Chinas Luxus-Pumps stöckeln nach Europa


Lily Lee ist stolz. „Wir verbinden europäisches Schuhhandwerk mit chinesischer Kultur“, sagt die Managerin von Chengdu Aiminer Leather Products, wie das chinesische Unternehmen offiziell heißt. Besser bekannt ist seine Schuhmarke „Sheme“. Die Luxusmarke ist mittlerweile nicht nur in China gefragt. „Wir verkaufen unsere Damenschuhe auch in Italien, Frankreich und England“, sagt Lee. Wer einen der zum Teil handbestickten Schuhe kaufen will, muss im Einzelhandel durchschnittlich rund 500 Euro zahlen.

Das Unternehmen aus Chengdu aus der Provinz Sichuan gehört zu den Schuhherstellern, die es nicht mehr dabei belassen, nur für andere Marken in Europa oder den USA zu fertigen. Sie wollen verstärkt eigene Kreationen unter der eigenen Marke verkaufen. So verändert sich die einstige Werkbank für die europäische Schuhindustrie zu einem selbstbewussten Spieler im Weltmarkt.

Zwar ist der Anteil der eigenen Marke „Sheme“ mit 30 Prozent am Gesamtumsatz von umgerechnet rund 250 Millionen Euro noch gering. „Wir wollen das Geschäft mit unserer Marke aber ausbauen“, sagte Lee dem Handelsblatt und zeigte ihre Kollektion auf der Schuhmesse diese Woche in Düsseldorf. Der Rest des Geschäfts macht Lee mit der Produktion für andere Marken, zu denen auch See by Chloé, die Zweitlinie von Chloé, gehört. Das reicht von der Produktion nach Vorgaben bis zum eigenen Design.


Deutlich größer ist die Kangnai Group. Sie fertigt in zwei großen Werken Herrenschuhe. Die Hälfte der Produkte geht in die eigene Marke, die zum überwiegenden Teil in 2.800 eigenen Läden verkauft wird. Auch in 100 Filialen im Ausland, wie etwa in Paris und Mailand, stehen sie in den Regalen. Die andere Hälfte besteht aus Produktionen für Marken wie Hugo, G-Star oder Calvin Klein, wie Leo Zhu sagt, der für den internationalen Markt zuständig ist.

Er wirbt damit, dass sie viel italienisches Design einsetzen wollen, damit „die Schuhe besser den europäischen Geschmack treffen“. So sehen viele Schuhe auf dem Stand in Düsseldorf derzeit aus wie ganz normale Business-Schuhe für Männer. „Wir wollen künftig leichtere und bequemere Schuhe herstellen“, erzählt Zhu.

Die Kooperation mit italienischen und französischen Designern ist wichtig, um sich auf dem europäischen Markt gegen etablierte Marken durchzusetzen. Die Marke Sheme will künftig ihre Schuhe über Handelspartner in Deutschland verkaufen und in Europa auch einmal eigene Sheme-Boutiquen eröffnen, wie bereits in China. Immerhin gibt es jetzt einen neuen Showroom auf Düsseldorfs Luxusmeile Königsallee – ein Anfang.