Die Commerzbank hat einen Mini-Gewinn eingefahren. Gelingt der Umbau durch Vorstandschef Zielke? Die Bilanz in fünf Punkten.

Die Commerzbank hat einen Mini-Gewinn eingefahren. Gelingt der Umbau durch Vorstandschef Zielke? Die Bilanz in fünf Punkten.


Der Gewinn der Commerzbank ist im vergangenen Jahr wegen Kosten für den Konzernumbau und niedriger Zinsen um fast die Hälfte auf 156 Millionen Euro zurückgegangen. Damit schneidet das Institut zwar besser ab als der größere Konkurrent Deutsche Bank, der im vergangenen Jahr einen Verlust von 497 Millionen Euro machte. Dennoch kann die Commerzbank mit einem solchen Mini-Gewinn auf Dauer nicht zufrieden sein.

„Auf dem Weg zur angestrebten Profitabilität liegen noch einige Aufgaben vor uns“, räumt Vorstandschef Martin Zielke ein. Beim Umbau der Bank sei er im vergangenen Jahr jedoch gut vorangekommen. Und für das Jahr 2018 stellt Zielke den Aktionären wieder eine Dividende in Aussicht - nachdem diese zwei Jahre lang ausgeblieben war. „Perspektivisch wollen wir 30 bis 40 Prozent des Ergebnisses an unsere Anteilseigner weitergeben“, sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke am Donnerstag in Frankfurt. Allerdings müsse noch viel getan werden, damit dies auch möglich sei.

Der Vorstandschef hatte im Herbst 2016 angekündigt, im Rahmen seiner Strategie mit dem Namen „Commerzbank 4.0“ insgesamt 9.600 Vollzeitstellen abzubauen und 80 Prozent der Geschäftsprozesse zu digitalisieren. Das Ziel: Eine einfachere und effizientere Bank, die langfristig mehr Gewinn abwirft. Bei einigen Themen ist die Commerzbank bislang gut vorangekommen, bei anderen aber gibt es noch großen Verbesserungsbedarf. Die fünf wichtigsten Punkte im Überblick:

1. Abbau von Altlasten

Hier macht die Commerzbank, die in der Finanzkrise vom Staat gerettet wurde, große Fortschritte. Das kriselnde Schiffsportfolio wurde im vergangenen Jahr fast um die Hälfte auf 2,6 Milliarden Euro abgebaut. Und im Rahmen neuer Bilanzierungsstandards hat das Geldhaus die verbliebenen Kredite nun so bewertet, dass es sie möglicherweise zeitnah ganz losschlagen kann.

Auch von den finanziellen Belastungen, die das Institut im Rahmen des Umbaus schultern muss, hat die Bank bereits einen großen Teil verdaut. Die Aufwendungen für den Personalabbau von gut 800 Millionen Euro hat das Geldhaus bereits voll im vergangenen Jahr verbucht. Ursprünglich hatte die Commerzbank mit Restrukturierungskosten von 1,1 Milliarden Euro kalkuliert und wollte diese auf die Jahre 2017 und 2018 verteilen.

2. Stärkung der Bilanz

Die Bilanzsumme, die im Jahre 2009 noch 844 Milliarden Euro betrug, ist inzwischen auf 452 Milliarden Euro geschrumpft. Die Kapitalausstattung hat sich deutlich verbessert. Im vergangenen Jahr kletterte die Eigenkapitalquote um 1,8 Prozentpunkte auf 14,1 Prozent, womit die Bank in der Branche sehr gut dasteht.

3. Wachstum


Die Commerzbank hat im Herbst 2016 das Ziel ausgegeben, im Geschäft mit Privat- und Unternehmenskunden bis 2020 zwei Millionen neue Kunden zu gewinnen. Bis Ende vergangenen Jahres hat sie bereits 639.000 geschafft und liegt damit über Plan. Dafür sorgten auch aggressive Werbemaßnahmen wie ein „Begrüßungsgeld“ für neue Kunden. Diese kosten erst einmal Geld und belasten – wie die Niedrig- und Negativzinsen der EZB – das Ergebnis. Der operative Gewinn des Privatkundengeschäfts sank im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 867 Millionen Euro.

Im Segment Firmenkunden, in dem das Großkundengeschäft und das Investmentbanking gebündelt sind, sah die Entwicklung ähnlich aus. Die Sparte konnte in den vergangenen beiden Jahren zwar knapp 5.400 neue Firmenkunden gewinnen. Doch wegen des harten Wettbewerbs, der geringen Ausschläge an den Kapitalmärkten und Sondereffekten brach das operative Ergebnis um 37 Prozent auf 809 Millionen Euro ein.

Dass die Bank mit ihren neuen Kunden ordentlich Geld verdienen kann, muss sie also noch beweisen. Analysten haben die Erwartung, dass sich das Kundenwachstum ab 2018 stärker in den Zahlen widerspiegelt. Aber auch ihnen ist klar: Richtig profitieren würde die Commerzbank von den üppigen Kundeneinlagen erst, wenn die Zinsen zeigen – und das wird in Europa noch lange dauern.

4. Effizienz

Als Stephen Feinberg, der Chef des Großaktionärs Cerberus, Ende vergangenen Jahres in Deutschland weilte, hatte er für die Commerzbank eine klare Botschaft: Das Institut muss effizienter werden. Aus seiner Sicht ist Deutschlands zweitgrößte Privatbank noch zu komplex aufgestellt und bietet zu viele Dinge an.



Die Zahlen des abgelaufenen Jahres geben Feinberg Recht. Das Verhältnis von Aufwand zu Erträgen, die sogenannte Cost-Income-Ratio, kletterte um 1,8 Prozentpunkte auf 77,3 Prozent. Damit schneidet die Commerzbank deutlich schlechter ab als viele andere Institute. Und Zielke ist von seinem Ziel, die Quote bei einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld bis 2020 auf unter 66 Prozent zu drücken, noch meilenweit entfernt.

5. Profitabilität

Die Netto-Eigenkapitalrendite (RoTE) betrug im vergangenen Jahr mickrige 0,6 Prozent. Die Commerzbank muss sich also noch kräftig strecken, um den Zielwert von mehr als sechs Prozent zu erreichen, den sie für 2020 ausgegeben hat.

Analysten erwarten beim Thema Profitabilität im laufenden Jahr deutliche Verbesserungen – und einen Gewinn von rund 900 Millionen Euro. Die Bank gab zunächst keine konkrete Gewinnprognose ab. Sie betonte aber, für das Geschäftsjahr 2018 wieder eine Dividende zahlen zu wollen. Das ist wichtig, wenn sich die Commerzbank alleine am Markt behaupten möchte und nicht irgendwann von einem anderen Geldhaus geschluckt werden will.