Claudia Neumann über die WM in Katar: "Westlichen Besuchern wird der rote Teppich ausgerollt"

Claudia Neumann ist bei der Fußball-WM in Katar für das ZDF als Kommentatorin im Einsatz. (Bild: ZDF / Felix Schmitt)
Claudia Neumann ist bei der Fußball-WM in Katar für das ZDF als Kommentatorin im Einsatz. (Bild: ZDF / Felix Schmitt)

Ab Sonntag ist Katar für vier Wochen das Epizentrum der Fußballwelt. Welche Arbeitsbedingungen ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann vor Ort erwarten, mutmaßte sie nun in einem Interview.

Ab nach Katar: Während viele Fußballfans aus Kostengründen oder ob der umstrittenen WM-Vergabe in den Wüstenstaat keine große Vorfreude auf das anstehende Turnier empfinden, berichtet Claudia Neumann für das ZDF vor Ort. "Organisatorisch wird das sicher eine gelungene WM", erwartet die 58-Jährige, wie sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur teleschau ausführte. Katar werde mit kurzen Wegen, modernen Stadien und neuer U-Bahn "seinen ganzen Glanz erscheinen" lassen, vermutete Neumann im Vorfeld der WM.

"Westlichen Besuchern wird der rote Teppich ausgerollt und ein Gefühl von Wohligkeit vermittelt", schilderte die erfahrene Journalistin, die bereits zweimal den FC Bayern München bei einem Trainingslager in Doha begleitete. "Im normalen Arbeitsalltag wird uns entsprechend nichts von dem begegnen, was uns darüber hinaus bewegen könnte." Umso wichtiger sei es laut Claudia Neumann, die problematische Menschenrechtslage und andere gesellschaftliche Belange ebenso ins Zentrum der Berichterstattung über Katar zu rücken: "ARD und ZDF werden einen ähnlichen Kurs fahren und alle relevanten Themen abseits des rollenden Balls journalistisch aufgreifen."

"Bei der WM-Vergabe ging es nur um Geld"

Ein Boykott der Weltmeisterschaft im Emirat würde derweil nichts bringen, wie sich Claudia Neumann überzeugt zeigte: "Der Fehler ist 2010 passiert und nicht jetzt." Anders als jetzt viele hochrangige Funktionäre argumentieren würden, hätten Menschenrechte damals keine Rolle gespielt: "Das hatten die Verantwortlichen vor zwölf Jahren aber auch so gar nicht im Hinterkopf - da ging es nur um Geld."

Deshalb sei es scheinheilig, nun mit der Strahlkraft und dem Potenzial des Sports zur Verbesserung gesellschaftlicher Missstände zu argumentieren. In diesem Zusammenhang kritisierte Neumann auch Uli Hoeneß, der mit einem Anruf im Fußball-Talk "Doppelpass" Anfang September und seiner Meinung zur WM im Wüstenstaat für Aufsehen gesorgt hatte. Diese Art und Weise, einen Diskurs zu führen sei "wahrlich aus der Zeit gefallen". Die Perspektive der Kritiker müsse gehört werden, so Neumann, während Hoeneß' Herangehensweise eben jene sei, "die keiner mehr will: Kraftvoll von oben herab die Richtung diktieren, ist das zentrale Problem des Fußballs".