Clever in Turnaround-Aktien investieren mit gigantischen Gewinnmöglichkeiten

Dr. Stefan Graupner, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Strukturell gesunde Unternehmen, deren Aktien wegen vorübergehender Probleme unter Druck stehen, gelten als interessante Investments. Wenn sie dann noch in echten Wachstumsmärkten unterwegs sind, dann kann man wie Dagobert Duck die Geldspeicher füllen.

Das Timing entscheidet

Baron Rothschild soll einmal gesagt haben: „Man muss kaufen, wenn in den Straßen Blut fließt“. Ich interpretiere das so, dass man nach schweren Krisen wie der Finanzkrise ab 2007 oder nach Platzen der Dotcom-Blase in 2000 günstig an gute Aktien kommen kann.

So lange braucht man aber gar nicht zu warten, denn es gibt fundamental gesunde Unternehmen, die durch eigene Planungsfehler, Verzögerungen von Großaufträgen oder einfach Pech ihre Umsatzziele nicht erreichen und dafür vom Aktienmarkt abgestraft werden.

Wenn dies in der Vergangenheit eingetroffen ist, war oft genug ein idealer Zeitpunkt zum Einstieg in solche Unternehmen. Und oft genug auch erholte sich der Kurs recht schnell wieder, so dass man in relativ kurzer Zeit viel Gewinn machen konnte.

Ist man nach einer schnellen Erholung weiterhin vom Unternehmen überzeugt, sollte man die Aktie halten. Will man in kurzer Zeit Profite machen, dann kann man entweder die Aktie verkaufen oder von vornherein auf Hebelprodukte setzen, um mit wenig Kapital erstaunliche Gewinne erzielen zu können. Aber Vorsicht, denn ein Totalverlust ist bei Hebelprodukten ebenso möglich.

Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit

Beispiel 1

Bayer (WKN:BAY001) ist ein globaler Player gleich in mehreren Geschäftsfeldern, wobei Pharma und Agrar die beiden wichtigsten sind. Dabei ist Pharma ganz klar ein großer Wachstumsmarkt mit unersättlichem Appetit auf neue und bessere Medikamente sowie hohen Margen.

Aber auch der Agrarsektor nimmt immer mehr an Bedeutung zu, denn die wachsende Weltbevölkerung muss mit immer weniger Ressourcen ernährt werden. Und Bayer gehört in Pharma und Agrar zur Weltspitze. Und Monsanto ist definitiv die innovativste Firma im Agrarsektor.

Mit der Ankündigung der Monsanto-Übernahme im April 2016 fiel jedoch der Kurs von Bayer dramatisch auf ca. 85 Euro, da viele Anleger den Kauf u. a. für überteuert und Monsanto auch aufgrund der Negativpresse zu gentechnisch verändertem Saatgut für ungeeignet hielten.

Ein solch großer Abschlag erschien aber überhöht, so dass die Aktie im Juni 2017, also genau ein Jahr später, bei ca. 120 Euro und damit um mehr als 40 % höher notierte. Ein Knock-out-Zertifikat mit Hebel 5 hätte damit den Einsatz verdreifacht.

Beispiel 2

Die Diesel-Affäre um Volkswagen (WKN:766403) seit September 2015 hat den Konzern schwer getroffen und neben der Reputation auch viel Geld gekostet. Dennoch gehört VW seit vielen Jahren weltweit zu den Unternehmen mit den höchsten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen und ist daher technologisch ganz vorne mit dabei.

Im September 2015 brach der Kurs aufgrund des Dieselskandals auf ca. 92 Euro ein, um sich ein Jahr später nach einigem auf und ab wieder bei ca. 120 Euro zu befinden. Auch hier also ergibt sich ein Plus von 30 % bzw. bei einem Knock-out-Zertifikat mit einem Hebel von 10 wären auch 300 % möglich gewesen.

Beispiel 3

Im Februar 2017 musste der Lithiumproduzent Orocobre (WKN:A0M61S) seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr senken. Der Grund für die schwachen Zahlen bestand in einem Missverhältnis des Lithiumgehalts in den Sammelbecken, das offenbar von Messfehlern verursacht wurde.

