Der chinesische Handels-Elefant im Raum: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Bundeskanzler Olaf Scholz und sein Vize Robert Habeck sind dann mal weg. Heute Nachmittag bricht der Wirtschaftsminister zu einer viertägigen Reise nach Singapur auf. Am Samstag zieht es dann auch den Kanzler nach Fernost. Erst Vietnam, dann eine Stippvisite auf der Asien-Pazifik-Konferenz in Singapur, dann der G20-Gipfel auf Bali.

Die Reisen von Scholz und Habeck verfolgen ein klares politisches Ziel: Neue Märkte in Asien zu erschließen als Alternative zum übermächtigen China. Dementsprechend groß sind die begleitenden Delegationen. In Habecks Airbus sitzen 18 Vorstandschefs, unter anderem aus den Bereichen Energie, Luftfahrt, Umwelt, Elektro, Medizin und Künstliche Intelligenz. Mit dem Kanzler fliegen nochmal 11 namhafte Unternehmer. Habeck trifft in Singapur eine Reihe von Amtskollegen, unter anderem aus Pakistan, Indonesien und den Philippinen. Abends lädt die Deutsche Bank zu einem Empfang ins Nobelhotel Marina Bay Sands ein.

Die Wirtschaftstreibenden sehen die Bemühungen um “Diversifizierung”, wie das Schlagwort der Regierung lautet, freilich mit gemischten Gefühlen. Sie wissen, dass diese Länder auch zusammengenommen es nicht annähernd mit China aufnehmen können. “Es ist keine Option, ganz auf China zu verzichten”, sagt DIHK-Außenhandelschef Volker Treier. Allenfalls ginge es darum, “sich breiter aufzustellen und abzusichern für den Fall, dass es im China-Geschäft zu einem stärkeren Rückgang kommen sollte.”

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Der Bund wird im nächsten Jahr per Saldo 45,6 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen, wie ein Bloomberg vorliegendes Dokument zeigt

  • Die EZB weist die lauter werdenden Klagen europäischer Großbanken über ihre Aufsichtspraxis zurück.

  • Bei Daimler Truck ist im abgelaufenen Quartal die Umsatzrendite gestiegen.

  • China verkürzt die Quarantäne bei der Einreise und verwirft ein System zur Abstrafung von Fluggesellschaften, mit denen ein Virusträger ins Land gekommen ist.

  • Deutsche Bank-Mitarbeiter erhalten €1.500 Inflationsprämie.

  • United Internet hat eine Reihe von Banken für den Börsengang ihrer Webhosting-Sparte Ionos ausgewählt.

  • Elon Musk warnte die Twitter-Mitarbeiter informierten Kreisen zufolge vor der Gefahr eines Konkurses, sollte das Unternehmen nicht mehr Geld verdienen.

  • Wegen zahlreicher Pannen soll in Teilen von Berlin die Bundestagswahl vom vergangenen Jahr wiederholt werden.

  • Krypto-Krise: Vermögenswerte der Problembörse FTX.com am Firmensitz auf Bahamas wurden eingefroren. Indessen hat BlockFi die Möglichkeit von Abhebungen gestoppt

ANALYSEN:

  • Das abflauende Wachstum erhöht unter den Industriekonzernen den Wettbewerb und schmälert die Margen.

  • Chinas Ausstieg aus Null-Covid-Politik könnte nach Ansicht von Analysten bis Ende nächsten Jahres dauern.

AKTIENMÄRKTE | Die niedriger als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten haben am Donnerstag für ein Kursfeuerwerk an der Wall Street gesorgt, das auch die Börsen in Asien in die Höhe schnellen lässt. Der MSCI Asia Pacific kam zeitweise 4,6% voran, so stark wie seit März 2020 nicht mehr. Hongkongs Hang-Seng-Index kletterte sogar fast 8% angesichts chinesischer Maßnahmen zur Lockerung der Corona-Regeln. In New York schloss der S&P 500 um 5,5% höher. Die Headline-Inflation bei den US-Verbraucherpreisen lag mit 7,7% auf dem niedrigsten Stand seit Januar. Dies schürte die Erwartung, dass die Fed von ihrem aggressiven Zinserhöhungskurs einen Gang herunterschalten kann. Leerverkäufer wurden von der Rally auf dem falschen Fuß erwischt, was die Börsenkurse weiter vorantrieb.

RENTENMÄRKTE | Eine ausgeprägte Rally gab es am Donnerstag auch am Staatsanleihemarkt. Mit der etwas gesunkenen US-Inflation wurden beiderseits des Atlantiks die Wetten auf weitere Leitzins-Erhöhungen gestutzt. Die Rendite 10j Bunds fiel um 16 Bp, BTPs gingen sogar mit 28 Bp niedrigerer Rendite aus dem Handel. Damit sank der Risikoaufschlag der italienischen Papiere erstmals seit Juli unter die Marke von 200 Bp. Die Kurse der US-Treasuries schnellten mit der Erwartung einer künftig weniger aggressiven Fed ebenfalls in die Höhe. Im Gegenzug fielen auch hier die Renditen markant, bei 10j UST um 28 Bp. Heute ruht in den USA feiertagsbedingt der Anleihehandel. Heute stehen Auktionen italienischer Staatsanleihen im Fokus.

ROHSTOFFMÄRKTE | Deutlich aufwärts geht es auch am Ölmarkt, wobei die Hoffnung auf Lockerungen der chinesischen Null-Covid-Strategie den Nachfrageausblick aufhellt. Nach einem Preisanstieg von 1,1% am Donnerstag notiert die Nordsee-Sorte Brent im frühen Freitagshandel 2,1% im Plus. Der Goldpreis geht seitwärts, nachdem er am Donnerstag fast 3% zugelegt hat. Angesichts der Abwärtskorrektur beim Dollar und der Aussicht auf weniger aggressive US-Zinserhöhungen steuert der Markt auf den stärksten Wochengewinn seit März zu.

TERMINE AM FREITAG

  • Quartalszahlen Europa: Daimler Truck, Fraport, Cewe Stiftung, Stabilus, Salzgitter, Aumann, Richemont, Jungheinrich, MBB, EnBW,

  • 08:00 Verbraucherpreise Deutschland Oktober (endgültig)

  • EZB-Direktor Panetta spricht um 13:00 Uhr, EZB-Chefvolkswirt Lane nimmt um 17:00 Uhr an einem Panel teil und Bundesbankpräsident Nagel spricht bei einer Bankenveranstaltung um 18:30 Uhr

  • 16:00 Index US-Verbraucherstimmung Uni Michigan (1. Umfrage) November

  • Treffen der Finanz- und Wirtschaftsminister der EU in Brüssel zu Budgetfragen

  • Börsenfeiertag am US-Anleihemarkt

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