USA demonstrieren Stärke mit Kampfbombern vor Nordkoreas Küste

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US-Bomber und Kampfjets vor Nordkoreas Küste

Die USA und Nordkorea haben ihre gegenseitigen Drohgebärden fortgesetzt. Zur Demonstration ihrer militärischen Stärke ließ Washington am Samstag Kampfbomber entlang der Küste Nordkoreas fliegen. Pjöngjang drohte seinerseits mit einem Angriff auf das "gesamte US-Festland". In der nordkoreanischen Hauptstadt versammelten sich zehntausende Menschen zu einer Großkundgebung gegen die US-Regierung. Der russische Außenminister Sergej Lawrow rechnet nicht mit einem US-Angriff auf Nordkorea.

Eine Staffel von B-1B-Bombern und F-15-C Eagle-Kampfjets flog am Samstag vor der nordkoreanischen Ostküste über internationale Gewässer. Dies sei eine "Demonstration der Entschlossenheit der USA und eine klare Botschaft, dass der Präsident viele militärische Optionen hat, jegliche Bedrohung zurückzuschlagen", sagte die Pentagon-Sprecherin Dana White. Noch nie im 21. Jahrhundert seien US-Kampfflugzeuge vor der nordkoreanischen Küste derart weit nach Norden vorgedrungen.

In Pjöngjang nahmen zehntausende Arbeiter, Soldaten und Studenten an einer Großkundgebung gegen US-Präsident Donald Trump teil. Ein riesiges Transparent zeigte unter dem Slogan "Koreas Antwort" rote Raketen, die über einem einstürzenden US-Kapitol niedergehen.

In einer Rede vor der UN-Vollversammlung nannte der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho Trump einen "geistig verwirrten" und "größenwahnsinnigen" Mann, der derzeit die "größte Bedrohung für den Frieden weltweit" darstelle. Trumps Drohung mit der "vollständigen Vernichtung" Nordkoreas mache einen "Besuch unserer Raketen auf dem gesamten Festland der USA umso unvermeidlicher", sagte Ri. Trump lasse Nordkorea keine andere Wahl, als mit dem "nuklearen Hammer der Gerechtigkeit" zu reagieren.

Trump antwortete am späten Samstagabend auf Twitter mit Drohungen. Er habe gerade Ri vor der UNO gehört, und "falls er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiedergibt - sie werden beide nicht mehr lange da sein!" Als "kleinen Raketenmann" bezeichnet Trump den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un.

Außenminister Lawrow sagte dem russischen Fernsehsender NTW, die USA würden Nordkorea nicht angreifen, weil sie das Land "nicht verdächtigen" würden, Atomwaffen zu besitzen, sondern weil sie das "sicher" wüssten. Lawrow fügte hinzu: "Ich verteidige nicht Nordkorea, ich sage lediglich, dass fast jeder mit einer derartigen Analyse übereinstimmt." Die Krise kann Lawrow zufolge nur mit diplomatischen Mitteln beigelegt werden.

Sollten die USA keine Verhandlungsstrategie verfolgen, drohe ein "sehr wenig vorhersehbarer Sturzflug". Leiden würden "zehn-, wenn nicht hunderttausende unschuldige Bürger" in Süd- und Nordkorea sowie in Japan. Lawrow ergänzte, dass sich Russland und China in der Nähe befänden. Zuvor hatte sich der Kreml "tief besorgt" über die Eskalation der Spannungen geäußert.

Besorgnis löste am Samstag ein Erdbeben der Stärke 3,5 im Bereich des nordkoreanischen Atomtestgeländes aus. Chinesische Experten stuften es zunächst als "mutmaßliche Explosion" ein. Andere Experten erklärten nach eingehender Prüfung, der Erdstoß sei vermutlich eine Spätfolge des Atomwaffentests von Anfang des Monats. Später erklärten auch die chinesischen Erdbebenforscher, das Beben sei natürlichen Ursprungs gewesen.

Nordkorea hatte am 3. September seinen bislang stärksten Atomwaffentest vorgenommen. Das Ausland war damals durch ein Erdbeben der Stärke 6,3 darauf aufmerksam geworden. Pjöngjang meldete später die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe, die sich auch als Raketensprengkopf nutzen lasse.

Als Reaktion auf den Atomwaffentest verhängte der UN-Sicherheitsrat vor knapp zwei Wochen weitere Strafmaßnahmen gegen Nordkorea. Die US-Regierung will unbedingt verhindern, dass Pjöngjang seine Waffentechnik so weit entwickelt, dass es Atomraketen auf das US-Festland abfeuern kann. Nordkorea wiederum argumentiert, es brauche Atomwaffen, um sich vor Bedrohungen durch die USA zu schützen.