Chefs von Eon, RWE und Innogy wollen Mitarbeiter beruhigen – Eckpunktepapier geplant

Das Milliardenschwere Tauschgeschäft der Energieriesen verunsichert die Beschäftigten: Schon bald könnte aber eine erste Rahmenvereinbarung stehen.


Im Streit um die Zerschlagung von Innogy dringen Betriebsräte und Gewerkschaften auf Tempo: Ende kommender Woche soll schon ein Eckpunktepapier stehen, das die Rechte der Mitarbeiter in den drei betroffenen Konzernen Eon, RWE und Innogy schützen soll. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter.

Dann kommen die Chefs der drei Konzerne, Johannes Teyssen, Rolf Martin Schmitz und Uwe Tigges, zu einem zweiten Spitzentreffen zusammen, das von den Gewerkschaften Verdi und IGBCE sowie den Konzernbetriebsräten begleitet wird.

Anschließend sollen die Tarifparteien über eine Anpassung der jeweiligen Vereinbarungen zum Kündigungsschutz verhandeln. Bis zum Sommer soll eine endgültige Regelung stehen.


Speziell in Kreisen von Innogy ist man aber noch skeptisch. Es wird jedoch selbst bei dem Unternehmen, das vor der Zerschlagung steht, eingeräumt, dass „Bewegung“ in die Thematik gekommen sei.

Im März hatten Eon und RWE überraschend ein milliardenschweres Tauschgeschäft angekündigt. Eon will dabei die RWE-Tochter Innogy übernehmen. RWE bekommt im Gegenzug eine Beteiligung an Eon von 16,7 Prozent und umfangreiche Aktivitäten.

Seither ist vor allem bei Innogy die Unruhe groß. Das Unternehmen, das erst vor zwei Jahren von RWE abgespalten und an die Börse gebracht worden ist, verliert schon wieder die Selbstständigkeit und wird zerschlagen.

Eon übernimmt nur die Sparten Vertrieb und Netze. RWE erhält die erneuerbaren Energien – und zwar nicht nur die von Innogy, sondern auch die von Eon. Von den Umstrukturierungen sind also auch Eon- und RWE-Beschäftigte betroffen.


Am Donnerstag waren die drei Konzernchefs zu einem ersten Treffen zusammengekommen. Flankiert wurde das Gespräch unter anderem von Verdi-Chef Frank Bsirske, IGBCE-Vorstandsmitglied Ralf Sikorski und den Konzernbetriebsratsvorsitzenden. Wie es aus Kreisen der Teilnehmer hieß, war das Gespräch „konstruktiv“.

Eon-Chef Johannes Teyssen hat angekündigt, im Zuge der Fusion rund 5000 der insgesamt 70.000 Stellen abzubauen. Er sagte zwar zu, sozialverträglich vorzugehen. Betriebsbedingte Kündigungen wollte er bislang aber nicht ausschließen.

Das ist aber eine Kernforderung der Innogy-Betriebsräte und des Innogy-Managements. Sie fürchten um die Chancengleichheit der eigenen Beschäftigten im fusionierten Unternehmen. Innogy-Chef Uwe Tigges hatte schon bilateral mit Teyssen verhandelt. Dabei lagen die Positionen aber weit auseinander, wie es in Unternehmenskreisen heißt.

In den Unternehmen gibt es schon Regelungen, die die Rechte der Mitarbeiter bei Umstrukturierungen regeln sollen. Bei RWE und Innogy wurde vor Jahren der „Switch-Vertrag“ ausgehandelt. Dieser schließt zwar nicht explizit betriebsbedingte Kündigungen aus, sie sind aber nur als „ultima ratio“ möglich, wenn Mitarbeiter mehrere alternative Angebote ausschlagen sollten.