Christoph Daum über Probleme im türkischen Fußball: "Die Türkei braucht einen Vierjahresplan"

Daum, insgesamt knapp neun Jahre Trainer in der Türkei, erklärt die Probleme des Fußballs dort. Man müsse vor allem im Nachwuchsbereich aufholen.

Christoph Daum, der in seiner Trainerkarriere unter anderem Besiktas, Fenerbahce und Bursaspor coachte und insgesamt knapp neun Jahre als Trainer in der Türkei verbrachte, hat sich in einem Interview zu den Problemen im türkischen Fußball geäußert.

"Die Türkei braucht einen Vierjahresplan, der voll auf die WM 2022 ausgerichtet ist", sagte Daum gegenüber t-online.de, nachdem die Türkei durch das 0:3 gegen Island am Freitag die WM 2018 in Russland verpassen wird. "Die Türkei hat das Potenzial, sich auch für eine WM zu qualifizieren. Aber jetzt ist Geduld gefragt, kurzfristig löst man die Probleme nicht.“

Daum sieht das größte Problem in der Herkunft der Nationalspieler. "Es gibt in der türkischen Nationalmannschaft drei Gruppen", eklärte der 63-Jährige, der vor kurzem als Nationaltrainer Rumäniens entlassen worden war. "Die erste Gruppe besteht aus den Spielern, die in der Türkei aufgewachsen sind und dort ausgebildet wurden. Dann sind da die Spieler, die in Europa aufgewachsen sind und dann in die Türkei gegangen sind. Die stehen oft zwischen den Stühlen. Und dann sind da noch die Spieler, die in Europa aufgewachsen sind und dort auch ausgebildet wurden."

Bis heute sei es "nicht gelungen, aus diesen Gruppen eine Einheit zu formen. Die Mannschaft spielt sehr oft nebeneinander.“ Aufbauarbeit müsse zunächst an der Basis geleistet werden, ist Daum sicher: "Vor allem im Nachwuchsbereich hat die Türkei Nachholbedarf, denn es gibt keine Nachwuchs- und Jugendcenter, wie wir sie beispielsweise aus Deutschland kennen.“

Die Türkei kann in der WM-Qualifikation am letzten Spieltag nicht mehr einen der beiden ersten Plätze ihrer Gruppe erreichen. Damit muss man am Bosporus weiterhin auf die erste WM-Teilnahme seit 2002 warten, als man in Japan und Südkorea starker Dritter wurde.