Chinesischer Regimekritiker stirbt kurz nach gesundheitsbedingter Haftentlassung

AI sieht nach dem Tod eines weiteren kranken Dissidenten ein "Muster"

Ein chinesischer Regierungskritiker ist kurz vor Vollendung seiner zwölfjährigen Haftstrafe an Krebs gestorben. Der Schriftsteller Yang Tongyan sei am Dienstag gestorben, knapp drei Monat nach einer Operation wegen eines Hirntumors, teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Mittwoch unter Berufung auf Freunde des Verstorbenen mit. Yang war erst im August wegen der Krebserkrankung vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Der Tod eines weiteren inhaftierten Dissendenten nach seiner Entlassung aus gesundheitlichen Gründen sei "alarmierend", erklärte Amnesty International. Es handele sich um ein "Muster", das sich in den vergangenen Jahren in China etabliert habe. Die Regierung entlasse Aktivisten entweder in schlechtem Gesundheitszustand oder nur wenige Wochen vor ihrem Tod aus der Haft. Amnesty International kritisierte, dass für den Tod der von der Regierung zu "Staatsfeinden" erklärten Menschen niemand zur Verantwortung gezogen werde.

Ein bekanntes Beispiel sei der Nobelpreisträger Liu Xiaobo, der in diesem Sommer wegen einer Krebsbehandlung aus dem Gefängnis entlassen wurde und im Juli verstarb. Besonders die USA hatten damals auf die Freilassung des Aktivisten gedrungen.

Yang wurde 2006 wegen der Veröffentlichung regierungskritischer Artikel im Internt verurteilt. Zuvor hatte er bereits zehn Jahre wegen "konterrevolutionärer" Vergehen im Gefängnis verbracht.

Nach der Diagnose eines aggressiven Gehirntumors wurde der 56-Jährige im August aus medizinischen Gründen entlassen. Das Huashan-Krankenhaus in Shanghai, das Yang nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP vor seinem Tod behandelte, wollte sich nicht zu dem Todesfall äußern.