McGregor: Vom Mobbing-Opfer zum Superstar

Sebastian Mittag

Im April 2013 stieg Conor McGregor in ein Flugzeug nach Stockholm. In Schweden stand der allererste Fight des Iren in der UFC an.

Auf dem Weg zum Flughafen löste der damals 24-Jährige noch seinen monatlichen Scheck vom Sozialamt in Höhe von 188 Euro ein. Zum letzten Mal in seinem Leben.

Vier Jahre und vier Monate später ist McGregor der unangefochtene Mixed-Martial-Arts Superstar.

Im Mega-Fight gegen den ungeschlagenen ehemaligen Box-Weltmeister Floyd Mayweather will McGregor am 27. August (ab 3 Uhr LIVE auf DAZN) eine neue Sportart erobern - und so endgültig zum globalen Phänomen aufsteigen.

Hinter ihm liegt ein rasanter, fast schon märchenhafter, Aufstieg.

Mobbing-Opfer geht zum Boxen

Geboren wurde McGregor in Crumlin, einem Vorort der irischen Hauptstadt Dublin.

Als Junge spielte er Fußball, war Fan von Manchester United und lief oft im Trikot der "Red Devils" herum.


Schon in frühen Jahren musste er einstecken. McGregor, der sich heute gegen Mobbing in Schulen engagiert, erinnerte sich später so: "Ich hatte so ein Gesicht, in das die bösen Jungs gerne reinhauten."

Fußball interessierte ihn schnell nicht mehr. Bis heute. Der kleine Conor suchte sich einen härteren Sport. Mit 12 Jahren begann er mit dem Boxen. Interessant übrigens für alle, die McGregor vor dem Mayweather-Fight als absoluten Anfänger darstellen wollen.

Lehre als Klempner

2006 zog McGregor mit seiner Familie in einen anderen Dubliner Vorort und begann eine Lehre: Als Klempner.

Er befreundete sich mit Tom Egan - später ebenfalls Kämpfer in der UFC. Die beiden Kumpels begannen sich für die gemischten Kampfkünste zu interessieren und wurden bald zu echten MMA-Freaks, wälzten Kampfsport-Zeitschriften und sahen sich nächtelang Kämpfe auf Video an.

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Im Februar 2007 bestritt McGregor seinen ersten Kampf, er gewann und entschied sich, Profi zu werden.

Was aber keineswegs bedeutete, dass er mit MMA schon wirklich Geld verdiente. Ohne Stütze vom Sozialamt und Einsätze als Klempnergehilfe konnte er sich nicht über Wasser halten.

Dann fällte McGregor eine Entscheidung, die sein Leben verändern sollte: 2008 schloss er sich dem Gym von Coach John Kavanagh an. Der galt schon damals als irischer MMA-Papst, erkannte McGregors Talent und schliff den Rohdiamanten. Bis heute ist er McGregors Headcoach.

13-Sekunden-Knockout gegen Aldo

Sein Schützling eroberte in der Folge die MMA-Welt im Sturm. In der unterklassigen MMA-Liga Cage Warriors wurde er Doppel-Champion, gleichzeitig hielt er den Feder- und Leichtgewichtstitel.

UFC-Präsident Dana White wurde auf ihn aufmerksam und gab dem jungen Iren einen Vertrag.

Es folgte eine Serie von sechs Siegen in Folge im Federgewicht. Dann - im Dezember 2015 - bekam McGregor seine große Chance auf den Titel. Der Gegner: Jose Aldo.

Der Brasilianer hatte eine unglaubliche Bilanz vorzuweisen: Zehn Jahre lang hatte er keine Niederlage erlitten.


McGregor war schon immer durch sein ausgesprochen lockeres Mundwerk aufgefallen - im Vorfeld des Kampfes hatte er es mit dem Trashtalk jedoch auf die Spitze getrieben und Aldo regelmäßig verspottet und lächerlich gemacht.

Viele Fans hofften, dass der Altmeister dem irischen Großmaul das selbige stopfen würde. Doch McGregor streckte Aldo nach genau 13 Sekunden mit einer brutalen Linken nieder. Der Federgewichtstitel gehörte ihm.

Blockbuster-Fights gegen Diaz

Interesse an einer Titelverteidigung hatte er danach aber nicht. McGregor wollte mehr: Einen weiteren Titel, eine Gewichtsklasse höher. Er forderte Leichtgewichtschampion Rafal dos Anjos heraus. Doch der Brasilianer brach sich kurz vor dem Kampf den Fuß und McGregor stand ohne Gegner da.

Als Notlösung fand sich letztlich Bad Boy Nate Diaz – und brachte McGregor seine schwerste Niederlage bei. Die Bilder, wie er "The Notorious" am Boden komplett unter Kontrolle brachte, gingen um die Welt. McGregor musste aufgeben. Doch das Interesse an ihm und dem Rückkampf wuchs dadurch nur noch mehr.


Bei der Revanche lieferten sich McGregor und Diaz im August 2016 eine der denkwürdigsten Schlachten der UFC-Geschichte – und sorgten für das beste Pay-per-View-Ergebnis aller Zeiten für die Organisation.

Erster Doppel-Champion der UFC

McGregor triumphierte nach Punkten und brachte danach zu Ende, was sein eigentlicher Plan gewesen war: Den Gewinn des zweiten Gürtels. Beim ersten UFC-Event in New York City knockte er Eddie Alvarez aus, der mittlerweile Titelträger im Leichtgewicht geworden war.

Damit schrieb McGregor Geschichte: Er war der erste UFC-Kämpfer, der zwei Gürtel gleichzeitig in die Höhe halten konnte.

Geschichte schreiben - das scheint McGregors wichtigster Antrieb zu sein. Deshalb forcierte er gleich nach diesem Triumph den ungewöhnlichen Boxkampf gegen Mayweather. (Alle Infos zum Fight)

Egal, wie der Mega-Event ausgeht: Geschichte schreiben wird der Kampf auf jeden Fall. Und der Scheck, den McGregor danach abholen wird, könnte diesmal bis zu 100 Millionen Dollar wert sein.