Was die Chefs der gesetzlichen Krankenkassen verdienen

Die Krankenkassen-Chefs müssen jährlich ihr Gehalt veröffentlichen. Dabei zeigen sich gewaltige Unterschiede.


Der 1. März ist für viele Angestellte der gesetzlichen Krankenkassen stets ein besonders interessanter Tag. Dann veröffentlicht der Bundesanzeiger, was die Chefs der knapp über 100 deutschen Kassen verdienen.

Um es vorwegzunehmen: Die meisten Chefs haben 2017 zwar mehr verdient als im Vorjahr. Im Verhältnis zu den Gehältern, die in privaten Konzernen gezahlt werden, lesen sich die Salärs geradezu bescheiden. Dennoch zeigen sich gewaltige Unterschiede.

Generell wird auf Vorstandsebene bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), von denen es noch zwölf im Land gibt, etwas mehr verdient als bei den Betriebskrankenkassen (BKK). Häufig sind die AOKs einem Bundesland oder einer Region zugeordnet, die BKKs einem Unternehmen. Dabei gibt es die Variante, dass diese entweder für alle, oder nur für Betriebsangehörige offensteht.


Top-Verdiener quer über alle Kassen war im vergangenen Jahr den Veröffentlichungen zufolge Andreas Gassen, der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Damit ist er so etwas wie der oberste Vertreter der Kassenärzte – ein Lobbyist, aber im eigentlichen Sinne gar kein Kassenmanager. Ein Grundgehalt von 327.177 Euro erhielt er und damit etwas mehr als der Bestverdiener unter den Kassenmanagern.

Das war im vergangenen Jahr Jens Baas von der Techniker Krankenkasse (TK) mit knapp 324 000. Er machte im Vergleich zum Vorjahr einen Gehaltssprung um gut drei Prozent. In dieser Größenordnung spielen sich auch die Erhöhungen bei den meisten anderen Kassenchefs ab.

Es folgt Barmer-Chef Christoph Straub mit 289.000 Euro. Der gerade in den Ruhestand getretene Chef der AOK Bayern, Helmut Platzer mit 272.000 Euro und DAK-Boss Andreas Storm mit 270.000 Euro liegen nahezu gleichauf.

In den Reihen der AOKs zählt der Chef der bayerischen Kasse zu den Top-Verdienern. Anderswo wird weniger bezahlt, allerdings verdienen nur die Chefs der AOKs in Sachsen-Anhalt (184.820 Euro) und in Bremen (193.749 Euro) insgesamt weniger als 200.000 Euro im Jahr.

In beiden Fällen gibt es auch keinen variablen Anteil. Am meisten verdient wird dagegen bei der Berliner AOK, wo der Chef insgesamt 244.070 Euro an fixem und variablem Gehalt überwiesen bekam, gefolgt von der AOK Niedersachsen und der AOK Plus aus Sachsen und Thüringen, wo es die Vorstandschefs insgesamt auf jeweils über 235.000 Euro brachten.

Deutlich auseinander gehen die Gehälter bei den BKKs. Meist hängt das mit der Anzahl der Mitglieder und damit der Größe des Unternehmens ab. An der Spitze steht der Chef der Nürnberger mhplus, der Betriebskrankenkasse des Autozulieferers Mann & Hummel, mit insgesamt 258.254 Euro an fixen und variablen Gehaltsteilen.



Lediglich 36.000 Euro waren es dagegen bei der Metzinger BKK. Laut Bundesanzeiger gab es dort auch keine variablen Bestandteile. Zudem nutzt der Vorstand statt eines Dienstwagens ein E-Bike. Diese Sparsamkeit kommt offensichtlich den Kunden zugute.

Die Metzinger BKK war bei der jüngsten Beitragsrunde die einzige bundesweit, die keinen Zusatzbeitrag verlangte. Stattdessen werden sie dort nur mit dem allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen zur Kasse gebeten. Die sind jeweils zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer zu zahlen.

Auf der Gegenseite genehmigte sich der Vorstandschef der Viactiv laut Bundesanzeiger im vergangenen Jahr insgesamt ein Gehalt von 214.308 Euro, rechnet man die fixen und variablen Bestandteile zusammen. Mit einem Beitrag von 16,3 Prozent gehört die Kasse aus Kundensicht zu den teuersten im Land.

Ein ähnlicher Zusammenhang lässt sich bei der Berliner BKK VBU herstellen. Sie erhöhte zum Jahreswechsel den Beitrag für ihre Mitglieder gleich um 0,4 auf 15,9 Prozent. 160.680 Euro hat die Vorständin im vergangenen Jahr an Grundvergütung erhalten. Daneben weist der Bundesanzeiger einen variablen Anteil von maximal 45.000 Euro sowie einen Dienstwagen zur privaten Nutzung aus.