Christen aus aller Welt feiern im Heiligen Land

Ein als Weihnachtsmann verkleideter Mann bildet die Spitze der traditionellen Weihnachtsprozession. Foto: Sara Lemel

Seit mehr als zwei Wochen steht Jerusalem im Zentrum einer Krise. Doch viele Touristen haben sich von gewaltsamen Unruhen nicht abschrecken lassen - sie feiern Weihnachten am Ort der biblischen Geschichte.

Jerusalem/Bethlehem (dpa) - Tausende von Christen aus aller Welt haben am Sonntag im Heiligen Land Weihnachten gefeiert. In Bethlehem traf am frühen Nachmittag die traditionelle Weihnachtsprozession ein, die von Jerusalem aus aufgebrochen war.

Die Feiern werden in diesem Jahr überschattet von der Krise um die umstrittene Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA.

Palästinensische Marschkapellen mit Trommeln und Dudelsäcken und junge Pfadfinder zogen durch die weihnachtlich geschmückten Straßen Bethlehems. Das Oberhaupt der katholischen Kirche im Heiligen Land, Pierbattista Pizzaballa, führte die Prozession aus Jerusalem an. Auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem wurde der in ein purpurfarbenes Gewand gekleidete Erzbischof von christlichen Würdenträgern feierlich in Empfang genommen.

In Jerusalems Altstadt waren am Sonntag viele bewaffnete Sicherheitskräfte unterwegs. An der Spitze der Prozession fuhr ein als Weihnachtsmann verkleideter Mann - als Beifahrer eines Motorrads. Der rot-weiß gekleidete Santa mit langem Rauschebart verteilte vorher am Jaffa-Tor in Jerusalem Süßigkeiten an Kinder und ließ sich mit begeisterten Touristen fotografieren. Sie sangen gemeinsam Weihnachtslieder. «Ho, ho, ho», rief der Weihnachtsmann immer wieder, während die Besucher klatschten und lachten.

In Bethlehem, dem kleinen Ort im Westjordanland, werden über die Feiertage rund 10 000 Besucher erwartet. Der lateinische Patriarch Pizzaballa wollte später auch die Mitternachtsmesse in der St. Katharinenkirche neben der Geburtskirche in Bethlehem zelebrieren. Sie steht an der Stelle, die als Geburtsort Jesu verehrt wird. Den Krippenplatz vor der Kirche schmückt ein riesiger Weihnachtsbaum mit einem Stern an der Spitze.

In den engen Gassen der Altstadt Jerusalems waren am Sonntag einige Touristen zu sehen, es war allerdings nicht dicht gedrängt. Ein palästinensischer Händler, der christliche Andenken verkauft, beschwerte sich über schlechte Geschäfte in den letzten Wochen. «Das ist der Trump-Effekt», schimpfte er.

US-Präsident Donald Trump hatte am 6. Dezember im Alleingang Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt. Die Palästinenser reagierten mit heftigen Protesten - bei Unruhen und israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind bisher zwölf Palästinenser getötet und hunderte verletzt worden.

Auf dem Krippenplatz in Bethlehem hing ein großer Spruchband mit der Aufschrift: «Jerusalem wird die Hauptstadt Palästinas bleiben.» Der Bürgermeister Bethlehems, Anton Salman, sagte am Sonntag: «Wir haben ein Leben in Freiheit mit Jerusalem als unserer Hauptstadt verdient.»

Die Amerikanerin Judith Torchia aus Nashville hat Jerusalem in diesem Jahr zum ersten Mal besucht. Sie habe trotz der Berichte über Unruhen keine Angst gehabt, zu kommen, sagte sie. «Die Medien haben die Tendenz, kleine Dinge aufzublähen», sagte Torchia lächelnd. «Es ist wundervoll, hier zu sein, und gerade zu Weihnachten die Orte zu sehen, von denen man in der Bibel liest.»

Sie wolle mit dem Besuch ihren Glauben stärken, sagte die US-Touristin in der Grabeskirche. Touristen aus aller Welt besuchten am Sonntag die heiligste Stätte des Christentums, viele trugen rot-weiße Weihnachtsmützen. Besuchergruppen warteten in einer langen Schlange vor der Grabkapelle - an der Stelle soll Jesus Christus begraben worden und wieder auferstanden sein.