COP27: Seltener Protest außerhalb von UN-Konferenzgelände

SCHARM EL SCHEICH (dpa-AFX) -Bei der Weltklimakonferenz in Ägypten hat sich eine kleine Gruppe europäischer Aktivisten zu einem seltenen Protest außerhalb des UN-Bereichs versammelt. In der speziell für Demonstrationen ausgewiesenen Zone abseits der Konferenz schlugen sie am Dienstag kritische Töne in Richtung der Gastgeber an. "Wir sind hier, weil wir sprechen können, während viele andere zum Schweigen gebracht wurden", sagte die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer. "Wir sind hier, um diejenigen zu benennen und anzuklagen, die gegen Menschenrechte verstoßen." Bei der Aktion lasen sie auch den Text eines anonymen Aktivisten "aus der Region" vor.

In Ägypten sind die Meinungs- und Versammlungsfreiheit massiv beschnitten. Proteste sind faktisch verboten. Bei der Klimakonferenz sind sie nur in der speziellen Zone - eine Art eingezäunter Parkplatz hinter dem Konferenzgelände - unter strengen Auflagen erlaubt. Diese Regeln griffen auch die rund 15 Aktivisten mit teils ironischen Untertönen auf.

"Bester Protest überhaupt", schrieben sie auf einige Schilder sowie "Genehmigter Protest" und "Vor wem habt ihr Angst?" Eine Teilnehmerin las den Regelkatalog für Proteste in der Zone vor, die von Kameras an hohen Masten und Sicherheitsleuten überwacht wird. Interviews gaben die Aktivisten nicht, um die Zone nicht zu "legitimieren", wie sie sagten.

Die Zone wurde bisher so gut wie überhaupt nicht genutzt. Am Dienstag reihten sich dort zeitgleich zu den Europäern rund 15 Ägypter auf, die mit Schildern einen Ausstieg aus fossilen Energien forderten. Einer der Beteiligten sagte, die Gruppe sei ein Verbund ägyptischer Nichtregierungsorganisationen. Namentlich nennen wollte er diese Organisationen nicht.

"Viele Privilegien hängen mit unseren Pässen zusammen", sagte die ebenfalls aus Deutschland stammende Annika Kruse, die wie Neubauer der Bewegung Fridays for Future angehört. Mit diesem Privileg wollten sie unterdrückte Stimmen aus der Region hervorheben.

Die deutsche Grünen-Chefin Ricarda Lang war beim Protest anwesend, um als Parlamentarierin "ein kleines Stückchen mehr Sicherheit" zu geben, wie sie sagte. Trotz der Einschränkungen im Land sei es wichtig, Signale zu senden. Auch sie sei aber wie viele Teilnehmer "mit gemischten Gefühlen" nach Ägypten gereist.