Der Commerzbank droht der Abstieg aus dem Dax

Die Commerzbank könnte aus dem Dax fliegen. Denn ihre frei handelbaren Anteilsscheine sind seit Ende Januar um mehr als ein Drittel eingebrochen.


Es wäre ein nie da gewesener Tiefschlag für die Aktien der Commerzbank: Sollten die Titel ihre Talfahrt fortsetzen, droht dem Dax-Gründungsmitglied im September der Abstieg aus Deutschlands erster Aktienliga. Dann findet die nächste reguläre Indexüberprüfung der Deutschen Börse statt. Weil sich unter anderem Indexfonds eng an der Zusammensetzung der Börsenmesslatten orientieren, würde ein Rausschmiss den Verkaufsdruck auf die gebeutelten Titel weiter erhöhen.

Zum Verhängnis werden könnte der zweitgrößten deutschen Privatbank die schrumpfende Marktkapitalisierung ihrer frei handelbaren Anteilsscheine, die allein seit Ende Januar um mehr als ein Drittel auf 8,3 Milliarden Euro eingebrochen ist.

Damit erreicht die Commerzbank laut der neusten Rangliste der Deutschen Börse nur noch Platz 34 der größten börsennotierten Unternehmen hierzulande. Pessimisten warnen: Rutscht die Bank in den kommenden Wochen um mindestens zwei weitere Ränge ab, könnten im Spätsommer die Kriterien für einen sogenannten „Regular-Entry“ des Zahlungsdienstleisters Wirecard erfüllt sein, der die Commerzbank aus dem Elite-Index verdrängen würde.


Für die künftige Dax-Zusammensetzung sind zwei Kriterien entscheidend: die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Titel der Firmen gemessen am Durchschnittskurs der vergangenen 20 Handelstage – und der Börsenumsatz. Laut der „Regular-Entry“-Regel wird ein Aufstiegskandidat dann in den Dax aufgenommen, wenn er sich in beiden Prüfpunkten mindestens auf Platz 30 befindet – so wie Zahlungsabwickler Wirecard derzeit – und gleichzeitig ein bisheriger Dax-Wert existiert, der in mindestens einem Kriterium einen Rang schlechter als 35 aufweist.

Ein Rechenbeispiel: In die Abstiegszone geraten würde die Commerzbank etwa dann, wenn die Aktie bei annahmegemäß stagnierenden Kursen der anderen Titel noch elf Prozent auf 7,40 Euro einbüßt und damit den Marktwert des auf Rang 36 platzierten Chemiehandelskonzerns Brenntag unterschreitet.

Wie wahrscheinlich solch ein Abstiegsszenario für die Commerzbank tatsächlich ist, lässt sich derzeit aber laut Experten kaum seriös beurteilen. Zuletzt hat zum Beispiel die Dax-Aufnahme von Covestro verdeutlicht, wie schwierig es manchmal ist, Änderungen frühzeitig vorherzusagen.


„Der nächste Termin zur regulären Überprüfung des Dax ist der 5. September, bis dahin können sich die Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz eines Unternehmens noch deutlich ändern“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Börse. Der Kunststoffhersteller Covestro war Anfang März überraschend vom MDax in den Dax gewechselt. Die Mehrheit der Marktbeobachter hatte auf einen späteren Indexaufstieg spekuliert.

Für den Absturz der Commerzbank-Aktie 2018 gibt es eine Reihe von Gründen. Zum einen wurden die Titel im Sog der Deutschen Bank mit nach unten gezogen. Zum anderen sind bei vielen Investoren die Zweifel gewachsen, ob das Institut seine Erträge bis 2020 wie anvisiert auf mehr als 9,8 Milliarden Euro steigern kann. Darüber hinaus hat die Angst vor einem Wiederaufflammen der Staatsschuldenkrise nach der Wahl in Italien Bankaktien europaweit zugesetzt.