China kündigt Strafzölle auf 106 US-Produkte an

Nächster Schlag im Handelsstreit zwischen China und den USA: Peking kündigt neue Zölle auf US-Produkte im Gesamtvolumen von 50 Milliarden Dollar an. Auch Autos sind betroffen.

Im Handelsstreit mit den USA schlägt China mit gleicher Münze zurück. Das Finanzministerium in Peking kündigte am Mittwoch neue Zölle auf 106 US-Produkte im Gesamtvolumen von 50 Milliarden Dollar (40 Milliarden Euro) an. So sollen zusätzliche 25 Prozent etwa auf Sojabohnen, Autos, Rindfleisch und chemische Produkte erhoben werden. Auch Whisky, Zigarren, Mais und Orangensaft sowie einige Flugzeugtypen sind demnach betroffen.

Wann genau die neuen Zölle in Kraft treten, soll zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden, hieß es im staatlichen Fernsehen. Der finanzielle Rahmen ist genauso hoch wie bei den neuen US-Zollplänen.

Die USA hatten am Dienstag Abgaben von 25 Prozent auf 1300 chinesische Importgüter im Gesamtwert von 50 Milliarden Dollar angekündigt. Die Liste, die das Büro des Handelsbeauftragten vorlegte, reicht von Chemiegütern bis hin zu Fernsehern, Fahrzeugen und Elektronik-Komponenten. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer begründete das scharfe Vorgehen mit chinesischen Verstößen gegen Urheberrechte und dem Zwang für US-Unternehmen in China, Technologie an heimische Firmen weiterzugeben.


Die USA werfen China Dumpingpreise und andere unfaire Handelspraktiken sowie Diebstahl geistigen Eigentums vor. China weist dies zurück. Das chinesische Handelsministerium kritisierte den Schritt der USA als Verstoß gegen internationale Handelsregeln und gab an, mit seiner Reaktion die „legitimen Rechte und Interessen“ Chinas zu schützen. Die neuen Strafzölle weckten Sorgen über die weltweiten Auswirkungen einer Eskalation des Handelsstreits zwischen den beiden größten Volkswirtschaften. Einige Beobachter fürchten, dass sich eine Spirale aus immer neuen wechselseitigen Strafmaßnahmen ergeben könnte.

Auch die Märkte werden durch den Handelsstreit belastet. Dax und EuroStoxx50 verloren am Mittwoch jeweils etwa ein Prozent auf 11.873 beziehungsweise 3318 Punkte. "In einer ohnehin labilen Börsenlage ist ein Handelskrieg zwischen den Lokomotiven der Weltwirtschaft das letzte, was die Anleger wollen", erläuterte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes rutschten um bis zu 1,8 Prozent ab und signalisierten damit Eröffnungsverluste an der Wall Street. Der Dollar geriet ebenfalls unter Druck. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro auf 1,2298 Dollar.

"Es ist weiter die Frage offen, ob US-Präsident Donald Trump wirklich bereit ist, eine Eskalation des Handelsstreits zu riskieren oder er nur Stärke zeigen will", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Die Tatsache, dass sein Verhalten unberechenbar ist und es im Weißen Haus schnell zu Stimmungsschwankungen kommt, genügt, um für Verunsicherung auf dem Börsenparkett zu sorgen." Einige Investoren griffen zur "Antikrisen-Währung" Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,9 Prozent auf 1344,78 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).