Ciao, Gigi! Der Abschied eines Einzigartigen

Johannes Fischer
Gianluigi Buffon verkündete nach dem WM-Quali-Aus gegen Schweden seinen Rücktritt aus der italienischen Nationalmannschaft

Als es vorbei war, flossen bei Gianluigi Buffon die Tränen.

"Das war mein letztes Spiel für Italien", schluchzte er kurz nach dem torlosen Remis gegen Schweden in die Mikrophone. "Die Zeit ist ein Tyrann, aber es ist richtig, dass es so ist", sagte der 39-Jährige.

Mit dem Schlusspfiff im Giuseppe-Meazza-Stadion, der das WM-Aus der Squadra Azzurra besiegelte, war klar: Hier endet die Heldenreise des legendären Torhüters im azurblauen Nationaltrikot. (Kommentar: Italien hat es nicht anders verdient)


Zuvor hatte der Torwart-Routinier seinen langjährigen Teamkollegen Giorgio Chiellini in den Arm genommen und ihn fest an sich gedrückt.


Auch die eisenharte Ü-30-Abwehrreihe mit Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Chiellini ("BBC") wird sich wohl auflösen.

Buffon wird wehmütig

"Mein Barzagli, mein Chiellini, mein Bonucci...vielleicht werden auch sie zurücktreten", mutmaßte Buffon. "Ich glaube, dass nur Bonucci weitermacht." Zusammen mit Barzagli hatte Buffon unter anderem die WM 2006 in Deutschland gewonnen.


Neben dem Schock durch das erste WM-Aus Italiens seit 60 Jahren machte sich eine große Portion Wehmut im Mailänder Stadtteil San Siro breit - aber nicht nur dort. Quer durch ganz Italien, in Zeitungskolumnen, TV-Sendungen oder hunderten Tweets wurde Buffons Abschied beweint.


Dass er sich über die Jahre so tief in die Herzen der Tifosi gebohrt hatte, lag weniger an den immer noch hervorragenden Leistungen des Schlussmanns, sondern vielmehr an dessen großer Persönlichkeit.

Weltweit gibt es wohl kaum einen Fußball-Profi, der ähnlich viele Symphatien genießt. Warum man ihn auch im Ausland vermissen wird, zeigte Buffon auch im letzten Spiel für die Nationalelf. Als die schwedische Nationalhymne vor dem Spiel von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet wurde, applaudierte Buffon demonstrativ und bewies einmal mehr seinen großen Sportsgeist.  

Buffons Hintertürchen

Buffons Rücktritt rührte auch viele internationale Stars, mit denen sich der Italiener teils legendäre Duelle geliefert hatte. So twitterte Spaniens ehemaliger Nationalkeeper Iker Casillas, wie sehr ihn Buffons Tränen mitnahmen.


"Ich möchte dich wie zuvor sehen, so wie du für viele Menschen bleibst: eine LEGENDE", schrieb Casillas. "Ich mag es nicht, dich so zu sehen! Ich bin stolz darauf, dich zu kennen und ich bin stolz darauf, viele Male gegen dich antreten zu durften. Du musst uns weiter im Fußball erfreuen!"

Dies wird er bis auf Weiteres auch tun: Auf Vereinsebene wird Buffon noch bis zum kommenden Mai den Bällen hinterher hechten und versuchen, endlich mit Juventus die Champions League zu gewinnen - der einzigen wichtige Titel, der in seiner Sammlung fehlt.  

Sollte dies tatsächlich gelingen, würde er sogar noch ein Jährchen dranhängen. "Auch um an der Klub-WM teilzunehmen", wie er unlängst verriet. In diesem Fall würde er sich die Rolle mit dem derzeitigen Ersatztorhüter Wojciech Szczesny teilen.

Eine Karriere, zwei Vereine

Buffons Karriere ist einzigartig. Viele Legenden ranken sich um ihn, die ihn auch bei neutralen Fans immer beliebter machte. So fuhr er noch lange, nachdem er schon ein internationaler Star war, mit seinem alten Auto zum Training, die Sporttasche auf dem Rücksitz.

Der Spross einer Sportlerfamilie wurde bei seinem Langzeitklub Juventus Turin auch deshalb zur Legende, weil er nach dem Zwangsabstieg in die Zweite Liga im Verein blieb und den Neuaufbau mitmachte - und das als amtierender Weltmeister.

Begonnen hatte er seine Laufbahn 1995 im Trikot des AC Parma. Sechs Jahre später ging er nach Turin - es war sein einziger Vereinswechsel in über 20 Jahren.

Mittlerweile tritt er gegen die Söhne einiger ehemaligen Teamkollegen an. So spielte Buffon 2001 mit Enrico Chiesa für Parma und Italien - 16 Jahre später stand er dessen Sohn Federico gegenüber. 

Größe in der Niederlage

Auch in Deutschland hat Buffon viele Fans. Vor allem bei Borussia Mönchengladbach weinen sie dem Keeper mindestens eine Träne hinterher und posteten einen entsprechenden Tweet.


Nachdem er in seiner Biographie geschrieben hatte, er sei seit seiner Kindheit wegen des unaussprechlichen Namens ein Fan des Bundesligisten, schickten ihm die Fohlen ein paar Torwart-Handschuhe per Post zu - und partizipierten mit einem immensen Zuwachs an Social-Media-Usern am Ruhm des Keepers.

Es gibt so viele Geschichten über Buffon, dass nicht klar ist, wo man anfangen und wo aufhören soll. Besonders in der Niederlage zeigte er aber immer eine Größe, die ihn von vielen anderen Profis unterscheidet. So war es auch am traurigen Montagabend.

"Der Sport lehrt uns zusammen zu gewinnen und zu verlieren, gemeinsam Freud und Leid zu teilen", sagte Buffon am Ende seiner Heldenreise. Dem ist nichts hinzuzufügen.