Cloud-Transformation bei SAP: CEO Kleins Strategie scheint laut Anlegern "gut aufzugehen"

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SAP-Logo auf dem Gelände der Zentrale in Walldorf
SAP-Logo auf dem Gelände der Zentrale in Walldorf

Christian Klein, so schien es, wollte gleich zu Beginn keine Zweifel aufkommen lassen. Am frühen Mittwochmorgen, in der Telefonkonferenz mit Journalistinnen und Journalisten zur Vorstellung der neuen Quartalszahlen, nahm der Chef des Softwarekonzerns SAP die Deutung gleich vorweg: "Wir hatten ein weiteres fantastisches Quartal.“

Der Optimismus des 41-Jährigen CEOs speist sich vor allem aus den stark steigenden Umsätzen im Cloud-Geschäft. Diese lagen im zweiten Quartal dieses Jahres bei rund 2,3 Milliarden Euro und damit 11 Prozent höher als im Vorjahresquartal. SAP befindet sich mitten in der Transformation: Wurde die ERP-Software, das Kernprodukt von SAP, früher vor allem über Lizenzen verkauft und auf Server vor Ort gespielt, soll das künftig vor allem über die Cloud geschehen. Das hat zur Folge, dass sich die Umsätze auf einen längeren Zeitraum verteilen und nicht wie früher einmalig voll durchschlagen. Entsprechend leidet die Profitabilität. Die operative Marge reduzierte sich um 0,3 Prozent auf 28,8 Prozent.

Als SAP die teure Neuausrichtung hin zum Cloud-Unternehmen im Herbst 2020 bekanntgab, rauschte der Aktienkurs ab. Mittlerweile hat sich der Kurs stabilisiert und CEO Klein dürfte sich nach den neuen Zahlen in seiner Strategie bestätigt fühlen.

"Große Resonanz"

Das Cloud-Portfolio, so Klein, stoße „auf große Resonanz“. Kunden entschieden sich für SAP, um ihr Unternehmen neu auszurichten. Mit dem Anfang des Jahres vorgestellten Produktbündels „Rise with SAP“, das den Umstieg der Kunden in die Cloud beschleunigen soll, habe SAP eine starke Nachfrage verzeichnet und über 250 Kunden-Abschlüsse erzielt. Darunter große Unternehmen wie Siemens Energy, Ethihad Airways oder AMD.

Concur, die Lösung für Dienstreisen von SAP, habe laut dem Unternehmen erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie seine Entwicklung gegenüber dem Vorjahresquartal stabilisieren können. Generell habe SAP durch das Hochfahren des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens „positive Auswirkungen auf die weltweite Nachfrage“ beobachtet.

Insgesamt lässt sich das zweite Quartal als robust beschreiben. Der Gesamtumsatz lag mit 6,7 Milliarden Euro ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Das bereinigte operative Ergebnis schnitt mit einem Minus von zwei Prozent auf 1,92 Milliarden Euro immerhin etwas besser ab als von Analysten gedacht. Ohne Wechselkurseinwirkung hätten Umsatz und operatives Ergebnis um drei Prozent zugelegt.

Unter dem Strich verdiente SAP 1,45 Milliarden Euro und damit fast zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Maßgeblichen Anteil hatten daran hatten erneut die Beteiligungen von SAP an Startups über das Risikokapitalvehikel Sapphire Ventures, das laut Finanzchef Luka Mucic allein im zweiten Quartal 900 Millionen Euro zum Finanzergebnis beitrug.

"Starke Geschäftsentwicklung"

In der Folge hebt SAP – wie schon im ersten Quartal – seine Jahresprognose leicht an. Das Unternehmen rechnet nun mit einem währungsbereinigten Betriebsergebnis zwischen 7,95 Milliarden Euro und 8,25 Milliarden Euro (zuvor 7,8 bis 8,2 Milliarden Euro). Der Ausblick spiegele laut SAP „die starke Geschäftsentwicklung wider, die das Wachstum der Cloud-Erlöse voraussichtlich beschleunigen wird“. Diese sollen nun bei einer Spanne von 9,3 bis 9,5 Milliarden Euro liegen (zuvor 9,2 bis 9,5 Milliarden Euro). Zum Vergleich: 2020 betrugen die Clouderlöse 8,09 Milliarden Euro.

Aufseiten der Aktionäre kamen die am Mittwoch verkündeten Zahlen gut an – auch wenn sich so mancher womöglich noch mehr erhofft hatte und die Aktie bis zum Mittwochnachmittag 3,7 Prozent verlor. Jella Benner-Heinacher, SAP-Expertin und stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagte zu Business Insider, als Aktionär sei man nach dem Tief im vergangenen Jahr „derzeit ganz erfreut“. „Klar, der Aktienkurs könnte noch etwas besser sein, aber insgesamt waren das heute eine ganze Menge an positiven Nachrichten“, so Benner-Heinacher.

"Aktuell scheint die Strategie ganz gut aufzugehen"

Die Vertreterin der privaten Anleger sagte zu Business Insider, anfangs seien sie skeptisch gewesen, ob Kleins Strategie, hin einem Cloud-Unternehmen, funktioniere. „Aber aktuell scheint die Strategie ganz gut aufzugehen.“ Die Perspektive sein gut, so Benner-Heinacher. „Und wenn jetzt auch noch die Dividende erhöht wird, würde das die Aktionäre natürlich sehr freuen.“

Mit Material der DPA

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