Zielkes zweideutige Botschaft fürs zweite Quartal 2017

Der geplante Stellenabbau kostet die Commerzbank ein Viertel weniger als gedacht. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern waren erfolgreich – 6000 Stellen werden noch abgebaut. Kurzfristig aber sind die Zahlen rot.


Es war eine gute und eine schlechte Nachricht, die Commerzbank-Chef Martin Zielke seinen Aktionären am Freitagnachmittag präsentierte. Die gute lautete: Der tiefgreifende Umbau der zweitgrößten privaten Bank Deutschlands wird billiger als gedacht. Die schlechte Nachricht: Im zweiten Quartal wird die Commerzbank deshalb voraussichtlich in die roten Zahlen rutschen.

Zielke ist zuversichtlich, „kurzfristig einen Rahmeninteressenausgleich und Rahmensozialplan mit den Mitarbeitern abschließen zu können“. Für den geplanten Personalabbau rechnet die Commerzbank jetzt mit einer Belastung von rund 810 Millionen Euro. Bisher hatte sie mit 1,1 Milliarden Euro kalkuliert – verteilt auf die Jahre 2017 und 2018. „Der bereits erreichte Stellenabbau, Mitarbeiterfluktuation und voraussichtlich effizientere Wechsel- und Versetzungsketten“ hätten die Gesamtbelastung nach Angaben der Bank gedrückt.


Weil die Rückstellungen nun komplett in diesem Jahr gebucht werden und das Geschäft schwächer läuft als gedacht, erwartet die Bank im zweiten Quartal einen Nettoverlust. Denn auch das operative Ergebnis für die Monate April bis Juni werde „auf Grund verhaltener Märkte“ niedriger ausfallen als geplant. Die Zahlen will die Bank am 2. August vorlegen. Für das Gesamtjahr rechnet Zielke aber nicht mit roten Zahlen und auch die harte Kernkapitalquote soll bei über 12,5 Prozent liegen.

Im ersten Quartal hatte der Konzernchef den Investoren noch einen überraschend hohen Gewinn von 217 Millionen Euro präsentieren können – immerhin 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch bereits in den ersten drei Monaten des Jahres zeichnete sich ab, dass die Commerzbank im operativen Geschäft nicht recht vorankommt. Zum Gewinnplus hatte wesentlich ein Sondereffekt bei der Bereinigung der Altlasten beigetragen. Sowohl das Privat- als auch das Firmenkundengeschäft mussten trotz steigender Kundenzahlen operativ Gewinneinbußen hinnehmen.

Zielke hatte im vergangenen September einen tiefgreifenden Umbau vorgestellt, der vor allem die Digitalisierung vorantreiben soll. Rund ein Fünftel der Belegschaft wird dann nicht mehr benötigt. Brutto will die Commerzbank innerhalb von vier Jahren 9600 Stellen einsparen. Netto stehen 7300 Arbeitsplätze auf dem Spiel.


Viele Beschäftigte haben das Geldhaus bereits freiwillig verlassen. Um bis Ende 2020 wie geplant auf 36.000 Arbeitsplätze zu kommen, muss die Commerzbank sich nun nur noch von knapp 6000 Vollzeitkräften trennen. Seit Anfang 2016 ist die Belegschaft von damals 45.000 um mehr als 3000 Mitarbeiter geschrumpft.

Ende Mai meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass das Geldhaus rund 3000 Mitarbeitern ein Angebot auf Frühverrentung anbietet. Das Angebot soll für ausgewählte Angestellte, die vor 1962 geboren wurden, eine Abfindung von 30.000 Euro vorsehen. Das durchschnittliche Jahresgehalt bei der Commerzbank betrug 2016 rund 79.600 Euro, falls man die gesamten Lohnkosten von 3,5 Milliarden Euro auf die 44.267 Beschäftigten am Ende des Jahres umrechnen.

Wie es manchmal mit guten und schlechten Nachrichten gleichzeitig so ist: Die Anleger wussten nicht so recht, was sie mit Zielkes gemischter Botschaft anfangen sollten. Zuerst rutsche die Commerzbank-Aktie kräftig ab, allerdings nur um sich dann genau so schnell wieder zu erholen. Am späten Nachmittag lag der Kurs leicht im Minus.

KONTEXT

Slogans der Commerzbank

1960

"Eine Bank, die ihre Kunden kennt."

1965

"Angeseh´n ist jedermann, der gleich beim Kauf schon zahlen kann."

1965

"Ich und meine Bank."

1976

"Die Bank an Ihrer Seite."

2001

"Ideen nach vorn."

2009

"Gemeinsam mehr erreichen."

2012

"Die Bank an Ihrer Seite."