Commerzbank-Aufsehern droht HV-Gegenwind in Führungskrise

Steven Arons
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Der Aufsichtsrat der Commerzbank AG muss sich auf möglicherweise heftige Kritik auf der kommenden Hauptversammlung einstellen. Nach mehreren Führungskrisen seit letztem Sommer dürften eine Reihe von Aktionären gegen die Entlastung des obersten Gremiums der Bank stimmen.

So hat die Stimmrechtsberatung Glass Lewis Anteilseignern empfohlen, bei der HV am 18. Mai dem Aufsichtsrat die Entlastung zu versagen. Die Schwesterfirma Ivox Glass Lewis rät dazu, sie zumindest kritisch zu hinterfragen. Die kalifornische Lehrer-Pensionskasse California State Teachers’ Retirement System hat bereits angekündigt, der Empfehlung zu folgen.

Die Führung der zweitgrößten deutschen Bank ist seit vergangenem Sommer in Aufruhr. Im Juli traten der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Zielke und der AR-Chef Stefan Schmittmann zurück, nachdem sie von zwei Großaktionären - der Bundesregierung und Cerberus Capital Management - scharf kritisiert worden waren. Der Nominierungsausschuss der Bank unter Führung von Jutta Dönges, der Vertreterin der Bundesregierung, fand in Hans-Jörg Vetter einen neuen AR-Chef, der dann mit Manfred Knof einen neuen CEO benannte.

Doch die so gefundene Ruhe endete jäh im März, als Vetter aus Gesundheitsgründen zurücktrat. Ein potentieller Nachfolger aus der Mitte des Aufsichtsrats, Andreas Schmitz, ging kurz danach ebenfalls, nachdem er im Aufsichtsrat mit Fragen zu einer Untersuchung von kontroversen Wertpapiergeschäften konfrontiert worden war. Diese hatten bei HSBC Deutschland stattgefunden, während er dort die Geschäfte leitete.

Später verließen noch drei weitere Mitglieder den Aufsichtsrat der Commerzbank, so dass nun vier neue Mitglieder zur Wahl stehen. Helmut Gottschalk wurde bereits am Donnerstag vom Aufsichtsrat zu seinem Vorsitzenden bestimmt, geht aus einem internen Memo der Bank hervor, das Bloomberg einsehen konnte. Nach der HV soll er erneut bestätigt werden.

“Dass mehrere Mitglieder den Aufsichtsrat verlassen, zeugt nicht von bester Unternehmensführung und ist der Reputation der Gesellschaft nicht dienlich”, schrieb Ivox in dem Bericht, den die Firma am späten Mittwoch veröffentlichte. “Insbesondere stellt sich hier auch die Frage, inwiefern der Nominierungsausschuss adäquat vorgegangen ist.”

(Neu: Gottschalk zum AR-Chef bestimmt)

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