US-Sanktionen bringen Smartphone-Riesen ZTE in Existenznot


Der chinesische Smartphonebauer ZTE ist aufgrund von US-Sanktionen in eine schwere Krise gestürzt. Wie das Unternehmen am späten Mittwochabend an der Hongkonger Börse mitteilte, sind in Folge der Strafe des US-Handelsministeriums „wichtige Geschäftsaktivitäten“ eingestellt worden. Die drei Hauptberichte des Kerngeschäfts, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, würden derzeit nicht das notwendige Einkommen erzielen. Im Einzelnen geht es um die Sparten Netzwerkausrüstung, Elektronische Geräte und Fimenkundenanwendungen.

Einer internen E-Mail zufolge, die Bloomberg zitiert, betrachten Spitzenmanager des Unternehmens die kommenden 14 Tage als „kritisches Zeitfenster“ für den Fortbestand des gesamten Unternehmens. Demnach sollen die Führungskräfte ihre Mitarbeiter zur Ruhe anhalten. „Das Unternehmen arbeitet derzeit hart daran, den Engpass schnellstens zu beseitigen“, heißt es demnach in dem Kommuniqué, „lassen wir uns nicht von Falschinformationen und Gerüchten aus der Ruhe bringen.“ Man solle auf den Posten bleiben, die Mannschaft mobilisieren und die „Truppe beruhigen“. Die Entwicklungen nähren Spekulationen um einen baldigen Zusammenbruch ZTEs.

Im April hatte die US-Regierung angekündigt, den chinesischen Netzwerkausrüster und Smartphoneanbieter für sieben Jahre vom Zugang zu amerikanischen Technologien auszuschließen. ZTE, in dessen Smartphones etwa die Chips des US-Unternehmens Qualcomm stecken, kann deshalb nun offenbar Teile seine Produktion nicht mehr aufrechterhalten.


Die Strafe für ZTE geht auf Lieferungen von Telekom-Ausrüstung an Iran und Nordkorea zurück, zu denen das Unternehmen eigentlich vor einem Jahr eine Einigung mit den US-Behörden erreicht hatte. Das US-Handelsministerium machte nun allerdings geltend, dass ZTE bei den damaligen Verhandlungen und danach falsche Angaben gemacht habe. Weiter teilte ZTE am Mittwoch mit, es sei in Gesprächen mit den zuständigen US-Behörden um ein „positives Ergebnis“ bemüht. Der Fall ZTE hatte den Handelsstreit zwischen Washington und Peking weiter verschärft.

In China sind die Probleme um den zweitgrößten Telekommunikationsausrüster längst ein Politikum. Staatspräsident Xi Jinping betont in seinen Reden stets, wie wichtig die technologische Unabhängigkeit Chinas, vor allem in der Chipherstellung, sei. Möglich, dass die Regierung in Peking nun von staatlicher Seite eingreift. Ein Thinktank der Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen (SASAC) hatte in einem inzwischen gelöschten Papier eine Rettung ZTEs mit Staatsmitteln angedeutet.