Chinas Führung will neuen Elektroautoboom – VW, BMW und Daimler greifen mit 13 Marken an

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Nachdem China das Schlimmste der Gesundheitskrise überstanden hat, geht es jetzt darum, eine anhaltende Wirtschaftskrise abzuwenden. Mit neuen Investitionen in die Mobilitätswende hofft die Staatsführung, die richtigen Impulse zu setzen.

Davon wollen auch die deutschen Autobauer mit ihren Chinatöchtern profitieren. Aber sind sie schon bereit oder verpassen sie mangels Modellen den neuen Boom? Im Folgenden gibt es aktualisierte Informationen für Anleger zu den vielfältigen Aktivitäten von Volkswagen (WKN: 766403), BMW (WKN: 519000) und Daimler (WKN: 710000) im Reich der Mitte – und warum die VW-Aktie am aussichtsreichsten positioniert ist.

Wie China jetzt aufs Strompedal drückt

Der chinesische Markt zeigte bereits 2019 Schwäche, verursacht durch Förderkürzungen und die Verunsicherung durch den Handelskrieg. Mit dem Ausbruch des Coronavirus brach der Markt von Februar bis Anfang März völlig ein.

Im April sah der chinesische Automarkt allerdings wieder eine Erholung. Dazu trug nicht nur das schrittweise Hochfahren der Wirtschaft bei, sondern auch neue Förderprogramme der zentralen und lokalen Regierungen, die vor allem auf emissionsfreie Fahrzeuge abzielen.

Ergänzend fließt ein Milliardenbetrag in den Ausbau der Ladeinfrastruktur, wodurch die Attraktivität von Elektroautos weiter steigen sollte. Außerdem wird erwartet, dass öffentliche Institutionen verstärkt in Elektroflotten investieren.

Trotz des Gegenwinds durch den billigen Ölpreis und die geschwächte Kaufkraft locken daher gute Geschäfte für diejenigen Hersteller, die jetzt passende Elektromodelle liefern können. Tesla (WKN: A1CX3T) und Dutzende einheimische Marken wie XPeng und Weltmeister wollen davon profitieren.

Wie gut die deutschen Konzerne aufgestellt sind

Volkswagen
Auch der Volkswagen-Konzern mischt mit, und zwar mit einem ganzen Strauß an Marken. Mit dem jungen SEAT-Ableger SOL wird in einem Joint Venture mit JAC das günstige Kleinwagensegment bedient. Die ebenfalls neue Submarke Jetta konzentriert sich hingegen wohl zunächst auf preiswerte Benziner.

Allerdings startet nun die neue ID.-Familie, um VWs bereits verfügbare Elektromodelle wie etwa den e-LAVIDA und den e-BORA schrittweise abzulösen. Vor wenigen Tagen lief die Vorproduktion des VW ID. Roomzz an. In der Folge wird auch Skoda Modelle auf Basis des Elektrobaukastens liefern. Audi wiederum deckt schon jetzt mit seinen e-tron-Modellen das Premiumsegment ab und der Porsche Taycan wird auch bereits in China vermarktet.

In einem weiteren Projekt arbeitet VW seit etwa zwei Jahren mit JAC zusammen, um bei leichten Nutzfahrzeugen Marktanteile zu erobern. Der Plan lautete, in China entwickelte Transportermodelle auf internationales Qualitätsniveau zu heben. Versionen mit Elektromotor sind fest eingeplant und könnten noch in diesem Jahr produziert werden.

Daimler
Ähnlich bunt sieht es bei Daimler aus. Dem etwas trägen langjährigen Joint Venture Denza wird aktuell mit der Einführung des SUV-Modells X neues Leben eingehaucht. Die chinesisch gewordene Marke Smart wird hingegen nicht von den aktuellen Förderprogramme profitieren können, da der Produktionsanlauf erst für 2022 erwartet wird.

Besser sieht es bei der Mercedes-Submarke EQ aus. Das auch hierzulande bekannte SUV-Modell EQC positioniert sich in China im Luxussegment und ist bereits erhältlich. In Kooperation mit dem wichtigsten Partner BAIC sollen zukünftig auch in China entwickelte Modelle entstehen. Das kann allerdings noch etwas dauern. Von elektrischen China-Sprintern war bisher auch noch nichts zu hören.

BMW
Am gemütlichsten geht es BMW an. Den elektrischen Mini Cooper gibt es dort noch nicht. Erst wenn der neue Produktionsstandort von Partner Great Wall in zwei Jahren fertig ist, wird der freche Kleinwagen in China vom Band rollen.

Etwas früher könnte die Submarke BMW i bereit sein, die gerade mit Brillance die Fertigung des elektrifizierten SUV-Modells ix3 vorbereitet. Anfang 2021 könnten die ersten Exemplare ausgeliefert werden und weitere Modelle sind in der Entwicklungspipeline, um die für 2022 erwarteten neuen Produktionskapazitäten auszulasten. Ob die Subventionen dann noch genauso fließen wie jetzt, ist dabei nicht sicher.

Daneben gibt es noch die weitere Marke ZINORO, die sich auf elektrifizierte Modelle fokussiert, aber bisher noch nicht groß in Erscheinung getreten ist. BMW selbst hält mit dem 530Le die Fahne hoch, einem seit fünf Jahren exklusiv in China gefertigten Plug-in-Hybrid.

Eine Chance für VW

Daimler und BMW werden noch zwei Jahre brauchen, um bei reinen Elektrofahrzeugen ernsthaft in den chinesischen Wettbewerb eingreifen zu können. Wie 2022 die Marktbedingungen aussehen werden, ist noch nicht abzusehen.

Der Volkswagen-Konzern hingegen, der bereits 2019 Marktanteile in China gewinnen konnte, scheint bereit, um jetzt aggressiv im Elektrosegment anzugreifen. China ist die zweite Heimat der Wolfsburger und wohl kein Rivale kann kurzfristig eine solch breite Produktpalette vom Kleinwagen bis zum Transporter auf die Straße bringen und dabei Preissegmente von günstig bis luxuriös abdecken.

Die gute Ausgangslage darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Dutzend chinesische und diverse internationale Marken ebenfalls ein großes Stück vom Kuchen abhaben wollen. Insgesamt sehe ich jedoch dank der Größenvorteile, der überragenden Finanzkraft und der aggressiven Strategie gute Chancen für Volkswagen, ganz vorne mitzuspielen und damit besonders stark von der staatlichen Förderung zu profitieren.

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Ralf Anders besitzt Wertpapiere auf sinkende Tesla-Kurse. The Motley Fool empfiehlt BMW.

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