Chinesisches Netzwerk will homosexuelle Inhalte verbieten: So reagiert das Netz

Das chinesische Twitter-Pendant, der Kurznachrichtendienst Weibo, will seine Inhalte stärker überwachen und alles, was mit Homosexualität zu tun hat, verbannen. Das lassen sich die User so allerdings nicht gefallen.

Chinesen protestieren gegen Verbannung homosexueller Inhalte. (Bild-Copyright: ErwinVogelaar/Twitter)

Am Freitag veröffentlichte Weibo seine neuen Richtlinien. Darin heißt es, dass die Plattform für einen Zeitraum von drei Monaten Comics, Spiele, Texte und Videos sehr genau auf Pornografie, blutige Gewalt und Homosexualität hin überwachen werde. Damit soll ein “heiteres und harmonisches Umfeld” geschaffen werden.

Obwohl Homosexualität seit 1997 in China straffrei ist, wird das Thema immer noch tabuisiert, auch im Internet. 2014 hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die Cybersicherheit zu einer Frage der nationalen Sicherheit erklärt. Seither hat ein regelrechter Regulierungsmarathon eingesetzt. Kürzlich zog Peking die Kontrolle über alles Digitale noch einmal an.

Weibo reagierte offenbar mit seiner Säuberungsaktion auf die verschärften Auflagen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden bislang 108 User-Account geschlossen und 62 Diskussionen gelöscht, die gegen die neuen Richtlinien verstoßen haben sollen. Insgesamt seien 56.243 Inhalte gesäubert worden.

Doch die Nutzer reagieren nicht mit stillem Einverständnis. Unter dem Hashtag #iamgay, zu Deutsch “ich bin homosexuell”, protestieren sie gegen das Vorgehen und für ihre Rechte. Twitter-User Erwin Vogelaar aus den Niederlanden nutzte den Kurznachrichtendienst, um diese Proteste auch außerhalb Chinas publik zu machen.


“Das chinesische Netzwerk Weibo verbannt homosexuelle Inhalte. Heute protestieren die Menschen unter dem Hashtag #iamgay. Hier einige Screenshots aus der App.”

Die geteilten Bilder machen deutlich, dass die Homosexuellen-Kultur in China verbreiteter ist, als angenommen und viele ihr nach den Säuberungen auf Weibo ein Gesicht geben wollen. Die Aktion steht frei unter dem Motto: “Wir wurden so geboren. Sei stolz darauf, wer du bist.”

Wie “bento” berichtet, kamen Posts mit dem Hastag #iamgay innerhalb weniger Stunden auf insgesamt 130 Millionen Klicks und 135.000 unterstützende Kommentare.

Zensurvorwürfe gegen YouTube.