Corona: Warum öffentliche Toiletten ein potenzieller Ansteckungs-Hotspot sind

Business Insider Deutschland
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Wer auf öffentlichen Toiletten einerseits den Sitz mit Klopapier ausstaffiert, aber andererseits seine Maske absetzt, weil er sich in der kleinen Kabine vor einer Ansteckungen sicher wähnt, sollte sein Vorgehen noch einmal überdenken. Das legt eine Studie von Forschern der Florida Atlantic University (FAU) nahe, die im Fachmagazin „Physics of Fluids“ erschienen ist. Das Team fand nämlich heraus, dass beim Spülen sowohl von Toiletten als auch von Urinalen die Aerosolwerte in der Umgebung drastisch ansteigen. Wenn diese Tröpfchen infektiöse Mikroorganismen enthalten – zum Beispiel das Coronavirus –, stelle das ein erhebliches Infektionsrisiko dar.

Das ist insofern problematisch, als dass sich in stehendem Wasser sowie in Urin, Fäkalien oder Erbrochenem üblicherweise eine Vielzahl von Krankheitserregern finden. Werden die Tröpfchen in die Luft geschleudert, können sich beispielsweise Ebola, Noroviren oder das Coronavirus verbreiten. Denn obwohl gerade bei Covid-19 der Infektionsweg über die Atemwege am häufigsten vorkommt, habe man auch eine geringe Zahl lebensfähiger Viren in Urin- und Stuhlproben gefunden. Es könnten also auch alternative Übertragungswege existieren, heißt es in der Studie. Auf öffentliche Toiletten sollte man daher ein besonderes Auge haben, da sie relativ eng, stark frequentiert und oft nicht ausreichend belüftet seien.

Tröpfchen in bis zu 1,5 Metern Höhe nachgewiesen

Bei den Experimenten maß das Forschungsteam Größe und Zahl der beim Spülen entstehenden Tröpfchen über Partikelzähler. Die brachten sie in verschiedenen Höhen über Toiletten und Urinalen an, um einen Eindruck von der Ausbreitung der Aerosole zu bekommen. Sie prüften auch, ob Toilettendeckel die Ausbreitung von Aerosolen verhindern.

Nach dreistündigen Tests mit etwa 100 Spülungen habe die Zahl der erzeugten Tröpfchen im Zehntausenderbereich gelegen, sagte Siddhartha Verma, Co-Autor und Assistenzprofessor in der Fakultät für Meerestechnik und Maschinenbau der FAU, in einer Pressemitteilung. „Sowohl die Toilette als auch das Urinal erzeugten große Mengen an Tröpfchen, die kleiner als drei Mikrometer waren“, so Verma. „Aufgrund ihrer geringen Größe können diese Tröpfchen für eine lange Zeit in der Luft bleiben.“

Die Tröpfchen wurden in Höhen von bis zu 1,5 Metern – dem höchsten Messpunkt – für 20 Sekunden oder länger nach dem Auslösen der Spülung nachgewiesen. Die Forscher entdeckten eine geringere Anzahl von Tröpfchen in der Luft, wenn die Toilette mit geschlossenem Deckel gespült wurde. Sie nehmen jedoch an, dass die Aerosole auch durch die Lücken zwischen Deckel und Klobrille austreten.

Lüftung konnte das Anhäufen von Aerosolen nicht verhindern

Die Anhäufung der Partikel in der Raumluft deute darauf hin, dass das Belüftungssystem die Aerosole nicht aus dem geschlossenen Raum entfernen konnte, so die Studie. Langfristig könnten die Tröpfchen also durch Aufwinde in die Höhe geschleudert werden – sei es weil die Lüftungsanlage oder vorbeigehende Menschen solche Luftströmungen erzeugen.

Neben den kleinsten Aerosolen könnten in schlecht belüfteten Räumen aber auch größere Aerosole zum Problem werden. Denn obwohl sie aufgrund der Schwerkraft schneller sinken, würden sie auch schneller verdunsten. Dadurch verlören sie an Größe und Masse oder könnten letztlich Tröpfchenkerne bilden — was dann ebenfalls dazu führe, dass Mikroben für mehrere Stunden schweben. Eine ausreichende Belüftung sei also gerade in stark frequentierten Räumen wichtig, heißt es in der Studie.

„Aerosolisierte Tröpfchen spielen eine zentrale Rolle bei der Übertragung verschiedener Infektionskrankheiten, einschließlich Covid-19, und diese neueste Studie unseres Forschungsteams liefert zusätzliche Beweise für das Risiko einer Infektionsübertragung in engen und schlecht belüfteten Räumen“, sagte Stella Batalama, Dekanin des College of Engineering and Computer Science. sb