Letzte Chance! Bierhoff kämpft um Bayern-Talent

Florian Plettenberg
·Lesedauer: 3 Min.

Läuft Jamal Musiala zukünftig für England oder für Deutschland auf?

Der 17-Jährige (Vater aus Nigeria, Mutter aus Deutschland) wurde in Stuttgart geboren, wuchs im nordhessischen Fulda auf, besitzt aber die englische Staatsbürgerschaft.

2010 zogen er und seine Mutter nach England, kamen zurück nach Deutschland, um dann fest auf die Insel zu ziehen. Nach knapp acht Jahren beim FC Chelsea wechselte Musiala im Sommer 2019 in die U17 des FC Bayern. Zwar hat er im vergangenen November seine ersten beiden U21-Länderspiele für England absolviert, dennoch könnte er sich noch für einen Wechsel in die deutsche A-Nationalelf entscheiden, solange er nicht für die englische A-Nationalmannschaft aufläuft.

Bierhoff kämpft um Bayern-Talent Musiala

Aufgeben will ihn der DFB noch nicht, wie Oliver Bierhoff im Gespräch mit SPORT1 erstmals verdeutlicht!

"Jamal Musiala ist ein sehr interessanter Spieler, den wir aufgrund seiner DFB-Vergangenheit und seinen aktuellen Leistungen beobachten", sagt der Nationalmannschafts-Direktor.

Bierhoff weiter: "Es gab vor einigen Monaten bereits Kontakt zwischen ihm und unseren DFB-Verantwortlichen im Juniorenbereich. Er hat sich momentan dafür entschieden, für die englische U21-Nationalmannschaft zu spielen, was wir natürlich respektieren. Wir werden ihn aber weiterhin im Auge behalten und natürlich immer wieder erörtern, ob sich seine Einstellung ändern kann."

Bierhoff kämpft um Musiala!

Musiala ein sensibles Thema beim DFB

Die Zeit spricht allerdings gegen den DFB. Denn eine Einladung zum A-Team der Three Lions wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen und könnte schon im kommenden März erfolgen. Es sei denn, Ex-Stürmer Bierhoff oder gar Bundestrainer Joachim Löw grätschen vorher erfolgreich dazwischen.

SPORT1 weiß: Bislang arbeitete vor allem U21-Auswahltrainer Stefan Kuntz mit Hochdruck daran, Musiala für den DFB zu überzeugen. Allerdings erfolglos. Das Musiala-Thema ist verbandsintern ein sensibles Thema.

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Bierhoff stellt allerdings auch klar, dass der Spieler Zeichen senden muss, überhaupt für Deutschland auflaufen zu wollen.

"Neben den sportlichen Aspekten ist uns vor allem wichtig, dass sich unsere Nationalspieler zu unserem Land, unseren Mannschaften und unseren Werten bekennen und damit identifizieren", sagt Bierhoff.

Nachwuchs-Trainer macht wenig Hoffnung

Deutlich pessimistischer klang zuletzt Meikel Schönweitz. Laut des DFB-Nachwuchs-Cheftrainers habe Musiala dem DFB "klar signalisiert, dass er seine Zukunft momentan in den englischen Nationalmannschaften sieht". Schönweitz sagte im November bei SPORT1: "Diese Meinung akzeptieren wir und wünschen ihm alles Gute für seinen sportlichen Weg."

Musiala hatte nach Einsätzen für Englands U15 und U16 im Oktober 2018 zwei Länderspiele für die deutsche U16 bestritten, ehe er seit Sommer 2019 in neun Partien für die englische U17 auf dem Platz stand.

"Solche Nationen-Wechsel sollten mit Bedacht vorgenommen werden", so Schönweitz: "Sie sind nicht unkompliziert und neben der moralischen Komponente durch rechtliche Grenzen limitiert, zum Beispiel was Spielberechtigungen, Staatsbürgerschaften oder das 'Festspielen für eine Nation' angeht."

Doch klar ist auch: Supertalente wie Musiala kann sich der DFB nicht durch die Hände rutschen lassen.

Bayern plant Zukunft mit Musiala

Ex-Nationalspieler Michael Ballack sagt bei SPORT1: "Er ist trotz seiner wenigen Körperlichkeit unheimlich schnell und beweglich. Er hat zudem ein außergewöhnliches Verständnis für Dribblings. Das sieht man deutlich. Seine Ballführung in der Offensive und seine Übersicht sind absolut herausragend."

Beim FC Bayern hat Musiala unter Hansi Flick bereits gezeigt, dass er sich, umgeben von Topspielern, behaupten kann. Der 17-Jährige ist die Überraschung der laufenden Saison. Die Münchner wollen ihn über den derzeitigen Jugendspieler-Vertrag mit einer Laufzeit bis 2022 hinaus binden - und das Gehalt finanziell deutlich aufstocken. Es ist davon auszugehen, dass die Vertragsverlängerung ohne große Probleme zustande kommt. Denn Musiala will bei den Bayern bleiben.

Nach SPORT1-Informationen hat Musiala hingegen noch keine finale Entscheidung getroffen, für welches Land er zukünftig dauerhaft auflaufen will. Bierhoff, Löw und Fußball-Deutschland können also weiterhin hoffen.