Christopher Street Day: Eröffnung auf dem Heumarkt – Lkw-Fahrverbot rund um CSD-Parade

Bei der Parade am Sonntag werden rund 30.000 Teilnehmer erwartet.

Zwei rosa und ein schwarzer Winkel bilden den Buchstaben „W“ im Schriftzug des „Cologne Pride“-Mottos, der Kölner Feiern am Wochenende zum Christopher Street Day: „Nie wieder“ haben die Organisatoren vom Kölner Lesben- und Schwulentag (Klust) als Devise gewählt, um an die Zeit zu erinnern, in der Schwule und Lesben stigmatisiert und verfolgt wurden.

Im Dritten Reich wurden homosexuelle Männer in den Konzentrationslagern gezwungen, rosafarbene Winkel zu tragen. Bei den Frauen waren sie in Schwarz, der Symbolfarbe der „Asozialen“, gehalten, weil sie nicht dem nationalsozialistischen Frauenideal entsprachen.

Jene Verhältnisse scheinen längst überwunden, zumal in diesem Jahr. Im März hat das Bundeskabinett die Rehabilitierung der Männer beschlossen, die nach dem „Schwulenparagrafen“ 175 verurteilt wurden. Und erst vor einer Woche hat der Bundestag mit großer Mehrheit dafür gestimmt, die „Ehe für alle“ einzuführen.

Das greift der Klust mit einem besonderen Programmpunkt auf: Am Samstag gegen 19.40 Uhr ehrt er den Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck, der sich jahrzehntelang für die Öffnung der Ehe für Homosexuelle eingesetzt hat, mit der goldenen Klust-Nadel für sein Lebenswerk. Trotz allem mangelt es auch heute vielfach immer noch an der Akzeptanz von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und erst recht Transgendern.

Empfang: Köln zeigt Flagge

Anlässlich des CSD lädt Oberbürgermeisterin Henriette Reker traditionell internationale Gäste aus den Partnerstädten und das Organisationsteam des CSD zu einem Empfang. Auch Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen und Selbsthilfegruppen aus Köln, die sich für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen engagieren, werden am heutigen Freitag um 15 Uhr im Hansasaal erwartet. Im Anschluss wird um 16 Uhr vor dem Rathaus auf dem Alter Markt die Regenbogenfahne zum Zeichen der Solidarität mit der Community gehisst.

Parade am Sonntag

Am Sonntag startet um 12 Uhr auf der Deutzer Brücke der CSD-Demonstrationszug. Daran beteiligen sich voraussichtlich bis zu 30.000 Menschen in Fußgruppen und auf etwa 85 Festwagen; die Veranstalter rechnen mit rund einer halben Million Zuschauern. Die Wegstrecke: Heumarkt, Gürzenichstraße, Schildergasse, Neumarkt, Pastor-Könn-Platz, Apostelnstraße, Ehrenstraße, Friesenwall, Magnusstraße, Burgmauer, Komödienstraße. Mit dem Umzug fordern die Teilnehmer, die rechtliche und gesellschaftliche Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern zu verbessern. Den Abschluss bildet eine Kundgebung auf dem Heumarkt ab 17 Uhr.

Verkehrslenkung

Wie zu Karneval verhängt die Stadt in Abstimmung mit der Polizei anlässlich der CSD-Parade für die Innenstadt ein Lkw-Fahrverbot, um die Sicherheit der Teilnehmer und Gäste zu erhöhen. Das Verbot gilt für Lastkraftwagen mit und ohne Anhänger bei einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen am Sonntag von 0 bis 22 Uhr. Der betroffene Innenstadtbereich ist durch folgende Straßen begrenzt: Schönhauserstraße, Marktstraße, Am Vorgebirgstor, Pohligstraße, Weißhausstraße, Universitätsstraße, Innere Kanalstraße, Auffahrt Zoobrücke, Auffahrten zur Severinsbrücke, Rheinuferstraße. Auf den genannten Straßen selbst sind mit Ausnahme der Rheinuferstraße Lkw nicht verboten. Die Zufahrt zum Großmarkt bleibt frei.

Genehmigte Ausnahmen von diesem Fahrverbot können bis Freitag, 12 Uhr, beim Amt für öffentliche Ordnung, Ottmar-Pohl-Platz 1, beantragt werden. Ein Vordruck kann telefonisch unter 0221/26335 angefordert oder im Internet heruntergeladen werden. Vor dem Hintergrund der Gefahr durch Selbstmordattentäter, die in die Menge rasen könnten, wird zum ersten Mal das Lkw-Sperrsystem „Barracuda“ angewandt. Mit ihm können Pkw, Lkw und Busse zum Stillstand gebracht werden. An ausgewählten Stellen nimmt die Polizei Verkehrskontrollen vor.

Eröffnung auf dem Heumarkt

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), der die Schirmherrschaft des Cologne Pride 2017 übernommen hat und ein Befürworter der „Ehe für alle“ ist, eröffnet heute um 18 Uhr das CSD-Wochenende. „Deutschland ist ein starkes Land, weil hier alle Menschen ihre eigenen Lebensentwürfe leben können“, ist er überzeugt. „Diese Vielfalt zu fördern und sie gegenüber Diskriminierungen zu schützen, ist auch Aufgabe des Rechts.“

Strassenfest

Schon um 16 Uhr beginnt am Freitag das große CSD-Straßenfest auf dem Heumarkt, dem Alter Markt und dem Gürzenich-Vorplatz. Es dauert bis 22 Uhr. Am Samstag wird von 11 bis 22.30 Uhr und am Sonntag von 14 bis 22 Uhr gefeiert. Auf drei Bühnen gibt es ein Programm aus Kultur, Politik und Tanz, dazu kommen zahlreiche Informations- und Verkaufsstände. Am Samstag werden um 22 Uhr zum Gedenken an die Opfer von Aids in einem Augenblick der Stille „Kerzenlichter gegen das Vergessen“ angezündet.

Aktion am Mahnmal

Am Mahnmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus neben der Hohenzollernbrücke beginnt am Freitag um 19 Uhr eine Aktion, die diejenigen, die nach dem Paragrafen 175 verurteilt worden sind, ermutigen soll, Entschädigung zu beantragen. Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und Staatssekretär Ralf Kleindiek sprechen Grußworte.

Empfang

Das Schwule Netzwerk NRW und die Aids-Hilfe NRW veranstalten ab 13 Uhr im Gürzenich einen Empfang mit rund 700 Gästen. Bundesstaatsanwalt a. D. Manfred Bruns wird für sein langjähriges Engagement für die Rechte Homosexueller mit der „Kompassnadel“ des Netzwerks geehrt.

Dyke March

Auf dem Roncalliplatz startet am Samstag um 18.15 Uhr der Dyke March Cologne. Der Umzug von Frauen, die Frauen lieben, ist seit drei Jahren Teil des Cologne Pride und soll laut den Veranstalterinnen „Lesben sichtbarer und den CSD vielfältiger machen“.

Gottesdienst

Am Samstag beginnt um 18 Uhr in der Antoniterkirche, Schildergasse 57, ein ökumenischer CSD-Gottesdienst. Hauptzelebrant ist Pfarrer Markus Herzberg. Die Feier wird von Pfarrer Jürgen Wenge von der Alt-Katholischen Gemeinde Christi Auferstehung und Jesuitenpater Werner Holter von Sankt Peter mitgestaltet.

www.stadt-koeln.de

www.colognepride.de...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta