China lockert strenge Zwei-Kind-Politik und erlaubt Paaren drei Kinder

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Kinder in Peking

Angesichts des starken Geburtenrückgangs hat Peking seine strenge Zwei-Kind-Politik gelockert und erlaubt Paaren künftig, drei Kinder zu bekommen. Die Maßnahme werde helfen, um "aktiv auf die alternde Bevölkerung zu reagieren", gab die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag bekannt, nachdem das Politbüro der Kommunistischen Partei getagt hatte. Die neue Ausrichtung der Familienpolitik ist eine weitere Abkehr von der jahrzehntelang verfolgten Geburtenkontrolle, die mit der umstrittenen Ein-Kind-Politik ab den 1970er Jahren ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum verhindern sollte.

Die Entscheidung, verheirateten Paaren bis zu drei Kinder zu erlauben, erfolgt nach einer Volkszählung Ende vergangenen Jahres, die einen starken Rückgang der Geburtenrate im bevölkerungsreichsten Land der Erde ergab. Demnach wuchs die Bevölkerung so langsam wie seit den 1960er Jahren nicht mehr und umfasst nun 1,41 Milliarden Menschen. China erhebt alle zehn Jahre Daten zu seiner Bevölkerung.

China hatte erst im Jahr 2016 nach fast 40 Jahren seine strikte Ein-Kind-Politik gelockert. Familien war es seitdem erlaubt, zwei Kinder zu bekommen. Doch der erhoffte Babyboom blieb aus. Die jährlichen Geburtenzahlen sanken auf ein Rekordtief von zwölf Millionen im Jahr 2020, wie das Nationale Statistikbüro vergangenen Monat bekannt gab. Eine Frau bekommt demnach in China durchschnittlich 1,3 Kinder - zu wenig, um das demografische Gleichgewicht in dem Land stabil zu halten.

Die niedrige Geburtenrate steigert die Angst der Kommunistischen Partei vor zu wenig jungen Arbeitern, die das wirtschaftliche Wachstum des Landes vorantreiben. Präsident Xi Jinping sieht den Wohlstand der Volksrepublik bedroht - und damit sein Erbe. Allein bis 2050 erhöhen hunderte Millionen ältere Chinesen den Druck auf das Rente- und Gesundheitssystem, schätzen Experten.

Doch es könnte zu spät sein, um den Abwärtstrend umzukehren, befürchten einige Experten. Wie in vielen wohlhabenden Ländern steigen die Lebenshaltungskosten, gut ausgebildete junge Frauen zögern die Familienplanung hinaus oder wollen keine Kinder. Hinzu kommt in China eine geringer werdende Bereitschaft zum Heiraten, die in Verbindung zu den niedrigen Geburtenraten steht.

"Die meisten Familien bevorzugen jetzt wenige Kinder - ähnlich wie im Rest Nordostasiens", sagte Lauren Johnston, Forscherin für Wirtschaft und Demografie Chinas an der SOAS-Universität von London. Sie bezweifelt, dass es bei der nächsten Volkszählung viele Familien mit einem dritten Kind geben wird.

mkü/cp

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