Chinas Tesla-Jäger geht das Geld aus


Der chinesische Tech-Milliardär Jia Yueting war im Westen bislang weitgehend unbekannt. Das sollte sich Anfang des Jahres ändern: Auf der Computermesse CES in Las Vegas rief der Chef des Elektroauto-Marke Faraday Future in gebrochenem Englisch eine „neue Ära der Mobilität“ aus. Auf großer Bühne enthüllte er ein Auto der Superlative: den Faraday FF91.

Der Elektro-SUV soll aus von null auf 100 in 2,39 Sekunden beschleunigen, 1065 PS leisten und bei Tempo 100 eine Reichweite von 700 Kilometern haben. Kurz: Der Wagen schlägt Teslas Spitzenmodelle in allen Bereichen um Längen. „Der FF91 vereint das Beste aus Sportwagen, SUV und Van“, sagte Jia damals.

Doch statt an der Serienversion des FF91 arbeiten zu können, muss sich Faraday mit Geldproblemen herumschlagen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Demnach hat Jia, der sich einst damit brüstete, Tesla überflügeln zu können, Schwierigkeiten bei Investoren 500 Millionen Dollar einzusammeln. Scheitert die Finanzierungsrunde, wird eine zu zwölf Prozent verzinste Wandelanleihe mit einem Volumen von 400 Millionen Dollar sofort fällig.


Hinzu kommt: Faraday schiebt einen Berg unbezahlter Rechnungen mit einem Volumen von weiteren 100 Millionen Dollar vor sich her. Yuetings Konzern wollte sich auf Bloomberg-Anfrage nicht zu den Finanzproblemen äußern. Doch es scheint: Die Zukunft von Faraday Future ist ernsthaft gefährdet.

Jia hat sein Vermögen mit einer Video-Streaming-Plattform gemacht, einem chinesischem Netflix-Klon. Sein „LeEco“-Imperium umfasst außerdem einen Elektronik-Konzern, der Smartphones und Fernseher produziert. Doch die Führung seiner Video-Streaming-Plattform hat Jia inzwischen aufgegeben, um sich ganz auf sein neuestes Projekt konzentrieren zu können: Faraday Future.


BMW-Manager türmen


Erste Aufmerksamkeit hatte Faraday vor zwei Jahren erregt, als die Automarke, ebenfalls auf der CES in Las Vegas, den Prototyp eines 1000-PS-starken Supersportwagens vorgestellt hatte. Zudem hatte er damals angekündigt, für eine Milliarde Dollar eine Fabrik in der Wüste Nevadas aufzubauen und 4500 Jobs zu schaffen.

Für Aufsehen in der Branche sorgten auch zwei Personalien: Jia verpflichtete zwei prominente Ex-BMW-Manager. Stefan Krause heuerte als Finanzchef bei Faraday an, Ulrich Kranz, der bei BMW die Entwicklung des Elektromodells i3 verantwortete, wurde Technik-Chef.

Doch die Tiefschläge ließen nicht lange auf sich warten: Den Aufbau einer Produktion in den USA musste Faraday schon nach kurzer Zeit stoppen – aus Geldmangel. Mittlerweile arbeitet der Autobauer nur noch mithilfe eines 30-Millionen schweren Brückenkredits weiter.


Das Unternehmen schuldet seinen Mitarbeiten zudem noch Boni und zugesagte Gehaltserhöhungen. Finanzchef Krause bereitete schon einen Insolvenz-Antrag vor – bis er das Unternehmen verließ, zusammen mit Faraday-Technik-Chef Kranz.

Offiziell heißt es, die Verträge mit den beiden deutschen Top-Managern seien im November beendet worden. Gegenüber Bloomberg sagten beide, sie hätten das Unternehmen im Oktober verlassen. Faraday-Insider berichten, dass Jia mit allen Mitteln versucht habe, die Kontrolle über sein Unternehmen zu behalten. Deshalb seien auch die Insolvenz-Anträge gestoppt worden. Vom Angriff auf Tesla spricht dagegen niemand mehr.