Dax kämpft um die 12.600-Punkte-Marke – und verliert

Der deutsche Leitindex erholt sich vom Kursrutsch des Vortages, weil der befürchtete Schlagabtausch zwischen Nordkorea und den USA ausbleibt. Dazu kommt ein Euro, der wieder deutlich unter 1,20 US-Dollar notiert.


Europas Anleger sind vorsichtig in diese so wichtige Juli-Woche gestartet. Der Dax fiel am Montag früh unter die 12.600-Punkte-Marke und pendelte anschließend zwischen leichten und mittleren Verlusten. Am Ende schloss der Deutsche Aktienindex im Späthandel 0,4 Prozent tiefer bei 12.587 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 lief 0,2 Prozent tiefer bei 3519 Punkten. Weder starke chinesische Wirtschaftsdaten noch die Wall Street hatten die Anleger aus der Reserve locken können, was deutlich macht, wie zurückhaltend das Parkett vor dem EZB-Ratssitzung am Donnerstag ist, dem entscheidenden Termin der nächsten Wochen.

Nicht viel weniger als ein geldpolitischer Paradigmenwechsel steht zur Disposition, wenn die europäischen Währungshüter in Frankfurt zusammentreffen und Mario Draghi anschließen vor die Presse tritt. Die große Frage: Kommt der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik? Der Druck auf die Zentralbanker, die Zügel zu straffen, wird immer größer. Nicht nur der Bundesfinanzminister mahnt, auch in den eigenen Reihen formiert sich Widerstand, vor allem die Bundesbank und ihr Präsident Jens Weidmann fordern einen Kurswechsel.


Aber auch wenn die öffentliche Diskussion ein anderes Bild zeichnet: Dass Draghis Mannen am Donnerstag tatsächlich hinuntersteigen in den Maschinenraum der EZB, um an dem geldpolitischen Stellschrauben zu drehen, ist mehr als unwahrscheinlich. Eine Anhebung des Leitzinses – ausgeschlossen. Genau so beim Einlagenzins. Erst heute ergab eine Bloomberg-Umfrage, dass Ökonomen die Strafzinsen für Banken frühestens im letzten Quartal 2018 fallen sehen. Ohnehin ist die vorgegebene Marschroute der EZB folgende: Die Zinsen werde erst angerührt, wenn das Anleihekaufprogramm beendet ist.

Die Zinsen sind also kein Thema, vielmehr geht es um die Frage, ob sich bei den Anleihekäufen etwas ändert. Bis Ende Dezember 2017 erwirbt die Zentralbank monatlich 60 Milliarden Euro an staatlichen und privaten Wertpapieren, insgesamt hat das Programm ein Zwei-Billionen-Euro-Volumen. Sollte der Rat diese Käufe zurückfahren, wäre es tatsächlich die große geldpolitische Wende, galt seit Ausbruch der Euro-Krise doch die Devise: Zügel locker lassen und Geldschleusen öffnen. Auf dem Parkett geht man davon aus, dass die Währungshüter erst in der Septembersitzung aktiv werden. Am Donnerstag dürfte Mario Draghis Aufgabe vor allem darin liegen, diese ersten Schritte verbal vorzubereiten.


Das könnte zum Beispiel so aussehen, als dass die die offizielle Ratserklärung die bisher verwendete Passage, Anleihekäufe bis Ende 2017 „oder erforderlichenfalls darüber hinaus“ zu tätigen, ausspart. Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert etwa erwartet, dass die EZB die Option streicht, das monatliche Volumen ihrer Anleihekäufe bei Bedarf erneut aufzustocken. „Denn dies erscheint angesichts der sehr robusten Konjunktur als sehr unwahrscheinlich.“

Die Erwartungshaltung der Märkte ist groß, dementsprechend hoch ist das Risiko für Enttäuschungen. Sowohl für den Fall, dass die Wende zu früh kommt, als auch im Szenario einer Verschleppung des Ausstieges. Daher tut die EZB gut daran, behutsam vorzugehen und die mittelfristig nahende Normalisierung kommunikativ zu begleiten.


Berichtssaison kommt ins Laufen


Die anstehende Notenbanksitzung sorgte dafür, dass sich kein Schwung im Montagshandel entwickelte – und das trotz starker chinesischer Zahlen. Insgesamt war die Wirtschaft im Reich der Mitte im zweiten Quartal etwas stärker als von Experten prognostiziert. Eine starker Privatsektor, sowohl Verbraucher als auch investitionsfreudige Unternehmen setzten Impulse, ließ das als BIP bekannte Bruttoinlandsprodukt um 6,9 Prozent wachsen. Im Vorquartal war die Volkswirtschaft mit der gleichen Rate gewachsen.

„Das sind ermutigende Zeichen für das globale Wachstum, schließlich ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt“, sagte Ökonom Craig James vom Commonwealth Securities in Sydney. Chinas Börsen verzeichneten indes dicke Abschläge, es dürfte sich um Gewinnmitnahmen handeln. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans – wo am Montag wegen eines Feiertags nicht gehandelt wurde – stieg um 0,4 Prozent. Chinas Börsen hingegen reagierten mit Gewinnmitnahmen. Der Shanghaier Composite verlor anderthalb, der CSI-300 ein knappes Prozent.

Auch von der Wall Street gab es keinen Rückenwind. In New York traten die großen Indizes zum Wochenbeginn auf der Stelle. Der Dow-Jones-Index lief beim Frankfurter Handelsschluss mit einem Stand von 21.638 Zählern völlig unverändert, am Freitag hatte er ein neues Allzeithoch bei 21.682 Punkten markiert. Der breitere S&P-500 kam mit 2460 Stellen nicht vom Fleck. Lediglich die Technologiebörse Nasdaq legte zu, zum siebten Mal in Folge. Ihr 100-Index stieg mit einem Plus von 0,3 Punkten auf 5858 Zähler.


Nach dem im Großen und Ganzen schlappen Handel der vergangenen Wochen liegen die Hoffnungen auf der Berichtssaison, die diese Woche auf Touren kommt. „Die anlaufende Quartalszahlensaison dürfte größtenteils überzeugen – in Euroland noch mehr als in den USA“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Die Vereinigten Staaten legen am Dienstag vor mit den Büchern von unter anderem Johnson & Johnson, Bank of America und Goldman Sachs. Am Mittwoch folgen dann Alcoa und Morgan Stanley.

Am Donnerstag präsentieren dann auch eine ansehnliche Gruppe europäischer Unternehmen ihr Zahlenwerk. In Deutschland schauen Anleger besonders auf den Dax-Konzern SAP, aber auch auf Hella und Krones aus dem MDax und Software AG aus dem TecDax. Im Fokus steht zudem der geplante Börsengang des hessischen Lkw-Zulieferers Jost. Hinzu kommen Berichte von ABB aus der Schweiz, den britischen Firmen Anglo American und Easyjet sowie der spanischen Iberdrola. Auch der Blick in die USA lohnt erneut mit Zahlen von Abbott, Microsoft und Ebay.

Unter den Konzernen der vordersten deutschen Börsenreihe stand die Lufthansa ganz oben in der Gunst der Anleger. Die Papiere der Fluggesellschaft verteuerten sich um ein Prozent. Sowohl Barclays als auch die Analysten der Credit Suisse erhöhten ihr Kursziel für die Kranich-Linie. Am anderen Ende des Dax fanden sich die Papiere der Deutschen Börse wieder. Die Royal Bank of Scotland reduzierte ihr Kursziel für den Börsenbetreiber, woraufhin dieser 1,5 Prozent verlor.