Cockpit will Tarifverhandlungen für deutsche Ryanair-Piloten

Ryanair selbst zeigte am Freitag keine Verhandlungsbereitschaft. Foto: Niall Carson

Gewerkschaften haben es bislang schwer beim Billigflieger Ryanair. Die Iren widersetzen sich auch dem jüngsten Versuch, wenigstens für die Crews in Deutschland einen tariflichen Rahmen zu schaffen.

Frankfurt/Main (dpa) - Beim irischen Billigflieger Ryanair geht der Streit um Tarifverträge und Arbeitsbedingungen weiter.

Mit Unterstützung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit haben in Deutschland stationierte Piloten das Unternehmen förmlich zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Zu diesem Zweck sei eine Tarifkommission mit einem professionellen Verhandlungsführer gegründet worden, berichtete die Gewerkschaft in Frankfurt.

In einem Schreiben vom 15. November hatten sich fünf Ryanair-Piloten dem Unternehmen gegenüber namentlich als Mitglieder der VC-Tarifkommission zu erkennen gegeben.

Unterzeichnet ist das Schreiben vom hauptamtlichen VC-Tarifexperten Ingolf Schumacher, der bereits den beinharten Konflikt bei der Lufthansa ausgefochten hat. Ryanair werde mit Gewerkschaften nationale Tarifverträge aushandeln müssen, um den europäischen und deutschen Vorschriften zu entsprechen, heißt es in dem Brief.

Ryanair selbst zeigte am Freitag keine Verhandlungsbereitschaft. Sprecher Robin Kiely verwies auf Lohnerhöhungen und Dienstplanverbesserungen, die mit den lokalen Piloten-Ausschüssen verhandelt worden seien. Dieses Vorgehen sei vom Obersten Gerichtshof in Irland als rechtmäßig genehmigt worden. Die Behauptungen der deutschen Gewerkschaften seien ohne Grundlage.

«Ryanair hatte immer eine hohe Fluktuationsrate – wie aus ihren Jahresberichten ersichtlich ist –, aber wir sehen derzeit eine demografische Veränderung bei den Ryanair-Piloten», erklärte Jim Phillips, Vorstand für Internationales in der VC.

«Viele betrachten Ryanair inzwischen als eine Karriere und nicht als einen Zwischenstopp, um ein paar Flugstunden zu sammeln. Die Piloten wollen Familien haben, Häuser kaufen und sie möchten dort leben, wo sie stationiert sind. Familienleben braucht die Stabilität der nationalen Tarifverträge.»

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat in der Vergangenheit jegliche Verhandlungen mit Gewerkschaften abgelehnt und stattdessen mit lokalen Pilotenvertretungen innerhalb des Unternehmens gesprochen. In den vergangenen Monaten hatte sich Widerstand gegen die nach irischem Recht organisierten Arbeitsbedingungen geregt, die unter anderem einen hohen Anteil von Leiharbeitern im Cockpit zulassen. O'Leary hat die VC in der Vergangenheit stets als «Gewerkschaft der Lufthansa» abgelehnt.

Auch die deutsche Kabinengewerkschaft Ufo will mit Ryanair über einen nationalen Tarifvertrag für die in Deutschland stationierten Flugbegleiter verhandeln und wirbt dafür in der Belegschaft um Mitglieder.