Citroëns Mittelklasse C5 kehrt nach vier Jahren als individuell gestylter Crossover zurück

Elias Holdenried
·Lesedauer: 6 Min.
Der Plug-in-Hybridantrieb ermöglicht einen rein elektrischen Radius von 50 Kilometern.
Der Plug-in-Hybridantrieb ermöglicht einen rein elektrischen Radius von 50 Kilometern.

Nach über vier Jahren Abstinenz kehrt Citroën mit dem C5 X in die Mittelklasse zurück. Der zusätzliche Buchstabe in der Modellbezeichnung verrät es bereits: Im Gegensatz zum 2017 eingestellten Vorgänger, der mit seinem fast schon teutonisch zurückhaltendem Design dem Audi A4 und VW Passat Käufer abluchsen sollte, ist der Neue zu einem modischen Crossover mutiert. Während es den C5 II als Limousine mit Stufenheck und als geräumigen Kombi gab, wird es das neue Modell nur noch in einer einheitlichen Karosserieform geben.

Design-Details vom C4 übernommen

Beim C5 X haben die Citroën-Designer die grundlegenden Proportionen einer Fließhecklimousine mit der üppigen Bodenfreiheit eines SUV gekreuzt. Die sanft nach hinten abfallende Dachlinie und das schrägstehende Heckfenster wecken Erinnerungen an den legendären Urahnen CX aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Eine passenderweise CXperience genannte Studie hatte bereits 2016 einen ersten Ausblick auf die Linienführung der dritten C5-Generation gegeben.

Mit einer Länge von rund 4,80 Metern und einer Breite von 1,86 Metern hat der C5 X die Abmessungen seines Vorgängers fast eins zu eins übernommen. Von vorne wirkt er wie dem kleineren Bruder C4 aus dem Gesicht geschnitten. Bei beiden Modellen sind die Hauptscheinwerfer tief unten in der Frontschürze platziert, während die Tagfahrleuchten zweigeteilt sind und mit ihrer Leuchtgrafik den Doppelwinkel des Markenlogos symbolisieren sollen. Letztere werden durch den schmalen Kühlergrill miteinander verbunden. Am kombiartigen Heck gibt es gleich zwei Spoiler und LED-Rückleuchten, die ebenfalls das Winkel-Thema aufgreifen.

Die Abmessungen des neuen C5 X ähneln denen seines Vorgängers.
Die Abmessungen des neuen C5 X ähneln denen seines Vorgängers.

Bis zu 1.640 Liter Kofferraumvolumen

Wenn man schon einmal im aktuellen C4 gesessen ist, bietet auch das Interieur des neuen Citroën-Flaggschiffs wenig Überraschungen. Das grundlegende Design des Armaturenträgers wurde von dem Kompakten übernommen. Mittig ist ein zwölf Zoll großer und frei konfigurierbarer Touchscreen platziert, über den die meisten Fahrzeugfunktionen und das Infotainmentsystem bedient werden. Wie es sich heutzutage gehört, gibt es aber natürlich auch eine Sprachsteuerung.

Die wichtigsten Fahrinformationen und Navigationshinweise werden auf dem Digitaldisplay angezeigt. Zudem bietet Citroën ein neues Head-up-Display an, dessen Projektionsfläche auf der Windschutzscheibe besonders groß sein soll. Die Kunden können zwischen mehreren Innenraum-Dekors wählen und kommen in den Genuss der bewusst weich ausgelegten Advanced Comfort-Sitze. Laut dem Hersteller soll der üppige Radstand von fast 2,8 Metern in der zweiten Reihe für viel Beinfreiheit sorgen. Das Gepäckabteil fasst in der Normalkonfiguration 545 Liter. Durch das Umklappen der Rückbank kann das Volumen jedoch auf bis zu 1.640 Liter erweitert werden.

Optional gibt es für das Interieur des C5 X ein Holzdekor.
Optional gibt es für das Interieur des C5 X ein Holzdekor.

Plug-in-Hybrid als Topmotorisierung

Zu den Antrieben haben die Franzosen bisher nur wenige Angaben gemacht. Da der C5 X sich jedoch die intern EMP2 genannte Plattform mit dem Peugeot 508 teilt und insgesamt eng mit dem sportlicher ausgerichteten Löwen verwandt ist, dürfte er auch den Großteil der Motorenpalette von ihm übernehmen. Vereinfacht gesagt, wird es sich bei den Benzinern um Drei- und Vierzylinder handeln, deren Leistung wahrscheinlich zwischen 130 und 225 PS liegen wird.

Bei der Premiere wurde bereits offiziell angegeben, dass der C5 X den Plug-in-Hybridantrieb mit einer Systemleistung von 225 PS aus dem Konzernregal bekommen wird. Dieser soll eine rein elektrische Reichweite von über 50 Kilometern ermöglichen. Der 110 PS starke Elektromotor soll den C5 X alleine auf 135 km/h beschleunigen können. Darüber springt der 181 PS starke Vierzylinder-Benziner ein. Ob es den Mittelklasse-Citroën auch mit Dieselmotoren geben wird, hat Citroën noch nicht bekanntgegeben. Bei der derzeitigen technischen Basis des C5 X sind Plug-in-Hybride das höchste der Gefühle. Trotzdem wäre später eine reine Elektroversion möglich, die dann auf der 2023 kommenden Konzernplattform eVMP aufbauen würde.

