Conti-Chef Degenhart könnte den Konzernumbau als Werbung in eigener Sache nutzen


Es war nur ein kurzer technischer Defekt bei der Telefonkonferenz. Continental-Chef Elmar Degenhart verstummte plötzlich mitten im Antwortsatz. Die Frage galt der Reifensparte. Nach kurzer Pause erklärte der 59-Jährige, dass durch die neue Holdingstruktur auch in der Reifensparte einen Börsengang bei entsprechendem Investitionsbedarf in Erwägung gezogen werden könnte.

Es war nur ein kurzer technischer Aussetzer, seine Pläne sind es nicht. Der gebürtige Kurpfälzer traut sich was. Selbst die Keimzelle des Konzerns ist vor den anstehenden Veränderungen nicht mehr sicher.

Die neue Holdingstruktur gibt Degenhart neue Freiheiten. 2009 übernahm er den Chefposten beim zweitgrößten Autozulieferer der Welt. Das Unternehmen steckte nach dem Einstieg der Schaeffler-Gruppe in einer tiefen Krise.

Heute eilt der Autozulieferer unter der Führung des studierten Luft- und Raumfahrtingenieurs von Rekord zu Rekord. Der Börsenkurs ist in fünf Jahren von 70 auf 200 Euro gestiegen. Die Umsatzrendite ist zweistellig.

Degenhart reicht das nicht. Er weiß, dass er mehr Geld braucht, um die Transformation der Autoindustrie zum Roboterauto zu stemmen. Seine großen Konkurrenten Bosch und ZF sind Stiftungsunternehmen, können sich also kein Geld an der Börse verschaffen.


Degenhart will diese Tatsache zugunsten von Continental nutzen. Das muss er auch. ZF ist nach der Übernahme von TRW aggressiv unterwegs und Bosch hat größere Reserven als Continental.

Nicht nur für den Konzern, sondern auch für ihn selbst ist der strategische Schritt wichtig. Der Vertrag des 59 Jahre alten Managers läuft im August aus. Die Gespräche über eine Vertragsverlängerung beginnen demnächst. Ein gelungener Umbau wäre dann sein bestes Argument. Am Donnerstag gingen die Conti-Aktien aber erst mal in den Keller.