City-Leaks-Festival: Diskussion zur Zukunft des Ebertplatzes

Die Kriminalität am umstrittenen Ebertplatz spielte im Gespräch eine Rolle.

Eine Holztribüne mit sechs Sitzreihen und eine kleine Bühne auf einem der Hochbeete – mehr brauchte es nicht, um die Atmosphäre auf dem Ebertplatz am Freitag schlagartig zu verändern.

Die City-Leaks-Organisatoren haben die Betonfläche ganz gezielt als Dreh- und Angelpunkt ihres diesjährigen Festivals für Stadtkunst ausgewählt. Zum Auftakt ließen sie Künstler, Politiker, Obdachlose, Architekten und Mitarbeiter der Stadtverwaltung aufeinandertreffen, um über die Zukunft des umstrittenen Platzes zu diskutieren.

Angesichts der plötzlichen Belebung mit Menschen, die einander zuhören und miteinander ins Gespräch kommen, zogen sich die Angehörigen der Drogenhändler-Szene an den Rand des Platzes zurück. So zeigte das Festival einen größeren Effekt als die fast täglichen Razzien der Polizei. Auch am Freitag schauten einige Beamte kurz vorbei, um Personalien der mutmaßlichen Dealer zu prüfen.

„Angst wird geschürt“

Die laut Polizei zunehmende Kriminalität spielte auch in der Diskussion eine entscheidende Rolle. „Wir feiern oft mit Hunderten Personen bis tief in die Nacht, ohne dass hier etwas passiert“, sagte Künstlerin Meryem Erkus, die für eine der vier Galerien in der unterirdischen Passage arbeitet.

Sie halte es für problematisch, die Angst der Menschen zu schüren, die den Ebertplatz daraufhin meiden würden. Darüber hinaus sei es unverständlich, wieso die Stadt die Platzfläche anheben und die Passage, in der sich die Galerien befinden, zuschütten wolle. „Man kann die umliegenden Viertel doch auch verbinden, ohne das Loch zu zerstören – das ist schließlich nicht leer“, sagte Erkus.

„Lieber Schritt für Schritt umbauen“

Architekt Christian Schaller, der unter anderem die Freitreppe zwischen Dom und Bahnhofsvorplatz entwarf, warnte davor, den Ebertplatz einfach nur dem Boden gleichzumachen und völlig neu zu gestalten. „Es wäre deutlich sinnvoller, den Platz Schritt für Schritt umzubauen, aber dafür sofort damit anzufangen“, sagte er.

Man könne bereits an den Holzbauten für das Festival merken, dass diese einen neuen Fokus schaffen würden. „Wir sollten jetzt nicht Pläne machen und dann zehn Jahre warten, bis das gebaut wird“, so Schaller. Besser sei es, alle Nutzer des Platzes einzubeziehen. Er schlug vor, die Passage seitlich zu schließen. So könne dort ein Kunstraum entstehen, der bei Bedarf abschließbar wäre.

Linda Rennings vom Obdachlosen-Hilfsverein Heimatlos in Köln forderte, dass auch Wohnungslose an dem Prozess teilnehmen können. „Der Ebertplatz gehört zu den wenigen Orten in der Innenstadt, an denen sie sich aufhalten können“, sagte sie. Regina Börschel (SPD) schlug vor, bei der Umgestaltung des Platzes die sozialen Anforderungen vor die Architektur zu stellen.

Johannes Geyer vom Stadtraummanagement kündigte an, dass die Verwaltung alle Interessen in die Neugestaltung einbeziehen wolle. „Die Stadt schafft das nicht alleine“, räumte er ein.

Das City-Leaks-Festival läuft noch bis zum 24. September. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" ist Medienpartner....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta