Chinesen wollen im Hamburger Hafen landen

Hamburgs Hafenbehörde überrascht mit einem Plan, der für Sprengstoff sorgt: Ein fünfter Containerterminal soll her – und das, obwohl der Umschlag stagniert. Als Investor bewirbt sich ein Konsortium aus China.


Sein verzweigtes Kontaktnetz soll Rüdiger Grube künftig für die US-Investmentbank Lazard einsetzen. Ab August wird er dort Chairman. Beim börsennotierten Hamburger Hafenbetreiber HHLA hingegen, wo er seit Juni den Aufsichtsrat leitet, blieben die Lobbyerfolge des ehemaligen Bahn-Chefs bislang übersichtlich.

Zwar siedelte der 65-Jährige von Stuttgart zurück in seine Geburtsstadt. Grubes Prominenz aber reichte in den vergangenen Wochen nicht aus, eine fragwürdige Juryentscheidung der städtischen Hafenbehörde HPA zu verhindern. Der HHLA könnten die Folgen nun schlecht bekommen.

Zum Entsetzen des Hafenbetreibers stellte die HPA nun den Sieger ihres Ideenwettbewerbs vor, mit dem man ein Filetstück an der Elbe, den Oderhafen im Abschnitt „Steinwerder Süd“, wirtschaftlich entwickeln will: Gebaut werden soll dort ein fünfter Containerterminal, an dessen 1100 Meter langem Kai drei Frachter gleichzeitig festmachen können.


Eingereicht hat den Projektvorschlag ein chinesisches Unternehmen. Die „China Communications Construction Company Ltd.“ will das 42 Hektar große Gelände gemeinsam mit ZPMC, dem Weltmarktführer für Containerbrücken aus Schanghai, mit einer vollautomatischen Anlage ausrüsten.

Bei den Firmen im Hafen sorgt der Plan für Zorn und Unverständnis. „Der Hamburger Hafen braucht kein weiteres Containerterminal“, kritisiert Gunther Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg (UVHH). Mit den bestehenden Terminalkapazitäten sei der prognostizierte Containerumschlag bis 2025 und darüber hinaus zu bewältigen.

Damit dürfte er recht behalten. Der Umschlag mit Stahlboxen wächst in der Hansestadt seit langem nicht mehr. Verzögert sich die geplante Elbvertiefung um weitere Jahre, könnte er sogar schrumpfen. Die immer größer werdenden Frachter erreichen die bislang vier Terminals – drei gehören der HHLA, ein weiterer Eurogate – nur noch mit Mühe. „Ein weiterer Containerterminal würde lediglich zu einer Umverteilung bestehender Geschäfte führen“, erwartet ein Sprecher der HHLA, „und in der Folge Arbeitsplätze gefährden.“


Das Pikante an der Entscheidung: Nicht nur die Hafenbehörde untersteht der Hansestadt, auch die HHLA gehört ihr zu zwei Dritteln. Der Senat um den Ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) schadet sich damit selbst. Dem Sieg der Chinesen im Ideenwettbewerb folge nicht zwangsläufig, dass die Vorschläge eins zu eins umgesetzt würden, bekundete ein HPA-Sprecher auf Anfrage. Ihm müsse noch eine offizielle Ausschreibung der Wirtschaftsbehörde folgen.


Chinas dritter Anlauf

Solchen Beschwichtigungen aber schenken die Hafenunternehmen wenig Glauben. Zum einen war die Behörde für Wirtschaft mit ihrem Amtsleiter in der Jury vertreten. Zum anderen vergab das Gremium Siegprämien in Höhe von 150.000 Euro. „Das Steuergeld wäre sinnlos verpulvert, würde der Juryentscheid nicht berücksichtigt“, heißt es bei einer Hafenfirma.


Wie in der Begründung der Jury wörtlich nachzulesen ist, waren es „vor allem die Finanzierungsansätze“, die den Chinesen den Zuschlag brachten. Mit dem verabschiedeten Hafenentwicklungsplan, der „die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen“ fordert, habe dies nichts zu tun, moniert deshalb der UVHH.

Eher schon mit der finanziellen Situation der Hafenbehörde HPA. Sie hatte dem Terminalbetreiber Buss, der bis Ende 2016 auf Steinwerder Süd eine Verladestation für Schwergut betrieb, für die vorzeitige Räumung des verpachteten Geländes eine hohe Summe gezahlt. Unterlagen der HPA legen nahe, dass es mehr als 100 Millionen Euro waren, die bereits 2009 flossen.

Das mitten im Hafen gelegene Steinwerder haben Chinesen ohnehin seit langem im Blick. 2010 sprachen Manager der Container-Reederei Cosco in Hamburg vor, um sich dort an einem gemeinsamen Terminal zu beteiligen. Später bot der Hafen Schanghai einen finanziellen Einstieg an. Im dritten Anlauf könnte das Reich der Mitte nun zum Zuge kommen.