China droht im Handelsstreit mit Gegenwehr "um jeden Preis" und appelliert an EU

Auf die Androhung weiterer Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump hat die chinesische Regierung mit einer Kampfansage reagiert. China werde "um jeden Preis bis zum Ende gehen", warnte das chinesische Handelsministerium

Der Handelsstreit zwischen den USA und China spitzt sich erneut zu und droht auch die Europäische Union tiefer in den Konflikt hineinzuziehen. Nach der Androhung weiterer Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump reagierte China am Freitag mit einer Kampfansage an die US-Seite und rief zugleich die Europäische Union zum "gemeinsamen Handeln" auf. Trump kritisierte unterdessen die Welthandelsorganisation (WTO) - diese sei "unfair" gegenüber den USA.

Nachdem Trump am Donnerstag mitgeteilt hatte, er lasse weitere Strafzölle prüfen, warnte das Handelsministerium in Peking am Freitag, China werde "um jeden Preis" bis zum Ende gehen. "Wir wollen keinen Handelskrieg, aber wir haben keine Angst ihn auszufechten", erklärte das Ministerium.

Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatten sich zuvor gegenseitig mit der Ankündigung von umfangreichen Strafzöllen überzogen. Nachdem China am Mittwoch als Antwort auf von Washington zuvor angekündigte massive Strafzölle ebenfalls schweres Geschütz aufgefahren hatte, legte Trump am Donnerstag abermals nach.

"Angesichts von Chinas unfairen Vergeltungsmaßnahmen" habe er die zuständigen Behörden angewiesen, zu prüfen, ob weitere Strafzölle auf Waren im Wert von 100 Milliarden Dollar (81,6 Milliarden Euro) "angemessen" seien, erklärte der US-Präsident. "Statt sein Fehlverhalten zu beenden, hat China entschieden, unseren Bauern und Herstellern zu schaden."

China hatte am Mittwoch hohe Abgaben für zahlreiche Produkte aus den Vereinigten Staaten angekündigt - darunter Sojabohnen, kleinere Flugzeuge und Autos. Insgesamt listete das chinesische Handelsministerium 106 Produktgruppen auf, deren Ausfuhren von den USA nach China sich auf jährlich 50 Milliarden Dollar summieren.

Die Regierung in Peking reagierte damit auf eine zuvor von Washington vorgelegte vorläufige Liste mit chinesischen Importwaren im Wert von ebenfalls rund 50 Milliarden Dollar. Betroffen davon sind rund 1300 Produkte, darunter Elektronikprodukte, Flugzeugteile, Medikamente, Maschinen und andere Güter.

Die US-Regierung will China mit den Strafzöllen für den mutmaßlichen Diebstahl geistigen Eigentums bestrafen. Außerdem ist Trump das hohe Handelsbilanzdefizit seines Landes ein Dorn im Auge.

Angesichts des Handelsstreit mit den USA forderte China die Europäische Union am Freitag zum "gemeinsamen Handeln" auf. China und die EU sollten eine "klare Haltung gegen Protektionismus" einnehmen und gemeinsam die auf Regeln basierende multilaterale Handelsordnung bewahren, erklärte Chinas EU-Botschafter Zhang Ming am Freitag in Brüssel. Beide Seiten trügen eine "gemeinsame Verantwortung" und müssten daher auch gemeinsam handeln.

Die EU äußerte sich zu dem chinesischen Appell nicht, betonte jedoch, dass Handelskonflikte vor der WTO gelöst werden sollten.

Im Handelsstreit mit den USA hatte China bereits am Donnerstag die WTO um eine Schlichtung angerufen. Die vorgeschlagenen US-Zölle seien "nicht vereinbar mit den WTO-Vereinbarungen", da sie sich ausschließlich gegen chinesische Produkte richteten. Die Folge sein könnten nun ein langwieriger Rechtsstreit vor dem WTO-Streitbeilegungsgremium Dispute Settlement Body (DSB).

US-Präsident Trump bezeichnete die WTO indes als "unfair". China erhalte "enorme Vergünstigungen und Vorteile", weil die WTO China "als Entwicklungsland betrachtet", schrieb Trump am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der US-Präsident hatte sich bereits in der Vergangenheit wiederholt skeptisch zu multilateralen Institutionen wie der Welthandelsorganisation geäußert.