Coronatest negativ: Nico Hülkenberg darf in Silverstone fahren!

Christian Nimmervoll

Das von 'Motorsport-Total.com' angekündigte Sensations-Comeback in der Formel 1 ist perfekt: Nico Hülkenberg wird beim Grand Prix von Großbritannien in Silverstone als Teamkollege von Lance Stroll das Cockpit von Sergio Perez übernehmen. Das hat Racing Point inzwischen auch offiziell bestätigt.

"Kurzfristig einen Ersatz für Sergio zu finden, das war keine einfache Aufgabe", sagt Teamchef Otmar Szafnauer. "Mit Nico haben wir aber einen fantastischen Ersatzmann, der das Team sehr gut kennt. Er steht sicherlich vor einer sehr schwierigen Aufgabe, aber er lernt sehr schnell. Ich bin mir sicher: Er wird rasch auf Tempo kommen."

Perez wurde im Vorfeld des Rennens zunächst mit unklarem Ergebnis und schließlich beim zweiten Test positiv auf das SARS-CoV-2-Virus untersucht. Aufgrund der Coronavirus-Protokolle der Formel 1 durfte er am Donnerstagnachmittag schon nicht mehr an die Strecke. Stroll saß ganz alleine in der FIA-Pressekonferenz.

Zu dem Zeitpunkt war Hülkenberg schon unterwegs nach England. Der 32-Jährige hatte für dieses Wochenende eigentlich einen GT-Test auf dem Nürburgring geplant und hatte daher zufällig seinen Helm dabei. Praktisch, denn so konnte er direkt in Richtung Flughafen düsen, ohne noch einmal nach Hause zu müssen.

"Ich war auf dem Weg zum Nürburgring, als der Anruf von Otmar kam. Das ist weniger als 24 Stunden her, daher fühlt es sich jetzt etwas surreal an", sagt der Deutsche. "Aber ich mag eine gute Herausforderung, und dies ist sicherlich eine. Es ist offensichtlich eine schwierige Situation für Racing Point und 'Checo'. Er ist ein Kumpel von mir, mein alter Teamkollege, und ich wünsche ihm eine baldige Genesung."

Am Donnerstagabend traf er in Silverstone ein. Zu dem Zeitpunkt stand seinem Comeback noch ein Coronavirus-Test im Weg. Den hatte er Stand 22:00 Uhr, als unsere erste Exklusiv-Story online ging, bereits absolviert. Bis das Resultat des ersten Tests vorlag, vergingen aber ein paar Stunden.

Der Coronatest war die letzte Hürde, die vor einer offiziellen Bestätigung des Comebacks noch genommen werden musste. Am Freitagmorgen wurde Hülkenberg bereits an der Strecke in Silverstone gesehen. Der Rückschluss, dass sein Coronatest deswegen negativ ausgefallen sein muss, weil man ihn sonst nicht an die Strecke gelassen hätte, war nicht richtig. Das Ergebnis lag erst kurz vor Trainingsbeginn vor.

Viel zu klären: Coronatest, Sitzanpassung, Superlizenz

Bis in den späten Donnerstagabend hinein waren Racing Point und Hülkenberg damit beschäftigt, die Formalitäten zu erledigen. Neben dem Coronavirus-Test waren auch Dinge wie seine FIA-Superlizenz und eine Sitzanpassung zu klären. Praktisch für Racing Point, dass die Fabrik des Teams in Silverstone gleich um die Ecke ist. Von dort aus wurde am Freitagmorgen schon ein angepasster Sitz in die Box gebracht.

 

Hülkenberg wird damit mindestens zwei weitere Formel-1-Rennen bestreiten, denn Perez muss nun für mindestens zehn Tage in Quarantäne und fällt damit auch für Silverstone 2 aus. Und sollte er gut performen, könnte er sich möglicherweise sogar für ein Fulltime-Comeback in der Saison 2021 empfehlen.

