Chilenische Bischofskonferenz bittet Opfer von Missbrauch um Verzeihung

Santiagos Erzbischof Ezzati während der Bischofskonferenz

Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche Chiles hat die Bischofskonferenz des Landes die Opfer um Verzeihung gebeten. Sie hätten gegen ihre Pflichten als Priester verstoßen, erklärten die Bischöfe nach einer fünftägigen Klausurtagung am Freitag (Ortszeit). "Wir haben den Opfern der schweren Sünden und Ungerechtigkeiten, die Priester und Mitglieder der Kirche begangen haben, nicht zugehört und nicht geglaubt."

Die Bischofskonferenz kündigte in Punta de Tralca westlich der Hauptstadt Santiago an, dass sie ab sofort in Missbrauchsfällen eng mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten und die Ermittlungen öffentlich machen werde. Zudem wollten die Vertreter der Bischofskonferenz Missbrauchsopfer persönlich treffen.

Ermittlungen der chilenischen Justiz richten sich gegen 158 Geistliche und mit der Kirche verbundene Laien wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs seit den 60er Jahren. Unter den mutmaßlichen 266 Opfern waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft 178 Kinder und Jugendliche. Derzeit sind 73 Verdächtige das Ziel von 38 Ermittlungen, bei denen es um 104 überwiegend minderjährige Opfer geht.

Der Bischofskonferenz zufolge wurden in den vergangenen Monaten 14 Kirchenvertreter suspendiert. Insgesamt wurden 43 Geistliche und ein Diakon ihrer Posten enthoben.

An die Spitze des Nationalrats der Kirche zur Vorbeugung von Missbrauch und Begleitung der Opfer berief die Bischofskonferenz die Anwältin Ana María Celis. Sie schufen außerdem eine Abteilung zur Prävention von Missbrauch.

Der Erzbischof von Santiago de Chile, Kardinal Ricardo Ezzati, muss sich am 21. August vor der Staatsanwaltschaft in Rancagua zum Vorwurf äußern, der Klerus habe sexuellen Missbrauch ranghoher Geistlicher vertuscht. Der italienisch-chilenische Erzbischof erklärte, zur Aufdeckung der Wahrheit beitragen zu wollen. Er versicherte zugleich, dass er der Justiz niemals etwas verheimlicht oder deren Arbeit behindert habe.

Mitte Juli war der Priester Oscar Muñoz, ein enger Vertrauter des Erzbischofs, inhaftiert worden. Ihm wird zur Last gelegt, sich an sieben Kindern vergangen zu haben. Die Missbrauchsfälle sollen ab dem Jahr 2002 in der Hauptstadt Santiago de Chile und in der südlich davon gelegenen Stadt Rancagua passiert sein.

Im Zusammenhang mit der Affäre um Kindesmissbrauch hatten im Mai dutzende Bischöfe des Landes geschlossen ihren Rücktritt eingereicht. Bislang nahm Papst Franziskus den Rücktritt von fünf von ihnen an. Darunter ist Juan Barros, den das Oberhaupt der katholischen Kirche 2015 trotz der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zum Bischof von Osorno ernannt hatte. Im Januar nahm er Barros außerdem bei einem Chile-Besuch öffentlich in Schutz.

Später rückte Franziskus davon ab. Im April räumte er "schwere Fehler" im Umgang mit dem Missbrauchsskandal ein. Angesichts des Leidens der Missbrauchsopfer äußerte der Papst "Scham" und "Schmerz".