Corona-Beschränkungen zwingen Modekette Adler in die Knie

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Geschlossene Geschäfte in Berlin

Die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie haben die Modekette Adler in die Knie gezwungen: Das Unternehmen mit dem weißen Schriftzug auf pinkem Grund ist pleite. Grund für den Beschluss, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen, seien die "erheblichen Umsatzeinbußen durch die seit Mitte Dezember 2020 andauernden Schließungen fast aller Verkaufsfilialen", erklärte das Unternehmen am Sonntagabend. Die Corona-Beschränkungen treffen den Textileinzelhandel besonders hart.

Adler will sich über einen Insolvenzplan in Eigenverwaltung sanieren, schrieb das börsennotierte Unternehmen in seiner Pflichtmitteilung an die Kapitalmärkte. Der Geschäftsbetrieb werde "unter Aufsicht eines Sachwalters in vollem Umfang fortgeführt". Auch die hundertprozentigen Tochterfirmen des Unternehmens beschlossen, einen Insolvenzantrag zu stellen - nicht betroffen sind sämtliche ausländische Tochtergesellschaften der Adler Modemärkte AG. Zum Generalbevollmächtigten wurde der Anwalt Christian Gerloff bestellt.

Adler hatte sich nach eigenen Angaben "intensiv" darum bemüht, die finanzielle Lücke durch staatliche Unterstützungsgelder und Investoren zu schließen - doch die Überschuldung wurde letztlich zu hoch, um auch den zweiten Lockdown zu überstehen. Das Unternehmen mit Sitz in Haibach bei Aschaffenburg betreibt 171 Geschäfte, davon 142 in Deutschland.

Das Unternehmen wurde 1948 von Wolfgang Adler im sächsischen Annaberg gegründet, 1970 eröffnete der erste Markt in Haibach. In den 80er Jahren expandierte Adler nach Luxemburg und Österreich. Im Jahr 2010 nahm Adler - nach eigener Darstellung als erste Textileinzelhandelskette in Deutschland - dauerhaft Kleidung aus fairem Handel ins Sortiment auf. 2011 ging das Unternehmen an die Börse.

Die Kette mit dem bekannten Werbegesicht der TV-Moderatorin Birgit Schrowange richtet sich mit ihrem Angebot an Kleidung, Schuhen und Accessoires explizit an die "Altersgruppe der über 55-Jährigen". Adler bietet demnach Produkte im "unteren Mittelpreissegment" an. Mit seinen eigenen Marken erwirtschaftet das Unternehmen 85 Prozent seines Umsatzes, im Jahr 2019 waren das 495,4 Millionen Euro. Ende September vergangenen Jahres arbeiteten rund 3350 Menschen für die Modekette.

Die Adler-Aktie stürzte angesichts der Nachrichten über die Insolvenz am Montag ab. Am Vormittag war sie unter 80 Cent wert, zuletzt hatte sie mit 2,30 Euro geschlossen.

Den Einzelhandel und speziell die Textilindustrie trifft der Lockdown besonders hart. Erst vergangene Woche hatte der Handelsverband Deutschland einen Brandbrief an die Regierung geschrieben und erklärt, der von der Schließung betroffene Einzelhandel stehe "vor dem akuten Verlust seiner Existenz". Die versprochenen Hilfeleistungen kämen nicht an und der Branche fehle eine Perspektive, wann die Geschäfte wieder öffnen könnten.

hcy/ilo