impfung sicherer und hoffe darauf, dass mein Immunsystem dadurch etwas gestärkt ist.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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