Traditionell dem Komfort verpflichtet

Die Liste an Assistenzsystem ist bei heutigen Autos bekanntermaßen lang. Da macht auch der C5 X keine Ausnahme. Neben einer Toter-Winkel-Fernerkennung und einer Rückfahrkamera mit 180 Grad-Ansicht, bietet die höhengelegte Limousine beispielsweise auch autonome Fahrfunktionen der Stufe 2. Auf der Autobahn passt der neue Citroën automatisch die Geschwindigkeit an und hält die Spur. Der Fahrer muss seine Hände aber immer am Lenkrad lassen. Im Stop & Go-Verkehr beschleunigt und bremst der C5 X selbstständig.

Für traditionelle Citroën-Fahrer dürfte jedoch ein anderes technisches Detail von größerer Bedeutung sein. Die von Fans verehrte Hydropneumatik wurde zwar 2017 mit der zweiten C5-Generation eingestellt - Dafür bekommt der neue C5 X die neueste Ausbaustufe der konventionelleren Advanced Comfort-Federung. Diese soll mit ihren hydraulischen Anschlägen einen ähnlich hohen Komfort bieten und auch grobe Straßenunebenheiten ausbügeln. Die an einen Allradler erinnernde große Bodenfreiheit des neuen Crossovers täuscht übrigens. Der C5 X wird ausschließlich über die Vorderräder angetrieben. Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Exemplare zu den Händlern rollen. Preise hat Citroën noch nicht veröffentlicht, sie dürften jedoch schätzungsweise knapp unter 40.000 Euro starten.

Auf dem C5 X lasten hohe Erwartungen

Mit dem neuen C5 X hat Citroën nach einigen Jahren Pause bald endlich wieder ein gehobenes Mittelklasse-Modell im Angebot. Optisch grenzt es sich bewusst von seinen Mitbewerbern ab. Angesichts der sinkenden Verkaufszahlen klassischer Limousinen und Kombis und der starken deutschen Konkurrenz ist die Auslegung als Crossover kaum verwunderlich. Ein Stück weit eifert der bewusst abseits des Mainstreams positionierte C5 X sogar seinen berühmten Vorfahren DS, CX und XM nach. Diese waren zu ihrer jeweiligen Zeit den meisten Konkurrenten technologisch um Jahre voraus. Genau diese Innovationskraft fehlt dem neuen C5 X jedoch leider. Unter dem Blechkleid des jüngsten Sprösslings steckt großteils konventionelle Technik, die sich bereits in vielen anderen Modellen des PSA-Konzerns bewährt hat.

Der Einsatz dieser technischen Hausmannskost verwundert kaum. Die konsequente Gleichteile-Strategie des aktuellen Konzernchefs Carlos Tavares trägt schließlich finanziell Früchte. Zudem wurde Citroën in den letzten Jahren zur Einstiegsmarke von PSA degradiert und so unterhalb von Peugeot, Opel und DS Automobiles positioniert. Trotz der günstigeren Preise, wird die Marke bei den Verkaufszahlen in letzter Zeit deutlich von der wiedererstarkten Konzernmutter Peugeot überflügelt.

Letztere besetzte beispielsweise im vergangenen Februar mit dem Kleinwagen 208 und dem kleinen SUV 2008 die ersten beiden Plätze der europäischen Zulassungsstatistik. Der hausinterne Konkurrent Citroën C3 lag dagegen "nur" auf Platz sieben. Bei ihm handelt es sich um den derzeit meistverkauften Citroën. Auch wenn sich einige Modelle, wie zum Beispiel das Kompakt-SUV C5 Aircross gut verkaufen, dürfte die Fusion mit Fiat-Chryler Citroëns Stand innerhalb des Konzerns weiter verschlechtert haben. Unter dem Dach des neu entstandenen Autogiganten Stellantis sind nämlich einige weitere interne Konkurrenten dazugekommen.

Angesichts dieser suboptimalen Voraussetzungen ist es schon erfreulich, dass der teilweise eher stiefmütterlich behandelte Pariser Autohersteller überhaupt wieder oberhalb der Kompaktklasse mit einem neuen Modell antreten darf. Auch wenn man beim C5 X vergeblich nach revolutionärer High Tech sucht, steht der Hoffnungsträger zumindest optisch für die Rückkehr der Individualität bei Citroën. Ob diese von den Kunden tatsächlich auch mit guten Verkaufszahlen honoriert wird, bleibt abzuwarten. Falls nicht, könnte die dritte C5-Generation wohl auch gleichzeitig als die letzte in die Geschichte eingehen.

Bahnbrechende Innovationen hat Citroëns neues Flaggschiff leider nicht zu bieten.
Bahnbrechende Innovationen hat Citroëns neues Flaggschiff leider nicht zu bieten.