China formt weltgrößten Energiekonzern

Peking treibt die Megafusionen seiner Staatskonzerne voran. Neuster Coup: In China entsteht der weltgrößte Energiekonzern. Die Staatsgiganten sollen die Weltmärkte erobern – leiden aber noch an mangelnder Effizienz.


China ist das Land der Superlative. Und diesem Ruf macht Peking alle Ehre. Am Montag gab die Zentralregierung die Entstehung des weltgrößten Energieunternehmens mit einer Bilanzsumme von 1,8 Billionen Yuan (227 Milliarden Euro) und der größten installierten Kapazität der Welt bekannt. Die Firma entsteht aus der Zusammenlegung vom weltgrößten Kohleproduzenten Shenhua Group mit der Energiefirma China Guodian.

Hinter dem Deal steht Chinas Superbehörde, die Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen (Sasac). Die dem Staatsrat in Peking zugeordnete Stelle beaufsichtigt die wichtigsten und größten Staatsbetriebe des Landes.


Die Staatsfirmen gelten als notorisch ineffizient. Ein Grund dafür ist, dass sie traditionell viele soziale Aufgaben übernehmen, wie sozialen Wohnungsbau sowie den Betrieb von Krankenhäusern und Schulen für ihre Angestellten und deren Familien. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass die die Produktivität chinesischer Staatsbetriebe rund ein Viertel niedriger ist als die anderer Unternehmen in den gleichen Sektoren.

Die Kommission hat ein Rezept, um die Firmen umzukrempeln: Megafusionen. Beaufsichtigte die Superbehörde im Jahr 2003 noch 196 Firmen, ist diese Zahl im August 2017 auf weniger als 100 gefallen. Neben dem Energiesektor würden auch weitere Fusionen etwa im Kohle-, Stahl- und Maschinenbau-Sektor anstehen, erwartete Li Jin, Chefforscher am China Enterprise Research Institute.

Viele Ökonomen bezweifeln jedoch, dass Fusionen die Effizienz der Staatsbetriebe steigern können. „Das ist nicht der richtige Weg“, sagt Professor Ding Yuan, Vizepräsident der Schanghaier Wirtschaftshochschule China Europe International Business School. Die Megafusionen schalteten in vielen Sektoren den Wettbewerb innerhalb Chinas aus und führten so zu lokalen Monopolen. Gleichzeitig steigerte die reine Zusammenlegung von zwei Firmen nicht automatisch auch deren Produktivität.


Die Staatsunternehmen stehen äußerlich meist finanziell gut da. In der Industrie konnten die Betriebe in Staatshand in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ihre Gewinne deutlich steigern. „Das Trendwachstum zeigt deutlich, dass die Staatsbetriebe ihren Höhenflug fortsetzen, während die Privatunternehmen zurückfallen. Das rapide Wachstum der Staatsbetriebe kann ihre geringe Effizienz jedoch nicht verbergen“, sagte Commerzbank-Analyst Hao Zhou.

„Die vergleichsweise geringere Rentabilität ist besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die staatlichen Betriebe umfangreiche staatliche Unterstützungsleistungen im Umfang von schätzungsweise drei Prozent des BIP erhalten“, argumentierte Hao Zhou. Zudem operierten sie teilweise in geschützten Märkten.

Seit vielen Jahren diskutiert Peking Pläne zu einer teilweisen Privatisierung der Staatsbetriebe. Mit dem Telekommunikationsunternehmen China Unicom ging die Zentralregierung jetzt einen ersten Schritt in diese Richtung. Im Zuge einer Kapitalerhöhung bekamen auch Privatunternehmen Zugang. Insgesamt zehn Investoren kauften 35,19 Prozent der Firmenaktien. Allerdings wurde mehr als die Hälfte der Aktien von Staatsfirmen gekauft. Unicom scheint ein Testprojekt zu sein, bei dem der Staat alles unternimmt, um zumindest vorerst weiterhin die fast komplette Kontrolle zu behalten.

KONTEXT

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.