Für Perez könnte Silverstone zu einem negativen Wendepunkt seiner Karriere werden. Wenn Informationen der 'Bild'-Zeitung stimmen, läuft nämlich am Freitag eine Frist ab, innerhalb der ihn Racing Point gegen Zahlung einer Entschädigungssumme aus dem eigentlich bis Ende 2022 laufenden Vertrag auskaufen kann.

Es gilt seit Wochen als offenes Geheimnis in der Formel 1, dass Teameigentümer Lawrence Stroll für die Zukunft des ab 2021 Aston Martin gebrandeten Teams gerne Sebastian Vettel engagieren möchte. Der wiederum hat am Donnerstag in Silverstone klargestellt, dass er sich nicht unter Druck setzen lässt, nur weil anderswo irgendwelche Optionen auslaufen.

Gerücht: Hat Racing Point Perez bereits abgesagt?

Das bringt Racing Point in eine verzwickte Lage. Möchte man die Chance wahren, Vettel für 2021 zu verpflichten, muss man Perez kündigen. Der wiederum hat vermutlich sogar selbst Interesse an Klarheit. Jetzt könnte er mit seinen mexikanischen Sponsorengeldern noch bei einem anderen Team, etwa Alfa Romeo oder Haas, andocken. Später sind die Plätze dort vielleicht weg.

Sollte Vettel dann aber trotzdem einen Platz in der Red-Bull-Familie finden (was wiederum vom Ausgang des Renault-Protests gegen Racing Point abhängen könnte) und er sich für eine Rückkehr dorthin entscheiden, hätte Racing Point plötzlich ein Cockpit frei. Das könnte Hülkenbergs große Chance werden.

Hülkenberg hat zwischen 2010 und 2019 176 Formel-1-Rennen bestritten und dabei eine Pole-Position und zwei schnellste Rennrunden erzielt, aber bisher keinen einzigen Podestplatz. Damit ist er trauriger Rekordhalter als Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Starts ohne Top-3-Ergebnis.

In seiner persönlich besten Saison 2018 beschloss Hülkenberg die Fahrer-WM für Renault auf Position sieben. Nur ein Jahr später kündigte ihm das französische Werksteam und Hülkenberg verließ Ende 2019 die Formel 1.

Hülkenberg: Dritter Stint beim Team aus Silverstone

Der Emmericher kennt Racing Point übrigens aus seiner eigenen Vergangenheit gut. 2011 war er Testfahrer beim Team aus Silverstone, das damals noch Force India hieß. 2012 und erneut von 2014 bis 2016 (Teamkollege beim zweiten Mal: Sergio Perez) fuhr er dann als Stammpilot für jenen Rennstall, zu dem er jetzt zurückkehrt.

Perez geht's übrigens den Umständen entsprechend gut. Der 30-Jährige befindet sich seit Donnerstag, so schreiben es die britischen COVID-19-Verordnungen vor, in Quarantäne. Anders als in Melbourne im März ist die Formel 1 auf einen positiven Fall inzwischen vorbereitet. Der Grand Prix am Wochenende ist nicht gefährdet.

Aber im Paddock ist man durch den ersten positiv getesteten Fahrer wachgerüttelt: "Wir sind alle besorgt wegen des Coronavirus", sagt etwa McLaren-Pilot Carlos Sainz. "Wir haben auf der ganzen Welt neue Ausbrüche, nicht nur in Spanien. In England gab es am Mittwoch mehr als 100 Tote an einem einzigen Tag. Das ist furchtbar."

"Wir werden auch im Paddock positive Fälle haben. Aber wir glauben, dass wir mit den Protokollen, Regeln und Methoden, die wir entwickeln haben, dazu in der Lage sind, eine Ausbreitung des Virus im Paddock zu verhindern. Aber klar: Wir müssen zum Beispiel auf Flughäfen, und da ist es unausweichlich, dass sich irgendjemand das Virus einfängt. Ist im Fußball nicht anders."

Mit Bildmaterial von LAT.