Briten attestieren der May-Regierung ein schlechtes Verhandlungsgeschick


China hat nach britischen Angaben ein Freihandelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit ins Gespräch gebracht. Außenminister Jeremy Hunt sagte am Montag nach einem Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi, dieser habe „die Aufnahme von Diskussionen“ darüber angeboten.

Großbritannien begrüße dies. Wang selbst sprach zwar nicht von einem Freihandelsabkommen. Er erklärte jedoch, man habe vereinbart, „den Umfang des Handels und der gegenseitigen Investitionen auszuweiten“.

Ein Freihandelsabkommen mit China wäre ein Erfolg für Premierministerin Theresa May, deren Strategie beim Brexit von den Briten zunehmend kritisch gesehen wird.

Einer am Montag veröffentlichten Umfrage von Sky News zufolge sind 78 Prozent der Meinung, dass die May-Regierung den Brexit schlecht verhandelt. Das sind 23 Punkte mehr als bei einer Umfrage im März.

Zudem will die Hälfte der Befragten eine Volksabstimmung darüber, ob das Land mit oder ohne Abkommen aus der EU austreten oder doch in ihr verbleiben sollte. 48 Prozent der Briten plädieren demnach für einen Verbleib in der EU, 27 Prozent wollen ohne ein Abkommen austreten.

13 Prozent unterstützten den von May vorgeschlagenen Vertrag. Dieser stößt allerdings bei der EU-Kommission und im Europaparlament auf Widerspruch. Daher bereiten sich beide Seiten auch auf einen ungeregelten Austritt Großbritanniens vor.


Mehrere britische Minister nutzen die Sommerpause, um auf dem europäischen Festland um Unterstützung zu werben. Hunt und Schatzkanzler Philip Hammond fahren getrennt voneinander zu Gesprächen nach Frankreich. Auch andere Minister haben Reisen angekündigt.

Die Premierministerin hat ihren Urlaub in Italien angetreten. Zuvor traf sie sich am Wochenende aber noch in Österreich mit dem österreichischen Kanzler Sebastian Kurz, den Ministerpräsidenten von Tschechien und Estland sowie dem portugiesischen Präsidenten.

Bei einem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs im September ist der Brexit neben der Migration das Hauptthema. May will einen „harten“ Brexit ohne ein Abkommen unbedingt verhindern. Die Frage von Sky News nach der Zufriedenheit der Befragten mit Mays Performance als Regierungschefin beantworteten 24 Prozent positiv. 74 Prozent seien unzufrieden mit ihrer Arbeit.

In einer am vergangenen Freitag veröffentlichten Umfrage hatte sich eine Mehrheit für ein Referendum über die endgültige Brexit-Vereinbarung zwischen Großbritannien und der EU ausgesprochen.


Acht Monate vor dem EU-Austritt am 29. März 2019 sind die Briten tief darüber gespalten, wie der Brexit vollzogen werden soll. Bei der Brexit-Volksabstimmung im Juni 2016 hatten 51,9 Prozent der Wähler für, 48,1 Prozent gegen den Austritt gestimmt. May lehnt bislang eine weitere Volksbefragung ab.

Eine verstärkte, offenere Ausrichtung des Handels in Richtung China lenkt den Blick weg von dem für alle Seiten unbefriedigenden Stand des EU-Austritts. Die Regierung in London sprach sich bereits in der Vergangenheit für eine Freihandelsvereinbarung mit China aus – und signalisierte chinesischen Firmen, dass deren Geschäfte auf der Insel willkommen sind.

Meist sind allerdings jahrelange Verhandlungen notwendig, bevor ein Freihandelsabkommen in Kraft tritt. Ohnehin könnten in diesem Fall die Gespräche erst aufgenommen werden, nachdem Großbritannien im kommenden Jahr ausgetreten ist. Wenn es denn so kommt.