Dax verteidigt zum Handelsstart die 12.000-Punkte-Marke

Noch am Dienstag hatte es den Anschein, als hätten Anleger die akute Furcht vor einem Handelskrieg mit den USA überwunden: Der Dax schloss leicht im Plus bei 12.114 Punkten und auch der US-amerikanische Leitindex Dow Jones ging nach einer Berg- und Talfahrt stabil aus dem Handel.

Am heutigen Mittwoch allerdings weicht die Zuversicht der Anleger neuerlicher Sorge. Am Dienstagabend hatte Gary Cohn, Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, seinen Rücktritt mitgeteilt. Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker ist ein ausgewiesener Verfechter des Freihandelsprinzips und lehnt die von Trump geplanten Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte ab.

Deutsche Aktienanleger reagieren zum Börsenstart am Mittwoch mit Verkäufen und setzen damit den Dax unter Druck. Das deutsche Aktienbarometer eröffnet schwächer bei 12.060 Punkten und rutscht danach weiter ins Minus. Immerhin kann der Dax zunächst die Marke von 12.000 Punkten halten. 

Auf vorbörslichen Handelsplattformen hatte er am frühen Mittwochmorgen diese Schwelle zeitweise unterschritten.



In Asien hatten die Märkte prompt auf Cohns Rücktritt reagiert: Der japanische Aktienindex Nikkei gab um 0,8 Prozent nach, der Hongkonger Index Hang Seng lag zeitweise um mehr als ein Prozent im Minus. Parallel legen Yen und Euro gegenüber dem Dollar zu: Japans Währung wertet um fast ein halbes Prozent auf, der Euro lag am Mittwochmorgen 0,2 Prozent im Plus.

Auch die Reaktion an den Anleihemärkten ist von Furcht geprägt: Steigende Bondkurse lassen die Renditen fallen.

Die Warnung führender Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve vor den Gefahren eines Handelskrieges dürfte die Besorgnis der Anleger eher noch steigern. Alles was die Beziehungen zu Wirtschaftspartnern wie etwa Kanada und Mexiko belaste, schade den Interessen der USA, sagte der Präsident des Fed-Bezirks von Dallas, Robert Kaplan, am Dienstag in Houston.

Die Furcht vor einem aufziehenden Handelskrieg könne auch zu Unsicherheit für die Fed führen, ließ sich die einflussreiche Notenbankdirektorin Lael Brainard zitieren. Beide Währungshüter betonten allerdings, dass es noch zu früh sei, um auf Folgen für die Geldpolitik zu schließen.



Der Blick der Anleger wird daher am Mittwoch auch nach Brüssel gerichtet sein. Dort berät die EU-Kommission am Mittwoch aller Voraussicht nach über Schutzzölle auf US-Waren. Dabei wird sich zeigen, wer sich durchsetzt: entweder die Hardliner innerhalb der Kommission, darunter EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, die auf Konfrontation und Vergeltung setzen, oder die eher gemäßigten, um Deeskalation bemühten Kräfte, darunter die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.

Börsenschwergewichte legen Zahlen vor

Die Debatte um eine angemessene Reaktion auf Trumps Handelskrieg wird auch die laufende Bilanzsaison überschatten. Eine Reihe deutscher Unternehmen legt am Mittwoch Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 vor: allen voran die Deutsche Post, zudem der Automobilzulieferer Schaeffler, der E-Mobilitätspionier Jungheinrich und der Immobilienfinanzierer Deutsche Pfandbriefbank.

Mit Interesse werden Aktienanleger zudem auf die Bilanz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) blicken. Die Dachorganisation der Sparkassengruppe unter Führung ihres neuen Präsidenten Helmut Schleweis wird Zahlen vorlegen, die trotz aller Belastungen wegen Niedrig- und Minuszinsen vermutlich besser ausfallen werden als erwartet. Das größte private Geldhaus des Landes, die Deutsche Bank, musste 2017 erneut einen Verlust ausweisen.

Wie es weitergehen könnte bei den Zinsen, das erfahren Anleger rechtzeitig einen Tag vor der nächsten EZB-Sitzung vom Bundesverband Öffentlicher Banken: Der VÖB legt am Vormittag seine jährliche Zinsprognose vor.