Die Aktie fiel daraufhin im März dieses Jahres dramatisch auf ca. 1,90 Euro ab und hat sich dann bis Oktober 2017 in wenigen Monaten auf ca. 3 Euro erholt. Ein solch ca. 50 %-iger Gewinn durch den Kauf der Aktie hätte durch ein Knock-out-Zertifikat mit einem Hebel von 6 ein Plus von 300 % ergeben.

Beispiel 4

Aktien wie von Wirecard (WKN:747206), Ströer oder Morphosys wurden immer wieder Opfer von Shortsellerattacken, denen offenbar unbegründete Vorwürfe aus dubiosen Quellen vorausgingen. Im Fall von Wirecard stürzten die Aktien am 24. Februar 2016 nach der Veröffentlichung eines Berichts des bis dato unbekannten Analyse-Unternehmens Zatarra Research & Investigation ab.

In der Studie warfen die Analysten Wirecard diverse illegale Praktiken vor. Allerdings geht man davon aus, dass das Analyse-Unternehmen, von welchem selbst erfahrene Analysten noch nie gehört hatten, Teil einer groß angelegten Kursmanipulation war.

Wirecard ist ein stark wachsendes Unternehmen im Bereich bargeldloser Zahlungsverkehr mit Wachstumsraten, die in den letzten vier Jahren besser als die von Amazon waren. Die weitere globale Expansion wird strikt vorangetrieben, so dass in den kommenden Jahren mit prozentualen Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich gerechnet wird.

Wer nach dem Absturz der Aktie am 13.03.2016 bei 32,60 Euro gekauft hat, der hatte am 17.10.2017 bei einem Kurs von 82,70 Euro ein Plus von ca. 150 % gemacht. Bei einem Knock-out-Zertifikat mit einem Hebel von 6 hätte sich der Einsatz damit verneunfacht.

Die derzeit heißeste Turnaround-Aktie ist Celgene

Die Aktie von Celgene (WKN:881244) wurde am 19. Oktober, also vor wenigen Tagen erst, abgestraft, weil ein Produkt in Klinischer Phase III floppte. Für GED-0301 (Mongersen) wurde die Phase III-Studie gegen Morbus Crohn abgebrochen, da der primäre Endpunkt nicht erreichbar schien.

Den Abschlag sehen viele Analysten als zu heftig an, obwohl für das Medikament Spitzenumsätze von ein bis zwei Mrd. US-Dollar erwartet wurden. Dennoch, Fakt ist, dass ca. 35 % aller Medikamente in der finalen Klinischen Phase III noch scheitern, so dass es zwar ärgerlich, aber manchmal auch unvermeidbar ist.

Wichtiger hingegen sind andere Produkte wie Ozanimod gegen Multiple Sklerose, dessen Zulassungsantrag noch in 2017 eingereicht werden soll. Und das Beste ist, dass sich Ozanimod auch in Klinischen Studien zu Morbus Crohn befindet, so dass ein „Happy End“ immer noch möglich ist.

Am 26.10.2017 dann der zweite Schlag: Celgene reduziert die prognostizierten Umsatz- und Gewinnerwartungen für dieses Jahr, wodurch die Aktie noch einmal in der Spitze um mehr als 15 % fällt.

Celgene hat mit Ozanimod und vielen weiteren potenziellen Blockbustern viele heiße Eisen im Feuer, so dass ich, wie viele andere Analysten auch, das von Celgene angestrebte Umsatzwachstum von mehr als 15 % pro Jahr in den kommenden Jahren für durchaus realistisch halte.

Für mich ist Celgene daher derzeit der heißeste Turnaround-Kandidat.

Fazit

Ein kritischer Blick auf Investitionen in fundamental gesunde Unternehmen, die in nachgewiesenen Wachstumsmärkten wie Lithium, Elektromobilität oder Biopharma unterwegs sind, lohnt sich nach Rückschlagen immer.

Wenn dann noch die Wachstumsprognosen im zweistelligen Prozentbereich liegen und ohnehin eine im Peervergleich niedrige Bewertung vorliegt, dann ergeben sich oft große Chancen wie beschrieben.

Stefan Graupner besitzt Aktien von Celgene. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Celgene.

Motley Fool Deutschland 2017