Chemieriese Domo drosselt deutsche Produktion wegen Gaskrise

(Bloomberg) -- Einer der größten Polymer-Zulieferer der deutschen Automobilindustrie drosselt seine Produktion unter anderem in Deutschland. Das Beispiel zeigt die vermutlich dauerhaften Folgen der Energiekrise für die industrielle Basis des Landes und für die globalen Lieferketten.

Die Domo Chemicals GmbH, die nach der BASF SE Deutschlands zweitgrößte Chemiefabrik betreibt, hat begonnen, europäische Aufträge mit Material aus Nordamerika und China zu erfüllen, wo dies möglich ist, sagte der Vorstandsvorsitzende Yves Bonte in einem Interview.

“Europa ist bei diesen hohen Energiekosten nicht mehr wettbewerbsfähig”, sagte Bonte. Das Unternehmen erfülle weiterhin alle Bestellungen.

Der europäische Chemiesektor, auf den etwa ein Viertel des industriellen Gasverbrauchs des Kontinents entfällt, steht an vorderster Front der Energiekrise, die durch die Folgen des russischen Einmarschs in der Ukraine ausgelöst wurde. Wie Domo sind auch Hersteller wie BASF dazu übergegangen, bestimmte Materialien zu importieren, um die Auswirkungen der steigenden Preise zu begrenzen und die drohende Rationierung von Gas zu verhindern.

Auch wenn diese Maßnahmen dazu beitragen, Gas zu sparen und die Gewinne zu verbessern, unterstreichen sie die düstere Zukunft der energieintensiven Produktion in Europa. Bonte erklärte, dass Domo seine Investitionen in Europa aufgrund der Krise zurückfahre, ein Schritt, der eine geringere Produktion in der Zukunft impliziert.

“Die Investitionen außerhalb Europas laufen normal weiter, aber hier geht es langsamer und vorsichtiger voran”, sagte er.

Laut VCI, dem Verband der deutschen Chemie- und Pharmahersteller, wird die Produktion der Branche in diesem Jahr um 8,5% zurückgehen - so stark wie seit 2009 nicht mehr, als die Finanzkrise die Märkte erschütterte und die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzte. Ohne Pharmazeutika brach die deutsche Chemieproduktion im zweiten Quartal laut VCI um 8,2% ein. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate seien “im Keller.”

Domo, das einer belgischen Holding gehört, die nicht an der Börse notiert, hat neun Standorte in den USA, China und Europa, darunter ein Werk in Leuna, das es gemeinsam mit Total SA und anderen betreibt. Domo erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro und ist damit ein wichtiger Akteur auf dem 32 Milliarden US-Dollar schweren globalen Polyamidmarkt.

Überschrift des Artikels im Original:

Chemical Giant Cuts European Production as Gas Crisis Worsens

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