Christian Heidel schweigt zur protestierenden Schalke-Fans

Die Kritik der Fans nach dem Weggang von Benedikt Höwedes richtete sich nicht nur gegen Domenico Tedesco, sondern auch gegen Christian Heidel.

Der Verlierer unter den Siegern schwieg. Er stehe nach jeder Niederlage Frage und Antwort, ließ Christian Heidel den wartenden Journalisten ausrichten, nach einem Erfolg sollten sich die Spieler äußern. Die hatten 3:1 (1:1) gegen den VfB Stuttgart gewonnen, der Sportvorstand von Schalke 04 allerdings hatte kräftig einstecken müssen - von den königsblauen Fans als "Identitätsschänder" beschimpft.

Die Flucht des Weltmeisters Benedikt Höwedes nach seiner Absetzung als Kapitän hatte den Anhang der Gelsenkirchener auf die Palme gebracht. "Identitätsverlust stoppen", forderten die Fans auf Transparenten, "die Wurzeln achten und nicht vernichten!" Wie schon direkt nach der Ausbootung des Urgesteins, das zu Juventus Turin gewechselt war, stellte sich allein Trainer-Neuling Domenico Tedesco der heftigen Kritik.

Tedesco: "Wir haben genug Identifikationsfiguren"

"Wir haben viele junge Spieler, die sich mit Schalke zu 1000 Prozent identifizieren", sagte der 31-Jährige, "wir haben auf Schalke genug Identifikationsfiguren." Dass sie nicht nur der Höwedes-Abgang erzürnte und sie keineswegs Tedesco als alleinigen Sündenbock sehen, machten die Anhänger überdeutlich. "Vom Autohändler zum Identitätsschänder", hieß es auf einem Plakat, "70 Millionen ausgegeben und dabei 70 Prozent der Identität verloren", auf einem anderen.

Der Adressat: Heidel. Als der langjährige Mainzer Manager vor anderthalb Jahren das Kommando auf Schalke übernommen hatte, standen noch zwölf Eigengewächse aus der hochgelobten "Knappenschmiede", die unter anderem die Weltmeister Manuel Neuer, Mesut Özil und Julian Draxler hervorgebracht hatte, im Kader. Nach Heidels "Sommerschlussverkauf" mit 19 Abgängen sind nur noch fünf selbst ausgebildete Talente übrig geblieben.

Im TV-Interview mit Sky direkt nach Spielschluss blieben dem Sportvorstand, der seit seinem Amtsantritt im Mai 2016 für über 80 Millionen Euro Spieler aus acht Ländern verpflichtet hat, Fragen nach der Fan-Kritik erspart. In die Mixed Zone, in der sich der sonst so eloquente Manager in der Regel ausführlich zu allen Themen äußert, ging er diesmal nicht.