Christian Sewing ist neuer Chef der Deutschen Bank

Der bisherige Privatkundenmann Sewing wurde mit sofortiger Wirkung zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Er bekommt zwei Stellvertreter.


Nach hitziger Debatte hat sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bank auf eine neue Mannschaftsaufstellung geeinigt. Christian Sewing wurde mit sofortiger Wirkung zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Er löst den 57-jährigen Briten John Cryan ab, der die Bank zum Monatsende verlassen wird, wie die Deutsche Bank am Sonntagabend mitteilte.

Zu Sewings Stellvertretern wurde der Investmentbanker Garth Ritchie und der Personal- und Rechtsvorstand Karl von Rohr ernannt. Neben John Cryan verlässt auch Marcus Schenck das Institut. Schenck war bislang neben dem 47-jährigen Sewing einer der Stellvertreter John Cryans und leitete gemeinsam mit Ritchie das Investmentbanking. Schenck stehe für eine Rolle innerhalb der neuen Führung nicht zur Verfügung, nachdem er den Aufsichtsrat bereits vor Ostern darüber informiert habe, zur Hauptversammlung im Mai ausscheiden zu wollen, so die Bank.

Für Ritchie ist die Entscheidung gleich eine doppelte Beförderung, weil er zum Vize-Vorstandsvorsitzenden aufsteigt und das Investmentbanking künftig alleine führt. Das Privatkundengeschäft wird künftig allein von Frank Strauß geleitet, der auch Vorstandschef der Postbank ist.


Der bisherige Vorstandschef John Cryan stand seit mehreren Monaten bei Investoren in der Kritik, weil der Umbau der Bank schleppender als erwartet vorangekommen war. Drei Verlustjahre in Folge, Rückschläge bei der Kostendisziplin und die schwache Entwicklung des Aktienkurses hatten für Ärger bei den Investoren gesorgt. Aufsichtsräte und Investoren warfen Cryan zuletzt vor, den Umbau nicht entschlossen genug voranzutreiben.

Weshalb der Führungswechsel nun nötig war, deutete Aufsichtsratschef Achleitner indirekt auch in der Pressemitteilung an. „Christian Sewing hat in seinen mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank konstant bewiesen, dass er führungsstark ist und eine große Durchsetzungskraft hat“, ließ er sich zitieren. Der Aufsichtsrat sei überzeugt, dass es ihm und seinem Team gelingen werde, die Deutsche Bank erfolgreich in eine neue Ära zu führen.

Cryan lobte er zwar dafür, dass er „trotz seiner relativ kurzen Amtszeit“ eine wichtige Rolle in der Geschichte der Deutschen Bank gespielt und die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft gestellt habe. „Der Aufsichtsrat ist nach einer umfassenden Analyse aber zum Schluss gekommen, dass es nun eine neue Umsetzungskraft in der Führung unserer Bank braucht“, so Achleitner. Übersetzt gesagt: Cryan konnte sich zuletzt nicht gut genug durchsetzen.


Dem Beschluss ging eine teils hitzige, mehr als dreistündige Debatte im Aufsichtsrat voraus. Mindestens zwei Teilnehmer der Telefonschalte beschwerten sich nach Angaben aus Finanzkreisen über die Art und Weise, wie John Cryan aus ihrer Sicht abserviert worden sei. Sie zweifelten an, ob ein Wechsel an der Führungsspitze überhaupt notwendig ist. Und sie kritisierten die Wahl von Christian Sewing als riskant und hinterfragten, ob er der Aufgabe gewachsen ist.

Nicht nur inhaltlich gab es großen Redebedarf, sondern auch darüber, wie die Sitzung zustande kam. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte die Telefonkonferenz nicht nur sehr kurzfristig einberufen, er hatte den Aufsichtsrat im Vorfeld außerdem nicht in die Nachfolgesuche eingebunden. In Finanzkreisen hieß es, mindestens ein Aufsichtsratsmitglied habe sich über die Art und Weise der Sitzung beschwert sowie darüber, dass man den Aufsichtsrat vor vollendete Tatsachen gestellt habe.

Der Fondsmanager von Union Investment, Ingo Speich, begrüßte die Berufung Sewings. „Er kennt die Bank und kann den Restrukturierungsprozess nahtlos fortsetzen“, sagte Speich dem Handelsblatt. Sewing müsse aber auch neue Akzente setzen, damit die Bank endlich zu profitablem Wachstum zurückfinde. „Die Deutsche Bank sollte jetzt die Chance nutzen, ihre Strategie noch einmal auf den Prüfstand zu stellen“, so Speich. Insbesondere im Investmentbanking gebe es Anpassungsbedarf, eine stärkere Fokussierung sei dort unvermeidlich.