Die China-Show


Die Weltwirtschaft blickt zur ostchinesischen Küstenstadt Xiamen. So beschreiben es zumindest die chinesischen Organisatoren des Gipfeltreffens. Mehr als 1000 Wirtschaftsführer pilgern für drei Tage in die chinesische Hafenmetropole. Der Grund: Die Staats- und Regierungschefs Brasiliens, Russlands, Indiens, Chinas und Südafrikas wollen unter Führung von Pekings Staatsführer Xi Jinping ihren Zusammenhalt beschwören.

Das erste Treffen der Brics-Länder unter Xis Leitung in seinem Heimatland startet mit einem Wirtschaftsforum. 630 Firmen hoffen auf gute Geschäfte, davon 80 der Fortune 500. Eigentlich sollte der Zusammenschluss den wirtschaftlichen Austausch zwischen allen Mitgliedsländern fördern. Doch bis heute ist China das wichtigste Bindeglied, das die Staaten zusammenführt. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres stieg das Handelsvolumen zwischen der Volksrepublik und den anderen Brics-Ländern im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 167 Milliarden Dollar.

Auf dem Papier bauen die Brics-Staaten ihre Macht kontinuierlich aus. Seit der globalen Finanzkrise 2009 konnten sie ihren Anteil der globalen Wirtschaftsleistung von 16 Prozent auf 23 Prozent in diesem Jahr ausbauen. Die fünf Länder waren für 45 Prozent des globalen Wirtschaftswachstums in der Zeit verantwortlich. „Die Brics-Gruppe wird immer stärker von China bestimmt“, schreiben jedoch Analysten der US-Strategieberatung Stratfor.


Das offenbart auch ein genauerer Blick. China alleine ist der mit Abstand größte Motor der Weltwirtschaft. Denn die Volksrepublik war alleine für 40 Prozent des globalen Wachstums verantwortlich. „Die zweitgrößte Volkswirtschaft China ist war der verlässliche Treiber für die globale Wirtschaft seit der Finanzkrise 2008/2009“, sagt Rajiv Biswas, Chefökonom für Asia und Pazifik bei IHS Markit.

Die aufstrebenden Schwellenländer wollten zur Gründung des Zusammenschlusses 2009 ein Gegengewicht zur von den USA dominierten globalen Wirtschaftsordnung bilden. Was sie verband, waren zudem die guten Wachstumsaussichten. Schließlich hatte ein Analyst von Goldman Sachs den Begriff Brics 2001 geprägt, um die guten Investitionschancen in die Länder zusammenzufassen.

Doch die Zeit des Turbowachstums ist für die meisten Brics-Staaten vorbei. Brasilien und Südafrika kämpfen mit einem langsamen Wachstum. Brasiliens Präsident Michel Temer war schon Tage vor dem Gipfel in die Volksrepublik gereist. Im Gepäck: Privatisierungspläne und weitere Erleichterungen für chinesische Investoren in seinem Land.

Indien hatte mit einem Rückzug seiner Truppen in einem Grenzstreit mit China erst vor wenigen Tagen den Weg für die reibungslose Teilnahme am Gipfeltreffen in China frei gemacht. Durch den seit Jahrzehnten heftigsten Grenzstreit um das Doklam-Plateau im Himalaya hätte sich das Verhältnis zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt weiter verschlechtern könnten.


Für Russlands Präsident Wladimir Putin ist das Brics-Treffen eine weitere Chance, die enge Zusammenarbeit mit seinem Amtskollegen Xi weiter zu vertiefen. Schon heute arbeiten ihre Länder eng bei Verteidigungsfragen zusammen. Russland ist dabei die nötige Infrastruktur auszubauen, um seine Energielieferungen stärker von Europa nach Asien umzuleiten. Zudem wird ein Abkommen zwischen Peking und Moskau vorbereitet, dass eine enge Kooperation in der Weltraumforschung besiegeln soll.

Diesen Schulterschluss könnten beide Staatschefs am Montag bekräftigen. Für den zweiten Gipfeltag sind die wichtigsten Beratungen angesetzt. Der Gipfel endet am Dienstag nach einem Treffen mit den ebenfalls eingeladenen Führern Ägyptens, Mexikos, Thailands, Tadschikistans und Guineas im Rahmen des „Brics-Plus“-Prozesses.

Das erweiterte Forum soll Präsident Xi die Plattform bieten, um seinem Plan einer neuen Seidenstraße zu bekräftigen, mit der er China stärker mit der globalen Wirtschaft verbinden möchte. „China möchte Brics mit seinen globalen Strategien verweben”, schreiben die Stratfor-Analysten. Die Frage ist nur, ob die anderen Brics-Staatschef dabei mitspielen wollen. Insbesondere Indien sieht China globale Ambitionen kritisch.