Chinas Behörden wollen sich nicht mit Zählen von Corona-Toten aufhalten

Angesichts von Zweifeln an den offiziellen Zahlen der Corona-Toten in China haben die dortigen Behörden erklärt, dass sie sich im gegenwärtigen Kampf gegen die Pandemie nicht mit derartigen Fragen aufhalten wollen. "Zur Zeit halte ich es nicht für nötig, in jedem Einzelfall die Ursache (des Todes) zu untersuchen", sagte am Mittwoch der Leiter der von der Nationalen Gesundheitskommission eingesetzten Corona-Expertengruppe, Liang Wannian, in Peking.

"Die Hauptaufgabe in der Pandemie ist es, die Patienten zu heilen", hob Liang hervor. Der Chef der Abteilung für Infektionskrankheiten des Krankenhauses Nummer eins in Peking, Wang Guiqiang, sagte bei der Pressekonferenz, die Zahl der Corona-Toten könne nachträglich anhand der Übersterblichkeit festgestellt werden.

In den vergangenen Wochen hat sich das Coronavirus in China explosionsartig ausgebreitet, die Krankenhäuser sind vielerorts mit Covid-19-Patienten überfüllt. Nach offiziellen Angaben starben in dem 1,4-Milliarden-Einwohner-Land seitdem aber nur 37 Menschen an der Krankheit.

Vergangenen Monat hatten die chinesischen Behörden ihre Zählweise für Corona-Tote geändert. Nur Corona-Infizierte, die direkt wegen Versagens der Atmung gestorben sind, werden noch als Corona-Tote gezählt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisierte vergangene Woche die Änderung der Kategorisierung in China. Außerdem forderte die WHO wiederholt eine schnellere und umfassendere Übermittlung von Corona-Daten aus China.

Epidemiologe Liang drang am Mittwoch mit Blick auf die Kritik auf eine weltweit gültige Definition von Corona-Todesfällen. "Wenn diese nicht erreicht werden kann, nimmt jedes Land eben seine eigene Klassifikation passend zu seiner Situation vor", sagte der Leiter der Corona-Expertengruppe.

yb/ck