China zensiert “Bohemian Rhapsody” – keine Szenen über Homosexualität und Aids

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino
Der Kinohit “Bohemian Rhapsody” läuft in chinesischen Kinos nur in einer zensierten Version. (Bild: ddp images/Capital Pictures)

Ein neuer Fall von extremer Zensur in China sorgt für Empörung. Am vergangenen Wochenende ist der mehrfach prämierte Kinohit “Bohemian Rhapsody” auch in China angelaufen, doch die Ernüchterung ist groß. Aus dem Biopic wurden sämtliche Referenzen zur sexuellen Orientierung der Hauptfigur Freddie Mercury rausgeschnitten, auch seine Aids-Erkrankung soll nicht thematisiert werden.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität war der Schlüssel zur Identitätsfindung von Queen-Legende Freddie Mercury, bevor seine einmalige Karriere und sein turbulentes Leben aufgrund einer Aids-Erkrankung ein viel zu frühes Ende nahmen. Genau diese Aspekte sind – neben der ikonischen Musik – auch Dreh- und Angelpunkt des Films “Bohemian Rhapsody”. Den Kinobesuchern in China allerdings bleibt genau dieser inhaltlich essenzielle Teil des Film verwehrt. Die staatliche Medienkontrolle hat einmal mehr zugeschlagen. Einige Passagen wurden stummgeschaltet, gut drei Minuten wurden komplett rausgeschnitten, wie die Nachrichtenagentur “Associated Press” berichtet.

Dialoge ohne Sinn und Zusammenhang

Logik- und Anschlussfehler sind die natürliche Folge der radikalen Zensur. So bestätigte auch ein weiterer Kinobesucher gegenüber “AP”, dass die Dialoge durch das Stummschalten oder das komplette Herausschneiden von Passagen teilweise zusammenhanglos wirkten. Trotz der drastischen Einflussnahme der Medienüberwachungsbehörde würde man als Zuschauer aber dennoch merken, dass der Hauptcharakter homosexuell war.

Die Homosexualtität von Freddie Mercury ist ein Tabuthema in China – und fiel im Film der Zensur zum Opfer. (Bild: ddp images/Capital Pictures)

Diese Szenen in “Bohemian Rhapsody” wurden zensiert

Die Szenen, in denen sich Freddie Mercury vor seiner Verlobten und seiner Band outet, fehlen komplett. Auch der Dreh für das ikonische Musikvideo “I Want To Break Free”, in dem die Band in Frauenkleidern performt, war der Medienbehörde ein Dorn im Auge und wurde rausgeschnitten. Der emotionale Moment, als der Sänger den anderen Queen-Mitgliedern seine Aids-Erkrankung beichtet, soll in der chinesischen Version ohne Untertitel stumm geschaltet worden sein.

Wenn Homosexualität nicht thematisiert werden darf, gestaltet sich natürlich auch die Darstellung von Mercurys Liebschaften schwierig. So wurde auch die Einführungsszene von Mercurys späterem Partner Jim Hutton, gespielt von Aaron McCusker, gestrichen.

Kritik von LGBT-Aktivisten

Peng Yanzi, Mitbegründer einer chinesischen LGBT-Menschenrechtsvertretung, hat sowohl die Originalversion des Films als auch die zensierte, chinesische Kinofassung gesehen und erklärte gegenüber “AP”: “Die Schnittszenen beeinflussen den Film enorm. Der Film erzählt, wie Mercury er selbst wurde, seine Sexualität ist ein wichtiger Teil davon, dass er der wurde, der er war.” Auch Redakteur und LGBT-Aktivist Hua Zile sagte gegenüber “AP”: “Es ist schade. Diese Art der Zensur schwächt seine homosexuelle Identität. Es ist ein wenig respektlos im Hinblick auf seine tatsächlichen Erfahrungen und macht den Charakter oberflächlich. Es gibt kein Wachstum und zeigt nicht sein inneres Wesen.”

Rami Maleks Oscar-Rede wurde in China ebenfalls zensiert. (Kevin Winter/Getty Images)

Dass der Film überhaupt im “Land der Mitte” angelaufen ist, überrascht.
Schon als Hauptdarsteller Rami Malek den Oscar als “Bester Hauptdarsteller” für seine Leistung in “Bohemian Rhapsody” gewann, wurde seine Dankesrede im TV zensiert. Statt des Untertitels “homosexueller Mann” wurde die Bezeichnung “Sondergruppe” eingeblendet.

Zwar ist Homosexualität in China nicht illegal, seit sieben Jahren gilt allerdings ein Gesetz, das besagt, dass die “sozialistischen Grundwerte” in Medieninhalten nicht verletzt werden dürfen. Das bedeutet, jede Art von homosexuellen Darstellungen in der Kunst ist tabu. Dass das Biopic trotz dieser strengen Regelung nun in China gezeigt wird, ist laut Kinoexperten wohl dem enormen, weltweiten Erfolg des Films geschuldet.